Jeder schwört auf sein eigenes Gefieder

Erstellt: 2. Januar 2012, 00:30 Uhr
Jeder schwört auf sein eigenes Gefieder Vize-Europameister Sven Giesa passt den jungen Sternenfelser Bogenschützen ihren individuellen Bogen an.

Sternenfels. Aluminiumhülsen, Federchen, Pfeile, Bögen, Koffer, Werkzeug: im Gemeinschaftsraum des Adlerhorst sieht es aus wie eine Mischung aus Werkstatt und Lagerraum. In kleinen Grüppchen stehen die Mitglieder zusammen, werkeln, bauen und reparieren Pfeile oder testen verschiedene Bögen. Mit von der Partie waren vor allem junge Bogensportler: Fast ein Drittel der 65 aktiven Sternenfelser Bogensportler sind Kinder und Jugendliche. „Unser Jugendleiter Torsten Somann hat diesen Tag als spezielles Angebot an unsere Anfänger und jungen Sportler organisiert“, erklärt Edith Pürmayr, die Schriftführerin des Vereins. Ab zehn Jahre, „wenn es die körperliche Konstitution zulässt auch ab acht Jahre“, können Kinder beim BSV aktiv werden.

„Für das Schnuppern und die erste Zeit haben wir genügend Vereinsbögen, aber dann sollten die Sportler auf einen eigenen individuell auf sie eingerichteten Bogen umsteigen“, sagt sie. Um den Sportlern den Weg zum eigenen Bogen zu erleichtern, hat der BSV die Kooperation mit Sven Giesa gesucht. Der ist nicht nur Vize-Europameister mit dem Feldbogen, sondern auch Bogenlehrer und Bogenhändler in Bietigheim.

Mit Klebstoff und einer Herdplatte entstehen die Rohpfeile

„Das Wichtigste im Bogensport ist das Schießgefühl und das kann sich nur entwickeln, wenn der Sportler dauerhaft mit einem Bogen schießt, der zu ihm passt“, unterstreicht er. Der Bogensport sei eine sehr schwierige Sportart. „Man kann hier nicht wie in manch anderer Sportart seine Fehler durch Kraft und Schnelle übertünchen“. Was allerdings nicht heißen solle, dass es im Bogensport ohne Kraft abgehe: „Das Körpergefühl, die Beweglichkeit, besonders im Rückenbereich, und die Muskeln werden durch ein ganz spezielles Training geschult“. Der Schlüssel zum Erfolg sei allerdings Konzentration – und Entspannung. „Vom Trainieren dieser Fähigkeiten profitieren gerade auch die jungen Bogensportler im schulischen Bereich“, meint er. „Der Vorteil bei meinem Mietprogramm ist, dass der Bogen durch Umtausch oder Ergänzung problemlos mit dem Sportler und seiner Entwicklung mitwachsen kann“, betont Giesa.

Parallel dazu sind die „alten Hasen“ des BSV Sternenfels damit beschäftigt, den Anfängern, zu zeigen, wie Pfeile repariert und selbst hergestellt werden. Der gusseiserne Ofen in der Mitte des Gemeinschaftsraumes verbreitet an diesem Tag nicht nur eine heimelige Wärme im Adlerhorst. BSV-Mitglied Andreas Lutz nutzt die Ofenplatte außerdem, um darauf die Pfeilspitzen anzuwärmen. Die heiße Metallspitze wird dann durch einen Festklebstoff gezogen und in den Aluminium-Rohschaft eingesetzt. Auf das andere Ende kommt ein Plastiknocken, in welche später die Bogensehne eingelegt wird – fertig ist der Rohpfeil.

„Jeder Bogensportler hat seine individuelle Pfeillänge. Die hängt unter anderem von der Bogenstärke und der individuellen Technik ab“, berichtet Tilo Pürmayr, der Vorsitzende des BSV und mehrfache Deutsche Meister im Bogensport. „Die richtige Länge zu finden ist eine Wissenschaft für sind. Da braucht man eine Menge Erfahrung und Fingerspitzengefühl“, erklärt er. Auf beides können die (Nachwuchs-)sportler durch die „Profis“ beim BSV Sternenfels zählen. „Wir beobachten unsere Sportler und geben dann Tipps und Ratschläge“, sagt Pürmayr. Dann geht es weiter mit dem Rohpfeil. Er muss noch „befiedert“ werden, wie die Bogensportler sagen – und dafür ist der BSV-Aktive Hermann Arlt der Fachmann. Dicht umlagert vom Bogensportnachwuchs erklärt er die wichtigsten Regeln beim Anbringen der drei Federn: Sorgfalt und Sauberkeit. Mit einem Metallschwamm entfernt er gründlich alle Klebstoffreste vom Pfeilschaft und der Spitze. „Sonst bleiben die Kunststofffederchen nicht kleben oder der Pfeil fliegt unsauber“, sagt er. Und: „Je glatter die Spitze, umso leichter geht der Pfeil wieder aus der Zielscheibe raus. Das schont die Scheiben und den Pfeil.“ Wichtig ist auch, dass die Federchen leicht schräg, mit einem sogenannten „Drall“ angeklebt werden. „Der Drall sorgt dafür, dass der Pfeil sich im Flug dreht und damit sauber in der Spur fliegt“, erklärt Arlt. Das Selbermachen der Pfeile sei auf jeden Fall eine günstige Alternative zum „Kaufpfeil“, je nach Ausführung kann man für so einen gekauften Pfeil zwischen acht und 25 Euro bezahlen, im Gegensatz zu etwa fünf Euro für einen selber gemachten Pfeil. Und: genügend Alternativen biete das Selbermachen auch. Kunststoff- oder Naturfedern („Die sind ideal für den Kurzschuss, bremsen aber eher beim Weitschuss“) sowie eine schier unbegrenzte Auswahl bei den Federformen – „Keile, Schildfedern, Saubuckel…“ – lassen genug Spielraum für persönliche Vorlieben. „Jeder Sportler hat so seine eigenen Formen, auf die er schwört“, erläutert Arlt und formuliert es etwas knitzer: „Jedem Narren g’fällt sei Kapp.“

Gefallen hat auch den jungen Bogensportlern dieses Aktivangebot in den Ferien, das mit einem gemeinsamen Kinoabend schloss und dem guten Gefühl, bestens für das Bogensportjahr 2012 gerüstet zu sein.

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