Immobilienmarkt trotzt der Krise

Erstellt: 27. Februar 2010, 00:00 Uhr
Immobilienmarkt trotzt der Krise Solide Nachfrage: Eines der größten Neubaugebiete der Region ist der Römerweg in Knittlingen. Foto: Hansen

Grundstückspreise bleiben konstant – Neubautätigkeit ist rückläufig.

Von Frank Goertz

Enzkreis. Während in vielen Regionen der Immobilienmarkt unter der Wirtschaftskrise ächzt, hält er sich im Enzkreis noch einigermaßen stabil. Allerdings ist auch hier seit Jahren die Neubautätigkeit rückläufig. Trotzdem bleiben die Grundstückspreise konstant.

 Die Zeiten, in denen Grundstücke automatisch und kontinuierlich im Wert gestiegen sind, scheinen allerdings vorbei zu sein. Während für baureifes Land im Enzkreis-Durchschnitt im Jahr 2001 knapp 176 Euro pro Quadratmeter bezahlt werden mussten, waren es 2008 rund 182 Euro. Allerdings wurden 2004 im Durchschnitt sogar schon 205 Euro pro Quadratmeter erzielt.

 Wobei die Spanne in der Region sehr breit sein kann. Am unteren Ende der Skala rangiert Sternenfels, wo laut Grundstückspiegel der Sparkasse der Bodenwert 120 bis 140 Euro pro Quadratmeter beträgt, dahingegen werden in Heimsheim – wohl auch aufgrund der Nähe zur A 8 – bis zu 320 Euro verlangt. Generell zeigt der Grundstückspiegel, dass in Neubaugebieten des Enzkreises die Preise zwischen 200 und 250 Euro pro Quadratmeter liegen.

 Obwohl die Zahl der Baugenehmigungen laut Daten des statistischen Landesamts seit Jahren deutlich rückläufig ist, wachsen Knittlingens Bürgermeister Heinz-Peter Hopp keine grauen Haare, was die Vermarktung der Flächen am Römerweg angeht, einem der größten Neubaugebiete der Region. „Wir sind bewusst ein hohes Risiko eingegangen, als wir das Gebiet mit 220 Grundstücken ausgewiesen und erschlossen haben“, erinnert sich Hopp. Von den knapp 150 Grundstücken im Besitz der Stadt seien 90 schon veräußert, 20 davon im vergangenen Jahr. „Wenn die Nachfrage 2010 und 2011 anhält, ist das Gebiet so gut wie abfinanziert“, sagt Hopp.

 Eine Ursache der guten Nachfrage sieht der Schultes nicht nur in der guten Infrastruktur, sondern auch in den moderaten Preisen von 195 Euro pro Quadratmeter, die deutlich unter den Vergleichspreisen in den nahen Ballungszentren liegen. Auf jeden Fall kann Knittlingen als eine der wenigen Kommunen in der Region unter dem Strich einen Bevölkerungszuwachs verbuchen –  von 7614 im Jahr 2005 auf aktuell rund 7830. Wobei das rasante Wachstum sich etwas verlangsamen dürfte. So ist die Zahl der Baugenehmigungen in der Fauststadt zuletzt etwas zurückgegangen. Was Hopp auch nicht unbedingt betrübt: „Wir haben vor allem Zuzug von jungen Familien. Das heißt, dass wir natürlich auch genügend Kinderkrippenplätze bereit halten müssen. Während das statistische Landesamt von 34 benötigten Krippenplätzen ausgeht, sind bei uns schon 54 benötigte Plätze gemeldet – und ich weiß von einigen Familien, die ihren Bedarf noch gar nicht angemeldet haben.“

 Aber auch Knittlingen wird sich langfristig dem demographischen Wandel wohl kaum entziehen können – auch wenn Karlheinz Frey, Bereichsdirektor Immobilien bei der Sparkasse Pforzheim-Calw, für die Region erwartet, dass der Immobilienmarkt leicht anziehen wird. „Momentan wird viel Geld noch kurzfristig geparkt. Mit einer leichten Verzögerung könnte das in den Immobilienmarkt fließen.“ Und was bedeutet das für die Grundstückspreise? Hier erwartet Frey „leichte Wellenbewegungen seitwärts“. Da der Immobilienmarkt hier nicht wie durch eine Blase aufgeheizt worden sei, müsse auch keine Luft rausgelassen werden.

 Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt Frank Geiger, Sprecher der Volksbank Pforzheim. „Wir beobachten derzeit zwei gegenläufige Entwicklungen in der Immobilienlandschaft angesichts der Wirtschaftskrise“, so Geiger. Einerseits seien potenzielle Käufer aufgrund der Arbeitsmarktlage verunsichert und zögerten mit ihrer Kaufentscheidung; andererseits hätten Käufer die Immobilie als sichere, inflationsgeschützte Kapitalanlage entdeckt. Deshalb würden in bevorzugten Lagen nach wie vor stabile Preise erzielt. Aber unter dem Strich, so Geiger, nehme die Volksbank ein Überangebot an Baugrundstücken in den Kommunen wahr.

 Karlheinz Frey von der Sparkasse will den Einbruch bei der Neubautätigkeit in der jüngsten Vergangenheit nicht überbewerten. „Er hat auch nichts mit der Finanzkrise zu tun“, betont Frey. Verantwortlich für den Einbruch seien vielmehr die steuerlichen Rahmenbedingungen und der Wegfall der Eigenheimzulage. Außerdem habe zuletzt die Immobilie auch nicht mehr so im Anlagefokus gestanden.

 Auch auf dem Markt der Gewerbeimmobilien in der Region sei von der Finanzkrise wenig zu spüren gewesen, berichtet Armin Kampmann, Abteilungsleiter Immobilien bei der Sparkasse. Das liege auch daran, dass die Region „beim Boom der Glaspaläste nicht mit dabei war, und wir fast keine Neuansiedlungen von weit her haben“. Insofern habe kein Markt richtig wegbrechen können. „Wir regenerieren uns aus dem eigenen Markt“, so Kampmann.

 Soll heißen: Der Gewerbeimmobilienmarkt lebt von Firmen aus der Region, die sich vergrößern wollen. Und so präsentiert sich der Markt für Gewerbeimmobilien ähnlich wie der für Grundstücke und Bestandsimmobilien: ein grundsolides und stabiles Geschäft mit den üblichen Schwankungen, wobei sich die Preise an Infrastruktur und Substanz orientieren.

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