Ihr werdet sehen: Die kommen nicht!

Erstellt: 23. April 2008, 00:00 Uhr
Ihr werdet sehen: Die kommen nicht! Warten auf Echo: Die Stadt Mühlacker, der Mühlehof und die dortigen „Untermieter“ harren gespannt der Dinge. Foto: Eier

Investor Echo sagt Auftritt im Gemeinderat kurzfristig ab – Mühlehof-Manager verweist auf terminliche Zwänge

Mühlacker – Draußen präsentierte die Feuerwehr ihre neue Drehleiter, drinnen war Feuer unterm Dach: Anstatt wie angekündigt im Gemeinderat über sein neues Konzept zu informieren, hatte der Mühlehof-Investor Echo kurzfristig –  sehr kurzfristig –  seinen Auftritt abgesagt. Ein Verhalten, das im Ratssaal für dicke Luft sorgte.

VON THOMAS EIER

In den solchermaßen versetzten Stadträten brodelte es, wenngleich nicht jeder wirklich überrascht war. Manche Skeptiker in den Fraktionen hatten es dem Vernehmen nach schon vorhergesagt: „Ihr werdet sehen: Die kommen nicht!“ In diesem Sinne galt die dürre Nachricht per Telefax, mit der die Firma Echo der Stadt eine Absage erteilte – am Tag vor der Gemeinderatssitzung und aus terminlichen Gründen –, nur noch als die Bestätigung des Eindrucks: Die Firma Echo drückt sich, weil es gar kein neues Konzept für den Mühlehof gibt.

 Der Termin 22. April war mit großen Hoffnungen verbunden und galt für viele, die nicht mehr viel Vertrauen in das Berliner Unternehmen haben, als die letzte Hoffnung. Entsprechend groß war der Frust, der sich gestern Abend breit machte. „Echo schleicht sich davon“, ärgerte sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Günter Bächle und wünschte eine sofortige, öffentliche Diskussion. Rolf Leo (Freie Wähler) stimmte zu: „Wir wurden seit Monaten auf diesen Termin hingeführt – und fühlen uns nun an der Nase herumgeführt.“ Es sei, bewertete Frank Schneider für die FDP den Vorgang, „die fast erwartete Absage“.

 Noch Mitte März hatte die Firma Echo in Person ihres Projektleiters Frank Witte für den 22. April eine Art von Durchbruch angekündigt und die Stadt mit dem Hinweis, es gebe zwar ernsthafte Interessenten, aber noch keine unterschriebenen Mietverträge, um weitere Geduld gebeten. Boutiquen, ein kleinerer Supermarkt, eventuell ein Drogeriemarkt, eine neue Gastronomie und andere Einzelhändler – sie alle, deutete Frank Witte vor sechs Wochen bei seinem Auftritt im Gemeinderat an, hätten die Bereitschaft gezeigt, in den Mühlehof einzuziehen. Die Vertragsunterzeichnungen schienen nur eine Frage der Zeit, und schon am 22. April, so sicherte Witte der Stadt als dem Vertragspartner und wichtigsten Mieter seines Unternehmens zu, könne er mehr sagen. Es blieb bei der Ankündigung.

 „Es tut mir ja auch leid“, verwies Echo-Manager Witte am Abend in einem Telefonat mit dem Mühlacker Tagblatt auf seine terminlichen Zwänge, die ihn kurzfristig zurück nach Berlin geführt hätten. „Ich war ja bis zum Nachmittag zwei Tage in Mühlacker – und wir arbeiten daran“, bekräftigte der Projektbeauftragte, dass der Mühlehof trotz aller Schwierigkeiten nicht stiefmütterlich behandelt werde. „Wir werden die Präsentation für die Öffentlichkeit nachholen“, versprach er, wollte aber keinen zeitlichen Rahmen nennen. Die von der Stadt beanstandeten Mängel würden behoben, auch wenn es sich dabei zu weiten Teilen um Altlasten aus der Zeit vor der Übernahme im Frühjahr 2006 handle.

 Im Übrigen wehre er sich gegen die Unterstellung, Echo lasse die Stadt und ihren Gemeinderat im Unklaren, sei doch vielen im Gremium sehr genau bekannt, was zur jeweiligen Zeit im Mühlehof und in den Verhandlungen geschehe, betont Witte.

„Den Imageschaden haben nicht wir zu verantworten“

Auch wenn sich der eine oder andere Stadtrat aus strategischen oder politischen Gründen bewusst arglos geben mag: Die wenig diplomatische Absage aus dieser Woche ist Wasser auf die Mühlen der Echo- und OB-Kritiker. Ihr Wunsch, gleich offen auf den Tisch zu hauen und ihrem Ärger über das Verhalten der Berliner Luft zu verschaffen, scheiterte gestern Abend am Wunsch der Mehrheit, die der Empfehlung von LMU-Sprecher Klemens Köberle folgte: Sinnvoller als eine spontane öffentliche Generalabrechnung sei es, zunächst in einer internen Beratung eine gemeinsame Strategie für den Umgang mit Echo auszuarbeiten. Die Begründung der Terminüberschneidungen, ließ Harald Töltl (SPD) durchblicken, sei zwar „nicht erbaulich“, doch würden negative Stellungnahmen dem Standort noch zusätzlich schaden.

 „Den Imageschaden für den Mühlehof“, widersprach daraufhin mit Nachdruck Frank Schneider, „haben nicht wir zu verantworten, sondern Echo. Für eine Vermarktung muss der Besitz in einem entsprechenden Zustand gehalten werden. Wenn wir aber feststellen, dass der Mühle–hof zunehmend verwahrlost, und dass Echo keinen korrekten Umgang mit der Stadt pflegt, sind das Tatsachen.“

 Die weitere Aussprache wurde nach dem Willen der Mehrheit in den nicht öffentlichen Teil der Sitzung vertagt. Kurioserweise stand dort der Mühlehof noch in einer zweiten Hinsicht auf der Tagesordnung: Nach dem Beschluss des Gemeinderats muss das Gremium Monat für Monat formell die Freigabe für die Mietzahlungen an Echo erteilen, überweist doch die Stadt jährlich 300000 Euro für die Nutzung der Kultursäle. Und just am gestrigen Abend hatte der Gemeinderat die Monatsmiete für Mai zu bewilligen – wo doch viele im Rund sie am liebsten einbehalten hätten.

 Kritiker wollen den Druck nochmals erhöhen

Wie nun die Reaktionen der Stadt aussehen werden, darüber ließ sich gestern zunächst nur spekulieren. Die Kritiker um Günter Bächle werden dafür plädieren, die „Daumenschrauben“ anzuziehen und beispielsweise damit zu drohen, die von der Stadt beanstandeten Mängel in Eigenregie zu erledigen und die Kosten dafür anschließend von der Miete abzuziehen. Prinzipiell wurde Echo eine Entwicklungszeit von drei Jahren zugesichert, die erst im April 2009 ausläuft. Nicht jeder ist aber davon überzeugt, dass die Zeit überhaupt noch ausreichen kann, den Mühlehof wiederzubeleben.

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