Illingen muss dicke Bretter bohren

Erstellt: 28. November 2008, 00:00 Uhr
Illingen muss dicke Bretter bohren In Illingen geht es rund, trotzdem liegt der starke Durchgangsverkehr wie ein Schatten über der Gemeinde. Händeringend wird nach Lösungen gesucht. Foto: Goertz

Mit der Verkehrsanalyse liegen die Fakten auf dem Tisch – Westtangente scheint machbar

Illingen – Die Verkehrsanalyse für Illingen zeigt, welche Entlastungen Umgehungsstraßen bringen könnten (MT berichtete). Die Frage in der Stromberggemeinde lautet jetzt: Was machen wir mit den Fakten, wie geht es weiter?

VON FRANK GOERTZ

Die Euphorie über die Möglichkeiten, dem Verkehrsinfarkt Herr zu werden, ist bei vielen Gemeinderäten schnell dem nüchternen Realitätssinn gewichen. Denn hinter jedem der Vorschläge des Planungsbüros stehen noch große Fragezeichen.

 „Die Westtangente zwischen der Schützinger Straße und der B 35 führt durch ein Wasserschutzgebiet“, weiß Peter Pförsich (Grüne), der dafür plädiert, dass Umgehungsstraßen so geplant werden müssen, dass sich die Eingriffe in die Natur in Grenzen halten und auch keine unerwünschten Verkehrsverlagerungen stattfinden. Genau das sei bei einer Westtangente der Fall. Hier prognostizieren die Verkehrsplaner, dass zwar die Bahnhofsstraße entlastet, dafür aber die Ensinger Straße stärker belastet werde.

 „Ich war auch lange gegen eine Westtangente, unter anderem, weil sie durchs Wasserschutzgebiet führt“, erklärt Ingeborg Beller (UBL), die allerdings angesichts der Verkehrsprognosen nachdenklich geworden ist. „Dass bei einer Westtangente bis zu 4500 Autos täglich weniger über die Bahnhofstraße rollen, ist ein starkes Argument.“ Außerdem sei die Westtangente der Vorschlag, der sich noch am ehesten realisieren lasse. Um eine Osttangente oder eine Umfahrung südlich von Ensingen durchzusetzen, müsste die Gemeinde dicke Bretter bohren angesichts der Tatsache, dass die Straßen auf Vaihinger Gemarkung verlaufen würden und – im Fall der Osttangente – auch noch Aussiedlerhöfe betroffen wären. Damit nicht genug: „Meines Wissens führt die Trasse der Osttangente durch ein Landschaftsschutzgebiet“, so Beller. In Vaihingen beziehungsweise Ensingen stoßen die Planungen auf jeden Fall schon auf heftigen Widerstand.

 Dass sich daran noch etwas ändert, hofft zumindest Eric Schach (CDU). „Beim Radweg nach Ensingen hat es doch auch geklappt, und die Illinger Straße in Ensingen schreit doch geradezu nach einer Entlastung“, glaubt Schach, dass in Vaihingen das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Schach ist überrascht, dass die Entlastungsstraßen so viel Verkehr aus dem Ortskern fernhalten würden, findet aber auch, dass es nur richtig Sinn macht, gleich alle drei Planungsvarianten gleichzeitig weiter zu verfolgen. „Mal schauen, was am Ende dabei rauskommt. Jetzt nichts zu machen, weil hinter jeder Planung noch Fragezeichen stehen, wäre auf jeden Fall der falsche Weg“, findet der CDU-Sprecher.

 Ein Gesamtpaket aus allen drei Umfahrungen favorisiert auch Klaus Kluge (SPD). Wobei er eher zu einer Lösung „Alles oder nichts“ tendiert: „Ich würde mir schwer damit tun, einer Westtangente zuzustimmen, wenn es nicht deutliche Signale gibt, dass auch die Umfahrungen im Osten der Gemeinde eine realistische Chance haben.“ Aber genau diese Ost-Umfahrungen sieht Kluge selbst „in weiter Ferne, angesichts der Widerstände in Vaihingen“.

 Bevor Illingen für eine Westtangente viel Geld ausgibt und eine Verlagerung von Teilen des Verkehrs in Kauf nimmt, plädiert der SPD-Fraktionschef dafür, noch einmal nachhaltig zu prüfen, ob es nicht Maßnahmen gibt, auch ohne Umgehungsstraßen den Verkehr aus der Bahnhofstraße und der Mühlacker Straße zu bekommen. Mit einem entsprechenden Anlauf, Tempo 30 auf der Bahnhofstraße einzuführen, ist die Gemeinde allerdings erst kürzlich am Veto des Landratsamts gescheitert.

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