In der Luft verliere ich Zeit

Erstellt: 31. Mai 2011, 00:00 Uhr
In der Luft verliere ich Zeit Gleich im ersten Wettkampf qualifiziert sich die 15-jährige Marie Theres Ott für die Landesmeisterschaften im Hürdenlauf. Im Training arbeitet sie hart an der Verbesserung ihrer Technik. Foto: Tilo Keller

Ötisheimer Leichtathletiktalent Marie Theres Ott geht bei den Landesmeisterschaften im 100-Meter-Hürdenlauf ins Rennen

Normalmenschen gehen Hindernissen aus dem Weg. Bei Marie Theres Ott sieht das anders aus: Die 15-Jährige liebt Hürden. Anfang Juni geht die Sportlerin in ihrer Paradedisziplin bei den Baden-Württembergischen Meisterschaften an den Start.

Von Maik Disselhoff

Ötisheim/Mühlacker. Nur einmal ist sie 100 Meter Hürden gelaufen, und die Premiere war gleich von Erfolg gekrönt, obwohl Ott in ihrer Altersklasse teils gegen ältere 17-jährige Leichtathletinnen antreten musste. Dass sie sich trotz der starken Konkurrenz für die Landesmeisterschaften qualifizieren konnte, die am 4. und 5. Juni in Böblingen über die Bühne gehen, darauf ist die ehrgeizige Ötisheimerin zu Recht stolz. 16,25 Sekunden hat Ott für ihren 100-Meter-Hürdenlauf benötigt. Diese Zeit will sie bei den Landesmeisterschaften noch einmal toppen. Im 200-Meter-Lauf hat sie die Qualifikation für den Wettbewerb in Böblingen mit 28,61 Sekunden nur ganz knapp verfehlt. „Jeder kleine Fortschritt ist in der Leichtathletik ein großer Erfolg“, weiß Ott, die für den Turnverein Mühlacker (TVM) an den Start geht. Der zähe Kampf um Verbesserungen im Bereich von Sekundenbruchteilen macht der 15-Jährigen Spaß, die wegen der Landesmeisterschaft im Käppele-Stadion zurzeit ein Sondertraining absolviert.

 „Marie Theres hat für die Leichtathletik sehr gute körperliche Voraussetzungen, sie ist sehr motiviert und sie kann Tipps zur Technik sehr schnell umsetzen“, charakterisiert Trainerin Stefanie Herrmann das Nachwuchstalent. Vor allem habe Marie Theres Spaß an der Leichtathletik, was das Wichtigste sei. „Nur so kommt auch die Leistung“, sagt Herrmann, die weiß, wovon sie spricht. Die 22-Jährige war lange als Leichtathletin aktiv und stand bei den U18-Weltmeisterschaften vor sechs Jahren im Hochsprung im Finale. Sie betont, dass es ungewöhnlich sei, dass sich jemand gleich im ersten Anlauf für die Landesmeisterschaften qualifiziert. „Die Konkurrenz ist groß.“

 Für den kommenden Wettbewerb trainiert die 15-Jährige zweimal die Woche jeweils zwei Stunden. Beim Hürdenlauf ist der Rhythmus von großer Bedeutung. Wenn der nicht stimmt, gibt’s blaue Flecken. Das stört die TVM-Athletin jedoch nicht. „Mir gefällt die Mischung aus Technik und Schnelligkeit“, sagt Ott zu ihrer Spezialdisziplin. Drei Schritte macht die Ötisheimerin zwischen den Hürden, die 76 Zentimeter hoch sind und in einem Zehn-Meter-Abstand auf der Bahn aufgestellt sind. „Es ist wichtig, optimal dazwischen zu kommen; man muss schnell schalten.“ Erst bringt Ott ihr linkes Schwungbein über die Hürde. Dann folgt das Nachziehbein. „Derzeit bin ich dabei, mit meiner Trainerin das Schwungbein zu verbessern“, erklärt Ott. Ihr Bein ist zu lange in der Luft, und nur am Boden kann die Athletin Geschwindigkeit aufbauen. „In der Luft verliere ich Zeit“, sagt die 15-Jährige, die neben dem eigentlichen Hürdenlaufen im Training viel Zeit mit Koordinations- und Technikübungen sowie Dehnen verbringt. Zusätzlich zur Leichtathletik mischt Ott mit dem weißen Schäferhund Askya erfolgreich für den Hundesportverein Iptingen bei Wettkämpfen mit. Früher schwamm die 15-Jährige außerdem noch bei den Wasserfreunden Mühlacker. „Doch irgendwann kam der Zeitpunkt, da musste ich mich entscheiden.“ Die Wahl fiel auf die Leichtathletik. Auch wenn dort jeder für sich alleine kämpfe, sei man im Training eine große Gemeinschaft, sagt Ott, die zusammen mit rund 15 weiteren Sportlern in der Leistungsgruppe der Leichtathletikabteilung des TVM trainiert.

 Sollte sich Ott am 5. Juni bei den Baden-Württembergischen Meisterschaften in Böblingen im ersten Anlauf für die Süddeutsche Meisterschaft im Hürdenlauf qualifizieren, stünde sie dort trotzdem nicht am Start. „Ich gehe im Sommer zum Austausch an eine High School in die USA und bin beim Wettkampftermin nicht da.“
 Doch das große Ziel will das Leichtathletiktalent deshalb nicht aus den Augen verlieren. „Dann klappt es vielleicht im nächsten Jahr mit dem Hürdenlauf bei den Süddeutschen.“ Und wenn die 15-Jährige so ehrgeizig weitermacht wie bisher, ist vielleicht auch die Qualifikation beim 200-Meter-Sprint drin. Denn nicht nur die Hürden haben es der Sportlerin angetan. „Ich mag die Kurve“, sagt Ott mit Blick auf die Besonderheit der 200-Meter-Distanz.

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