ICE-Unfall weckt Erinnerungen

Erstellt: 30. April 2008, 00:00 Uhr
ICE-Unfall weckt Erinnerungen Ernstfall: Im April 2006 muss nach einem Suizid im Freudensteintunnel ein beschädigter ICE evakuiert werden. Foto: Archiv

Vor zwei Jahren wurde im Freudensteintunnel Großeinsatz ausgelöst – Rettungskräfte gelten als gut gerüstet

Enzkreis – Nahe Fulda rast im Tunnel ein ICE mit Tempo 200 in eine Schafherde und entgleist. Großalarm für Feuerwehr und Rettungskräfte. Im Enzkreis rufen die Bilder von dem Unfall am vergangenen Samstagabend Erinnerungen wach: Vor zwei Jahren musste im Freudensteintunnel ein ICE mit 450 Fahrgästen evakuiert werden.

VON GERHARD FRANZ

Im Gegensatz zu dem Unglück in Hessen hat es am 11. April 2006 auf der Maulbronner Gemarkung keine Verletzten gegeben, dafür aber ein Todesopfer. Auslöser des Unfalls vor zwei Jahren war ein Selbstmörder, der sich am Eingang zum Freudensteintunnel auf die Gleise gestellt hatte und von einem 225 Kilometer schnellen ICE erfasst worden war. Zwar entgleiste damals der Hochgeschwindigkeitszug, der trotz Notbremsung erst zweieinhalb Kilometer weiter mitten im Tunnel zum Stehen kam, nicht, doch wurde der Triebwagen so stark beschädigt, dass eine Weiterfahrt unmöglich wurde. Rund 450 Fahrgäste mussten über Behelfsbrücken in einen anderen ICE, der auf dem Gegengleis neben dem havarierten Zug hielt, umsteigen.

 Der Vorfall hat gezeigt: Eine absolute Sicherheit gibt es an der Schnellbahntrasse nicht, auch wenn es als höchst unwahrscheinlich gilt, dass auf dem Streckenabschnitt im Enzkreis eine Schafherde auf die Gleise geraten könnte. Andererseits lässt sich eine Hochgeschwindigkeitsstrecke auch nicht hermetisch abriegeln, weder in Fulda noch an anderer Stelle.

 Die Trasse zwischen Stuttgart und Mannheim, die im Enzkreis den mehr als sechs Kilometer langen Freudensteintunnel passiert, erhielt im Juni 1991 die offizielle Freigabe. Schon in der Planungsphase und während des Baus waren die ersten Rettungs- und Alarmpläne ausgetüftelt worden, und vieles von den damaligen Konzepten habe heute noch seine Gültigkeit, wie der frühere Kreisbrandmeister Ingbert Fürtsch informiert, der im Enzkreis den Katastrophenschutz koordiniert.

 Fürtsch erinnert sich noch gut daran, wie einst ein Triebkopf eines ICE in Brand geraten war, was ebenfalls einen Großalarm ausgelöst hatte. Die Rettungskräfte, meint der stellvertretende Behördenchef im Landratsamt Enzkreis, seien für solche und ähnliche Einsätze gut ausgebildet und gut gerüstet. In regelmäßigen Abständen fänden Tunnelübungen statt, bei denen Katastrophenszenarien durchgespielt würden. An einer Großübung 2005 waren bis zu 900 Rettungskräfte beteiligt. Fürtsch: „Bei solchen Übungen können die möglichen Schwachstellen aufgedeckt werden.“

 Auf der hiesigen Gemarkung sind die Feuerwehren aus Maulbronn, Knittlingen, Oberderdingen, Illingen und Mühlacker die ersten, die an die Unglücksstelle eilen. Der Freudensteintunnel verfügt über einen Notausstieg, über den die Fahrgäste evakuiert werden können. Mit Hilfe eines Aufzugs, erklärt Fürtsch, werde das Rettungsgerät in den Tunnel geschafft. Falls es zur Katastrophe kommt, hat der Kreisbrandmeister die Einsatzleitung –  also der Mühlacker Feuerwehrkommandant Bernd Straile. Entscheidend, betont im Namen aller beteiligten Institutionen der Pforzheimer Polizeisprecher Rüdiger Schroth, sei das perfekte Zusammenspiel der Einsatzkräfte. Dafür lägen bei der Polizei ebenfalls die speziellen Einsatzpläne bereit.

Bahn entsendet einen Notfallmanager

Ein wichtiger Teil der Rettungskette ist das Rote Kreuz, das sich im April 2006 um die geschockten Insassen des ICE 692 kümmerte. Wie Rüdiger Scheffelmaier vom DRK-Kreisverband erläutert, sei in den Alarmplänen exakt festgelegt, wo die Feuerwehr die aus dem Tunnel geretteten Zugreisenden an das DRK zu übergeben habe. An der Trasse gebe es mehrere so genannte „Aufstellräume“, an denen sich die Einheiten von Feuerwehr und DRK versammelten.

 Eng in die Rettungskonzepte eingebunden ist naturgemäß die Bahn, deren speziell geschulte Notfallmanager mit den Rettungskräften zusammenarbeiten sollen. Für den Abschnitt zwischen Illingen und Maulbronn ist ein Mitarbeiter mit guten Ortskenntnissen am Bahnhof in Vaihingen stationiert. Spezielle Rettungszüge stehen in Kornwestheim und in Mannheim bereit.

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