Jubiläumssaison glanzvoll eröffnet

Erstellt: 23. Mai 2008, 00:00 Uhr
Jubiläumssaison glanzvoll eröffnet Zum Start der neuen Saison erklingt im Laienrefektorium des jahrhundertealten Maulbronner Zisterzienserklosters festlich-heitere Barockmusik. Foto: Fotomoment

Maulbronner Klosterkonzerte: Ensemble „Ars Antiqua Austria“ aus Wien überzeugt mit virtuos dargebotener Barockmusik

Seit 40 Jahren gibt es die Klosterkonzerte, seit einem Vierteljahrhundert den Kammerchor und seit 60 Jahren die Kantorei. Obwohl es in Maulbronn also eigentlich gleich drei gute Gründe gäbe, dieses Jubiläumsjahr mit einem festlichen Auftakt einzuleiten, blieb man eher bescheiden. Am Mittwochabend wurde die 40. Saison der Klosterkonzerte eröffnet, allerdings mit brillant aufgeführter, durchaus heiterer, gleichwohl auch festlicher Barockmusik, gespielt vom exzellenten Ensemble „Ars Antiqua Austria“ aus Wien.

 Vor rund 350 Jahren waren die dargebotenen Kompositionen im damaligen Kaiserreich Österreich, zu dem neben Böhmen und Mähren auch weite Teile Italiens und des Balkans gehörten, entstanden. Am Kaiserhof in Wien wurde viel und gerne musiziert, so dass sich angesehene Komponisten jener Zeit aus allen Regionen des Reiches dort mit ihren Werken profilieren konnten. In der österreichischen Barockmusik fanden Musikstile der verschiedensten Länder, nicht zuletzt aber auch Elemente aus der slawischen, ungarischen und alpenländischen Volksmusik ihren Niederschlag. Eine außerordentlich reizvolle Mischung aus Hof- und Volksmusik war das Ergebnis, und dies vermochte das Ensemble aus Wien unter der Leitung von Gunar Letzbor temperamentvoll, höchst virtuos und in glutvollen Klangfarben den Konzertbesuchern im Laienrefektorium des Klosters Maulbronn zu vermitteln.

 Ausgeführt wurden die Werke von acht Komponisten des 17. und frühen 18. Jahrhunderts, deren Namen zumeist kaum noch bekannt sind, wenn man von Heinrich Ignaz Franz von Biber sowie Antonio Vivaldi einmal absieht, auf historischen Instrumenten der Barockzeit, darunter auch der Violone, der Vorgängerin des Violoncellos, der Laute sowie auf zwei Clarini, das sind Naturtrompeten.

 Mit einer heiter bewegten und zugleich auch feierlich klingenden Sonata von Vincenzo Albrici leitete das Ensemble „Ars Antiqua Austria“ das Konzert ein. Bereits hier fiel der erlesene, wenngleich auch anfänglich als sehr hell zu empfindende Klang der beiden Violinen auf, der sich von den markant in dunklen Farben wahrnehmbaren Begleitstimmen von Violone und Laute abhob. Darüber aber breiteten sich in brillanter Intonation und unübertrefflich präziser Spieltechnik ausgeführten Töne der beiden Naturtrompeten aus. Andreas Lackner und Herbert Walser erwiesen sich im Lauf des Abends noch einige Male als herausragende Solisten auf diesen Instrumenten.

 In wechselnden Besetzungen waren außerdem noch Kompositionen von Johann Heinrich Schmelzer, Johann Caspar Kerll, Pavel Josef Vajnanovsky, Charles Mouthon und Romanus Weichlein zu hören. Bei der Auswahl der Stücke folgte das Ensemble der bewährten Methode schnell – langsam – schnell. Eine in der Stimmung sehr elegisch wirkende „Sonata Lamentevole“ von Johann Heinrich Schmelzer war ein eindrucksvolles Beispiel für eine verklärte Komposition, die in der Besetzung eine Violine, zwei Violen und Violone, stets auch unterlegt mit begleitenden Akkorden des Cembalos und der Laute, zu Gehör gebracht wurde.

 Dagegen erwiesen sich insbesondere im zweiten Teil des Eröffnungskonzerts Kompositionen von Vivaldi oder Mouthon mit anspruchsvollen Soli zum einen für die Naturtrompeten, zum anderen für die Violinen als großartige Gelegenheiten, die Heiterkeit, die tänzerische Bewegtheit, die Farbenfülle in der Melodik der Barockmusik temperament- und glanzvoll zu einem wahren Ohrenschmaus zu entwickeln.

 Das Ensemble „Ars Antiqua Austria“ beglückte nicht nur mit stilgerecht authentischer Wiedergabe der Barockwerke, die neun Instrumentalisten überzeugten auch mit ihrer energiegeladenen Musizierfreude und ihrer brillanten Virtuosität. Erst nach Zugaben konnten sie das Podium im Laienrefektorium verlassen. Rudolf Wesner

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