Im Dauerlauf durch die Hölle

Erstellt: 23. Februar 2012, 00:30 Uhr
Im Dauerlauf durch die Hölle Nichts für Weicheier: Matthias Bastian beim Fisherman’s Friend Strongman Run. Hier sind Hindernisse Herausforderungen. Fotos: privat

Von Frank Goertz

Ölbronn-Dürrn/Münnerstadt. Gemeinsam mit 2500 Extremläufern wird sich auch Matthias Bastian, Spielleiter der SG Ölbronn-Dürrn, gemeinsam mit seiner Laufgruppe aus Fußballern und Arbeitskollegen der Herausforderung stellen. Der 31-Jährige weiß: „Bei solchen Läufen kommt es nicht nur auf den Körper an, auch der Kopf spielt eine entscheidende Rolle.“ Sprich: Ohne starken Willen kann der Sportler einpacken.

An der richtigen mentalen Einstellung mangelt es Matthias Bastian und seinem Team gewiss nicht. Sie laufen nicht nur für sich selbst und für die Mannschaft, sie laufen auch für die Kinderkrebsklinik im Stuttgarter Olgahospital. „Weil wir nicht sinnlos laufen wollen, haben wir aus der ganzen Aktion ein Spendenprojekt gemacht, bei dem Regina Halmich die Schirmherrschaft übernommen hat“, erzählt Bastian. Dass die Stuttgarter Kinderkrebsklinik von dem Charity-Gedanken der Extremsportler profitiert, kommt nicht von ungefähr. Chris Rubertino (27), der ebenso wie Matthias Bastian als Justizvollzugsbeamter in Karlsruhe arbeitet und auch zur Braveheart-Laufgruppe gehört, hat seinen kleinen Bruder Danny vor 20 Jahren an Leukämie verloren.

„Anfang August 1991 bekamen wir die schlimmste Diagnose unseres Lebens: zweiter Rückfall dieser Krankheit, an der Danny Ende August gestorben ist“, erinnert sich Rubertino und fügt hinzu: „Im Olgahospital wurden wir von den Schwestern und Ärzten sehr familiär aufgenommen und haben uns trotz dieser äußert schwierigen Zeit sehr wohl gefühlt. Ich möchte mich nun, 20 Jahre später, mit diesem Projekt bedanken. Ich möchte den Kindern zeigen, dass man niemals aufgeben sollte und dass es sich immer lohnt zu kämpfen. Hierfür bietet sich der Braveheart Battle an.“

„Und wieder durch die Hölle: Noch extremer, noch härter“, versprechen die Organisatoren des Braveheart Battle 2012 auf ihrer Internetseite. 45 Hindernisse erwarten die Läufer auf dem Höllenparcours, etwa der mörderische Abhang „Killing Hill“ oder das „Death Valley“ mit einem durch Steine, verrottende Bäume und Gestrüpp extrem unwegsamen Bachlauf. Echte Härtetests sind auch das tiefe, schlammige Regenrückhaltebecken „Loch Ness“ und der eiskalte Fluss Lauer, den die Läufer während des harten Rennens gleich mehrmals überwinden müssen.

Matthias Bastian weiß genau, warum er sich das alles antut: „Mit über 2000 ähnlich Verrückten einen solchen Parcours angehen, das ist etwas ganz Besonderes. Dort herrscht ein Wahnsinns-Teamgeist, jeder hilft jedem, als puschen sich gegenseitig. Wer das einmal erlebt hat, macht es immer wieder.“

Der Braveheart-Battle ist inzwischen Bastians vierter Extremlauf dieser Art. „Dort herrscht ein ganz anderes Klima als bei normalen Straßen- oder Marathonläufen“, berichtet er. „Beim Marathon läuft man nur stumpf vor sich hin.“ Er weiß, wovon er redet: Schließlich ist er in Karlsruhe und Mannheim auch schon Marathons unter vier Stunden gelaufen.

Zu seiner Braveheart-Laufgruppe zählen auch mehrere Fußballer der SG Ölbronn-Dürrn. Und obwohl Kickern häufig ein gespaltenes Verhältnis zum Thema Ausdauersport nachgesagt wird, attestiert ihnen Bastian: „Die haben sich ordentlich reingebissen und sind topfit. Das Training für den Braveheart-Battle passt auch bestens in die Vorbereitung für die zweite Saisonhälfte.“ Nur über eins ist der Spielleiter der SG Ölbronn-Dürrn enttäuscht: „Wir sind im Moment Dritter in der Kreisklasse A und spielen am 11. März in Bilfingen. Wir würden die Partie gerne verlegen, weil vier unserer Spieler am selben Tag beim Braveheart-Battle starten, aber Bilfingen spielt nicht mit.“

Grund zur Freude bereitet Matthias Bastian und seinem Team hingegen die Resonanz auf ihr Spendenprojekt zugunsten der Kinderkrebsklinik. „Wir haben schon über 6000 Euro zusammen. Das ist mehr als wir uns jemals erhofft haben“, erzählt Bastian. Dass Sportler ein Herz für Sportler haben, die sich für einen guten Zweck engagieren, beweist ein Blick in die Liste der Spender: Nicht nur Borussia Dortmund, Schalke 04, FC St. Pauli, Borussia Mönchengladbach, 1860 München, der FSV Mainz oder der SC Freiburg unterstützen das Projekt, auch Handball-Spitzenteams oder die Eishockey-Adler aus Mannheim unterstützen das Projekt mit signierten Trikots und Fanartikeln, die zugunsten der Kinder-Krebsstation an der Olga-Klinik versteigert werden.

„Und dann hat auch noch jeder aus unserem Team ganz persönliche Motivationscoaches“, erzählt Bastian. Dahinter verbergen sich Freunde und Bekannte der Sportler, die eine Spendenprämie, etwa für einen Zieleinlauf oder pro gelaufenen Kilometer ausgesetzt haben. „Aus unserem Team kommen alle ins Ziel“, strotzt Bastian vor Optimismus – und das, obwohl er weiß, dass bei Extremläufen wie dem Braveheart-Battle etwa ein Drittel der Teilnehmer vorzeitig die Flinte ins Korn wirft. Aber Matthias Bastian und seine Mannschaft wollen zusammenhalten: „Wir starten gemeinsam, wir laufen für ein Ziel. Wir helfen uns gegenseitig.“

www.braveheartchallenge.de

www.braveheartbattle.de

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