Jeder will doch Chef im Revier sein

Erstellt: 23. Februar 2008, 00:00 Uhr
Jeder will doch Chef im Revier sein 18. September 1982, 15.31 Uhr, Neckarstadion Stuttgart: Peter Reichert (Bildmitte) steigt am höchsten und markiert bereits in der zweiten Spielminute das 1:0 im Derby gegen den Karlsruher SC. Es ist zugleich das 1000. Bundesliga-Tor des VfB Stuttgart. Die Roten lassen an jenem Tag noch drei weitere Treffer folgen und gewinnen die Partie am Ende mit 4:1. Foto: Baumann

Derbyfieber in der Region: VfB gegen KSC – Ex-Profi Peter Reichert war für beide Clubs aktiv

Nein, an den 18. September 1982 kann sich Peter Reichert auf Anhieb nicht erinnern. „Aber da war bestimmt auch ein Derby?“, vermutet der heutige Fan-Beauftragte des VfB Stuttgart aus Oberderdingen. Richtig vermutet.

VON STEFFEN-MICHAEL EIGNER

An jenem Nachmittag, kurz nach halb vier, waren im Neckarstadion noch nicht ganz zwei Minuten gespielt, als sich der damals 21-Jährige aus Oberderdingen im Strafraum des Karlsruher SC hochschraubte und per Kopf das 1:0 für den VfB Stuttgart erzielte. Es war das 1000. Tor des VfB in der Fußball-Bundesliga. Die Brüder Bernd und Karl-Heinz Förster sowie Walter Kelsch steuerten dann die weiteren Tore zum 4:1-Sieg bei. Gerhard Bold hatte das zwischenzeitliche 2:1 für den KSC besorgt. Einer der Aktiven von damals ist auch heute wieder mit von der Partie: Edmund Becker, seinerzeit für den KSC auf dem Platz, führt heute als Trainer das Kommando bei den Blauen.

 Einige Jahre später hat auch Peter Reichert das Trikot des Karlsruher SC übergestreift. In den Spielzeiten 1990/91 und 1991/92 absolvierte Reichert zusammen 36 Bundesligaspiele für die Badener, schoss dabei sechs Tore. „Ich bin im Herzen aber ein Stuttgarter“, verrät der heute 47-Jährige. Kein Wunder, hatte Reichert doch seine Glanzzeiten auf dem Wasen und feierte dort mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1984 seinen größten Erfolg. „Da bin ich groß geworden“, sagt er. In 139 seiner insgesamt 175 Bundesligaspiele trug der Oberderdinger das VfB-Trikot, 42 seiner 48 Bundesligatore schoss er für die Stuttgarter. Einen Platzverweis hat Reichert in dieser Zeit nie kassiert, nur fünfmal sah der Angreifer in sieben Jahren Bundesliga die gelbe Karte.

 Insofern ist Peter Reichert genau der Richtige für den Job des Fanbeauftragten. Als solcher hofft er, dass rund um das Spiel am Samstag alles fair und friedlich bleibt. Die Anhänger des VfB und des KSC sind sich bekanntermaßen nicht grün. „Es ist Krieg“, prangte beim Hinspiel auf einem der Transparente im Stadion. Die geografische Nähe sieht Reichert als Hauptgrund für diese Feindseeligkeit. „Das ist die Rivalität eines Derbys zwischen Nachbarn. Jeder will doch Chef im Revier sein“, begründet Reichert. „Ich denke aber auch, dass das jetzt hochgepuscht wird, weil es neun Jahre lang kein Derby zwischen den beiden Vereinen gegeben hat. Da hat sich etwas angestaut.“ Für die Sicherheit auf dem Weg ins Stadion sei indes die Polizei zuständig. „Die Beamten haben da eine Strategie, damit die Fans nicht aneinander geraten – weder in und um das Stadion, noch in den Zügen“, beruhigt Reichert.

 Darauf vertraut auch Cristobal Naranjo: „Die Polizei kennt ihre Pappenheimer. Die sind für solche Spiele gewappnet.“ Als Präsident des VfB-Fanclubs „Fauststadt Crocodiles“ in Knittlingen spürt Naranjo die unmittelbare Nähe zu Baden. Die VfB-Fans seien in Knittlingen zwar in der Mehrheit, doch: „Es gibt auch viele KSC-Fans. Und durch die jüngsten Erfolge der Karlsruher werden es vor allem unter den Kindern immer mehr“, hat Naranjo beobachtet. Insgesamt steht es in der Region Mühlacker aber 4:0 für Stuttgart, zumindest was die Anzahl der offiziellen Fanclubs angeht. Neben den Faustadt Cocodiles, drücken noch „d’faens“ in Maulbronn, das „Commando Schmiebach“ in Lienzingen und der Großglattbacher Fanclub „Groß-Glabbich“ den Roten die Daumen. Wohingegen die blauen Badener nach Auskunft des Karlsruher SC in Mühlacker und Umgebung keinen eingetragenen Fanclub haben.

 Cristobal Naranjo hat derweil noch ein „besonderes Problem“: „Ich arbeite in Karlsruhe“, sagt er und lacht. Im Geschäft sei er von lauter „Blauen“ umgeben, die das Derbyfieber sichtlich gepackt habe. Aber auch im Knittlinger VfB-Fanclub grassiere es längst. „Wir sind mit 65 Mitgliedern im Stadion“, kündigt Naranjo an. Fast der gesamte Club, denn derzeit gibt es knapp 70 Fauststadt-Krokodile.

  Die „Fanfeindschaft“ zwischen den Badenern und den Schwaben ist aber auch Naranjo ein wenig unverständlich: „Das müsste nicht so sein.“ Wenngleich er zugibt: „Wenn Karlsruhe im Europapokal gegen Glasgow oder Bukarest spielt, schaue ich mir das nicht an.“

 Peter Reichert verfolgt zwar das Wohl und Wehe des KSC nach wie vor. „Aber mit den Fans habe ich keinerlei Kontakt. Nur mit dem Fanbeauftragten Burkhard Reich. Wir haben ja noch zusammen gespielt.“ Für das heutige Spiel wünscht sich Reichert: „Wenn es genauso ausgeht wie damals im September 1982, dann wäre das prima.“

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