Initiative prüft Sammelklage

Erstellt: 29. September 2010, 00:00 Uhr
Initiative prüft Sammelklage Vier Mobilfunkmasten stehen in Neulingen. Unser Bild zeigt den in Göbrichen. Bald soll ein fünfter in Nussbaum hinzukommen. Foto: Ochs

Baustart für Mobilfunkmast in Nussbaum – Kommune gibt ihren Widerstand auf

  Der Bau des umstrittenen Mobilfunkturms im Gewann „Lederäcker“ in Nußbaum soll in den nächsten Tagen beginnen. Das bestätigte der Neulinger Bürgermeister Michael Schmidt auf Nachfrage. Die Gemeinde hätte es lieber gesehen, wenn der Funkmast nicht gebaut worden wäre.

 Von Torsten Ochs

Neulingen.  Die Verwaltung hat sogar mit dem Gedanken gespielt, rechtliche Schritte gegen die Baugenehmigung des Landratsamtes zu unternehmen. Letztendlich habe ein auf Mobilfunk spezialisierter Rechtsanwalt sie aber davon überzeugt, dass der Rechtsweg in der Sache nichts bringe, erklärt Schmidt. Ein Teilerfolg sei jedoch, dass der Betreiber nicht am ursprünglichen Standort für den Mast festgehalten hat, sondern den Turm etwas weiter vom Ort entfernt bauen lassen will.

 Zu den Bewohnern von Neulingen, die sich über ein Jahr gegen den Funkturm gewehrt haben, zählen die Mitglieder des Vereins Ivum, der sich für den „verantwortungsvollen Umgang mit Mobilfunk“ einsetzt. Für die Vorsitzende der Bürgerinitiative, Claudia Braun, war der Kampf ein Wechselbad der Gefühle. Im vergangenen November hatte das Landratsamt Enzkreis das Baugesuch des Mobilfunkbetreibers abgelehnt, weil dieser den Mast nur mit der GSM-Technik bestücken wollte und nicht schlüssig begründen konnte, warum ein weiterer Mast in Neulingen notwendig ist. Den neuen Bauantrag, der auch UMTS vorsah, hat die Behörde im Sommer bewilligt, weil der Betreiber darlegte, dass eine Versorgung des Ortskerns von Nussbaum und eines Teils von Sprantal mit dem bestehenden Mast nicht möglich sei.

 Doch die Mobilfunkgegner geben deshalb trotzdem noch nicht auf. Mit einer Anzeige im Gemeindeblatt haben sie die Anwohner des künftigen Sendemastes in der vergangenen Woche dazu aufgerufen, vor Inbetriebnahme zu einem Arzt ihres Vertrauens zu gehen, der die Blutwerte Billirubin, Erythrozyten und Retikulozyten dokumentiert.

 Die Gesundheitswerte sollen als Grundlage für spätere Schadensersatzansprüche gegen den Mobilfunkbetreiber dienen, erklärt Braun, die sich vorstellen kann, dass es zur Sammelklage kommt. Schließlich gehe es nicht nur um die Gesundheit der Anwohner, sondern auch um die Wertminderung von Häusern und Grundstücken, wenn in der Nähe ein Sendemast steht, so Braun.

 Die Leiterin des Enzkreis-Gesundheitsamts, Dr. Roswitha Kull, und der Biologe Arnd Goppelsröder halten die Aussagekraft der drei oben genannten Blutwerte für gering. Diese Parameter könnten schwanken und hingen auch von Faktoren wie Tagesform, Gesundheitszustand und Ernährung ab, sagt Goppelsröder, der sich auf Aussagen des Robert-Koch-Instituts in Berlin bezieht. Auch ein Arzt aus Bretten, den Ivum als Kooperationspartner genannt hatte, will die Aussagekraft der drei Werte nicht überbewerten.

 Claudia Braun glaubt jedoch an den Nutzen der Bluttestes. Die Blutwertbestimmung sei nach wie vor die einzig verlässliche Möglichkeit, den derzeitigen Gesundheitszustand feststellen zu lassen. Hinzu komme, dass ein neues Verfahren erprobt werde, das es ermöglichen soll, mit diesen drei Blutwerten die Toxizität auf menschliche Zellen nachzuweisen.

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