In Lienzingen gehen die Lichter aus

Erstellt: 29. Dezember 2009, 00:00 Uhr
In Lienzingen gehen die Lichter aus Uwe Pfisterer, SWM-Abteilungsleiter Elektrizität, im neuen Schaltwerk in Lienzingen. Kommende Nacht wird das Stromnetz des Stadtteils dem Versorgungsnetz der Stadtwerke zugeschaltet. Foto: Kollros

Stromnetz gehört künftig den Stadtwerken – Wegen nächtlicher Umschaltung „verabschieden“ sich Computer für kurze Zeit

In Lienzingen gehen die Lichter aus. Allerdings nur für kurze Zeit und planmäßig. Grund: In der kommenden Nacht wird das Stromnetz des Stadtteils dem Versorgungsnetz der Stadtwerke Mühlacker zugeschaltet.

Von Thomas Sadler

Mühlacker-Lienzingen. Hintergrund der Änderung ist der Erwerb des Lienzinger Stromnetzes, das derzeit noch der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) gehört, durch die Stadtwerke Mühlacker (SWM). Der derzeitige Konzessionsvertrag für den Betrieb läuft Ende 2009 aus. Weil es sich „wirtschaftlich lohnt“, so SWM-Prokurist Matthias Bosch im Gespräch mit unserer Zeitung, hätten sich die Stadtwerke zum Kauf des Stadtteil-Stromnetzes entschlossen. Angaben zum Preis machen die Stadtwerke nicht.

 „Wir haben überlegt, wo wir wachsen können“, sagt Bosch. Weil Lienzingen am nächsten zu Mühlacker liege, sei das Verlegen von Versorgungsleitungen „mit einem relativ geringen Aufwand“ machbar gewesen. Anders sehe es in Enzberg, Großglattbach und Mühlhausen aus. Diese Stadtteile seien weiter entfernt, und eine Entflechtung aus dem EnBW-Netz käme zu teuer. Lomersheim hingegen gehöre schon seit Langem zum SWM-Netz.

 Und demnächst eben auch Lienzingen. „Die offizielle Eigentumsübergabe erfolgt in der Nacht auf den 1. Januar 2010“, teilt Bosch mit. Doch die Umschaltung erfolge aus technischen Gründen schon in der Nacht vom heutigen Dienstag, 29. Dezember, auf Mittwoch. Dann legt Uwe Pfisterer, Leiter der Abteilung Elektrizität, mit seinen Kollegen und Vertretern der EnBW den Hebel um.

Kunden können  viel Geld sparen

 Um 2 Uhr, also zu nachtschlafender Zeit, ist es soweit. Lienzingen wird nach Pfisterers Schätzung für „zehn bis 15 Minuten“ ohne Strom sein. Die Straßenlaternen verlöschen, Fernseher und Computer sind außer Gefecht. „Empfindliche Geräte sollten deshalb in der Nacht zum 30. Dezember vom Netz genommen werden“, raten die Stadtwerke. PCs und Server also am besten rechtzeitig ordnungsgemäß herunterfahren, um Pannen zu vermeiden, so der Tipp der Fachleute. Die über den Ort vorübergehend hereinbrechende Dunkelheit dürfte derweil kaum jemandem auffallen, da sich die Zahl der Nachtschwärmer in Lienzingen in Grenzen zu halten pflegt.

 Indes: Dass der Netzwechsel nicht noch schneller erfolgen kann, liegt nicht zuletzt daran, dass erst mal verschiedene seitherige Leitungen entfernt werden müssen.
 Nach dem Umschalten fließt der Strom wieder – und zwar, so die Stadtwerke Mühlacker in einer Pressemitteilung, vom Umspannwerk der Stadtwerke nach Lienzingen. Schritt für Schritt würden so genannte Versorgungsinseln in Lienzingen an die beiden neuen Hauptkabel aus Mühlacker angeschlossen.

  Diese Leitungen wurden schon im Sommer verlegt – eine entlang der Lienzinger Straße zur neuen Trafostation an der Neuwiesenstraße, die andere vom Heidenwäldle durch den Wald, vorbei am alten Sportplatz zur bestehenden Station bei der Frauenkirche.

 Schon jetzt bezögen rund 30 Prozent der Lienzinger ihren Strom von den Stadtwerken, sagt Prokurist Bosch. Als bekannt geworden sei, dass die Stadtwerke das Versorgungsnetz von der EnBW übernehmen, hätten viele Kunden zu den SWM gewechselt. Und die haben damit den Vorteil kurzer Wege zwischen Versorger und Verbraucher. Zumal sich dies lohnt. „Die Lienzinger bekommen den Strom bei den Stadtwerken günstiger als bei der EnBW“, sagt Günter Bächle, selbst Lienzinger SWM-Kunde und stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der Stadtwerke.
 Wer sowohl Strom als auch Wasser von den Stadtwerken beziehe, komme in den Genuss eines Preisnachlasses beim Wasserzins, so Bächles Hinweis. Elf Cent pro Kubikmeter Trinkwasser können auf diese Weise eingespart werden. Wer dennoch bei der EnBW bleiben wolle, könne sich auch weiterhin von ihr versorgen lassen. Sie leite in Zukunft den Strom durch das bald im Eigentum der Stadtwerke befindliche Netz, wofür sie ein Nutzungsentgelt an den neuen Besitzer zu entrichten habe, erläutert Bächle.

 Im Dunkeln ist gut munkeln. Damit lichtscheue Gesellen sich aber die zeitweilige Lienzinger Finsternis nicht zunutze machen, werde die Polizei in der nächsten Nacht vorsichtshalber Streife fahren, kündigt Frank Krebs, stellvertretender Revierleiter in Mühlacker, auf Nachfrage des Mühlacker Tagblatt an. „Wir gehen nicht davon aus, dass was passiert, aber wir sind dort – allerdings mit Licht“, wie er schmunzelnd hinzufügt.

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