Irgendwie ein Tor schießen

Erstellt: 30. Juni 2010, 00:00 Uhr
Irgendwie ein Tor schießen Viktoria-Schlussmann Bastian Voges wird gegen die Profis aus der 2. Bundesliga vermutlich eine Menge Arbeit bekommen. Foto: Fotomoment

Viktoria Enzberg will sich gegen den Zweitligisten Karlsruher SC so lange wie möglich wehren

Wenn am Sonntag der FC Viktoria Enzberg seinen Hauptgewinn aus einem Preisausschreiben einlöst und gegen den Karlsruher SC antritt, wäre alles andere als eine deutliche Niederlage eine Riesensensation. Dennoch wollen die Enzberger das Spiel von der ersten bis zur 90. Minute genießen.

Von Steffen-Michael Eigner

Mühlacker-Enzberg. „Das ist für uns ein echtes Highlight. Wir sind voller Vorfreude“, jubelt Sascha John mit enthusiastischer Stimme. Dreimal pro Woche hat der Viktoria-Trainer seine Jungs zuletzt zu Übungseinheiten antreten lassen. „Damit wir auch ein bissle Laufbereitschaft an den Tag legen können“, sagt John. Schließlich wollen die Viktorianer ihrem Publikum und den KSC-Profis ein Fußballfest bieten. Allerdings: „Vorne draus werden wir wohl eher selten laufen. Meistens eher hinterdrein“, bleibt Sascha John realistisch. „Wir wollen uns so lange es geht wehren. Aber irgendwann werden wir sicherlich auseinanderfallen, sonst würden die Karlsruher ja im Training ziemlich viel falsch machen.“ Zumal das Wetter wohl eher den austrainierten Profis in die Karten spielt. Mehr als 30 Grad Hitze sind für das Wochenende angekündigt. „Wenigstens ist erst um 18 Uhr Anpfiff und nicht schon in der prallen Mittagssonne“, hofft John auf ein wenig Milde von oben. Sein Kader ist komplett einsatzbereit, wenngleich nicht alle das Sondertraining mitgemacht haben. „Ein paar kommen jetzt erst aus dem Urlaub“, berichtet John, der schon darauf vertraut, dass die Urlauber auch mal einen Strandlauf eingelegt haben, um für den KSC gerüstet zu sein. „Keine 20 Tore kriegen und irgendwie eines schießen“, haben sich die Enzberger zum Ziel gesetzt.

Ex-Profi Eberhard Carl rät: „Spaß haben und nach vorne spielen“

 „Dann geht das Spiel 19:1 aus“, sagt Eberhard Carl und lacht. Der Trainer von Phönix Lomersheim kennt solche David-gegen-Goliath-Spiele aus seiner eigenen Zeit als Bundesliga-Profi beim KSC, beispielsweise aus DFB-Pokalspielen gegen Amateurteams. „Allerdings haben wir nie gegen eine so niederklassige Mannschaft gespielt“, räumt Carl ein, macht aber den Enzbergern wenig Hoffnung, dass die Karlsruher das Spiel auf die leichte Schulter nehmen könnten: „Da geht es für die Spieler um die Stammplätze für die kommende Saison. Die werden sich beweisen wollen. Das wird Tempo geben“, vermutet der Ex-Profi und rät den Enzbergern: „Als Team auftreten und Spaß haben. Versuchen, nach vorne zu spielen. Es gibt ja nichts zu verlieren.“

 Eberhard Carl würde sich das Spiel am Sonntag gerne persönlich anzusehen, weiß jedoch noch nicht, ob er die Zeit dafür findet. Vom aktuellen Kader des Karlsruher SC kenne er keinen Spieler persönlich, dafür jedoch den Trainer. „Mit Markus Schupp habe ich früher ab und zu bei Benefizspielen des DFB gespielt. Wir waren einmal zusammen in Mexiko“, erzählt Carl. Außerdem sind sich die beiden des öfteren in der Bundesliga begegnet. Carl spielte von 1989 bis 1997 mit dem Karlsruher SC im Fußball-Oberhaus. KSC-Trainer Schupp war in dieser Zeit für den 1. FC Kaiserslautern, die SG Wattenscheid 09, Bayern München, Eintracht Frankfurt und den Hamburger SV am Ball.

 Diese Bundesliga-Luft wollen auch die Enzberger am Sonntag ein wenig schnuppern. „So nah kommt man als Zuschauer an die Profis sonst nie ran. Beim Einwurf kann man sie ja fast am Trikot zupfen“, wirbt Trainer Sascha John um Publikum: „Wenn 1000 kämen, wäre das für uns riesig.“ Dass die Enzberger nach der Partie alle KSC-Fans werden, glaubt John jedoch nicht. „Enzberg ist traditionell württembergisch. Hier ist die Mehrheit ganz klar Rot-Weiß.“ Das gilt auch für Johns elfjährigen Sohn Marvin, der fest zum VfB Stuttgart hält und deshalb am Sonntag keinerlei Zwiespalt spüren wird: „Der ist ganz klar für Enzberg“, ist sich Sascha John sicher. Der Viktoria-Trainer selbst ist Fan von Borussia Mönchengladbach. „Wie es dazu kam, weiß ich aber selber nicht mehr.“

 Den Fisch an Land gezogen haben Thilo Dettinger und Heinz Voges. Die beiden Viktoria-Vorstände erfuhren 2008 von einem Preisausschreiben des KSC-Hauptsponsors EnBW, stellten flugs eine Präsentationsmappe zu 100 Jahren FC Viktoria Enzberg und Elektrizitätswerk Enzberg – beide gegründet 1909 – zusammen. Die Mappe überzeugte die Jury, als Hauptgewinn erhielt der FC Viktoria das Freundschaftsspiel gegen den Karlsruher SC.

Stefan Mappus stößt an, Oliver Forster moderiert

 Tickets dafür kosten sieben Euro, die VIP-Karte ist für 50 Euro zu haben und beinhaltet neben Zugang zur VIP-Zone auch Essen und Getränke sowie einen Parkplatz am Clubheim. Kinder bis zwölf Jahre haben freien Eintritt. Karten sind erhältlich unter anderem im Kaufhaus Schrammel, Tasos Bistro und Friseur Wild in Enzberg, in der Sportabteilung des Kaufhauses Sämann in Mühlacker und bei allen Vorstandsmitgliedern des FC Viktoria. Als Rahmenprogramm ist ein F-Jugendspiel zwischen Enzberg und Germania Brötzingen um 16.30 Uhr vorgesehen. Außerdem kommt das Oberliga-Mobil des KSC-Hauptsponsos EnBW mit Torwand, Tischkicker, Riesenball und Werbegeschenken. Der Karlsruher SC baut einen Fanstand auf. Ministerpräsident Stefan Mappus soll den Anstoß spielen, TV-Moderator Oliver Forster (bekannt von Liga Total, Eurosport und DSF) moderiert und kommentiert das Spiel. Sowohl Mappus als auch Forster stammen aus Enzberg und sind Mitglied beim FC Viktoria.

Weiterlesen
Starke Gäste vermasseln Heimpremiere

Starke Gäste vermasseln Heimpremiere

Badenliga-Absteiger TV Neuthard zeigt Blau-Gelb Mühlacker die Grenzen auf – Zweite Mannschaft gelingt ein TraumstartAuch beim zweiten Auftritt in der Landesliga haben die Handballer von Blau-Gelb Mühlacker nicht punkten können…. »