Hoffen auf den Altweibersommer

Erstellt: 31. August 2010, 00:00 Uhr
Hoffen auf den Altweibersommer Im Weinberg gibt es immer was zu tun: Walter Schmierer sen. entfernt einen Teil des Laubwerks von den Reben, damit die Trauben nach einem Regenguss schneller abtrocknen und nicht faulen. Trotz der Wetterkapriolen ist der Mühlhäuser Wengerter optimistisch gestimmt und rechnet – falls es irgendwann wieder wärmer und sonniger wird – mit einem guten Jahrgang. Foto: Stahlfeld

Aussichten für den Jahrgang 2010 sind gut – vorausgesetzt, es gibt noch warme und trockene Tage

Nicht nur die Wengerter in der Region wünschen sich nach dem großen Regen noch einige warme und trockene Tage. Dann verspricht die in wenigen Wochen beginnende Weinlese gute Aussichten für den Jahrgang 2010.

Von Ulrike Stahlfeld

Enzkreis. Ein richtig schöner Altweibersommer bis Anfang Oktober, das wäre so ganz nach dem Geschmack von Jürgen Essig. „Das wären die Voraussetzungen für einen Spitzenwein“, erklärt der Kellermeister der Genossenschaftskellerei Roßwag-Mühlhausen.

 Obwohl das Jahr mit seinem kühlen Frühjahr, der Trockenheit im Juli und dem vielen Regen der vergangenen Wochen witterungstechnisch eher „durchwachsen“ verlaufen sei, sieht Essig einer „schönen Ernte entgegen“. Unter der Voraussetzung allerdings, dass in der Endphase vor der Weinlese noch warme und trockene Tage folgen. Ein feucht-warmes Klima dagegen ist dem Experten ein Dorn im Auge: „Es begünstigt die Fäulnis.“

 Mit dem Beginn der Weinlese rechnet Essig für Ende September/Anfang Oktober. Er geht davon aus, dass der Ertrag in den Steillagen über dem Enztal rund 15 Prozent unter dem des Vorjahres liegen wird. Vor allem beim Weißwein könne es „etwas knapp werden“. Höhere Preise habe der Verbraucher trotzdem nicht zu befürchten. Essig: „Da gibt es derzeit keinen Spielraum.“

   „Wenn es zu viel regnet, dann gibt es eben Schorle“
 Wengerter Sebastian Zaiß

 „Tagsüber um die 27 Grad und nachts die Abkühlung – einfach schöne, trockene Tage“: Auch Frank Jaggy vom gleichnamigen Weingut in Schönenberg hat genug vom nasskalten Regen. Trockene Tage seien gut für die Ausbildung des Aromas.

 Der Entwicklungsstand der Trauben sei sehr gut, Einbußen bei der Menge befürchtet Jaggy nicht: „Es sieht aus, als gäbe es einen Wunschherbst.“ Um die Qualität zu verbessern, schneidet er derzeit an den Reben der blauen Sorten die noch grünen Trauben heraus. Diese wären auch in etwa fünf Wochen, wenn die Hauptlese beginnt, nicht endgültig ausgereift. Bereits in drei Wochen soll bei den frühen Sorten wie Solaris die Ernte beginnen.

 „Fußballjahre sind immer schwierige Jahre“, scherzt Sebastian Zaiß vom gleichnamigen Weingut in Schützingen, wenngleich der Staatlich geprüfte Techniker für Weinbau und Kellerwirtschaft trotz des verpassten WM-Titels nicht schwarzmalen will. Ein sonniger Spätsommer könnte dazu beitragen, dass die Reihe der Spitzenjahrgänge fortgesetzt wird. Zaiß: „Und wenn es viel regnet, dann gibt es eben Schorle.“ Hat er die Wahl zwischen Nässe und Trockenheit, bevorzugt Zaiß wie seine Kollegen eindeutig Letzteres. Bei anhaltender Trockenheit könne der Wengerter eingreifen: „Zu viel Wasser ist schlecht wegzubekommen.“

 „Die Zukunft ist noch offen.“ Gutsleiter Christian Lintz vom Weingut Herzog von Württemberg, zu dem die Lage Elfinger Berg in Maulbronn gehört, redet nur ungern von Fäulnis und höchstens von einer „Krankheitsgefahr“, die von warmem und feuchtem Wetter ausgeht. Die Hitze im Juli habe ihn an das Jahr 2003 erinnert.

 Auch wenn alles noch auf Messers Schneide steht: Ein trockener Herbstanfang lasse höchste Qualität erwarten. „Wir gehen davon aus, dass es gut wird“, zeigt sich Lintz optimistisch. Für ihn ist die Häufung von Spitzenjahrgängen kein Zufall: „Wir spüren deutlich, dass uns die globale Erwärmung im Griff hat.“ Die Weintrinker gewöhnten sich an die guten Jahrgänge; jedoch drohten durch den Klimawandel auch neue Krankheiten.

 Wie der Gutsleiter feststellt, habe sich der Klimawandel längst auf die Wahl der Sorten ausgewirkt. Seien in den 70er und 80er Jahren vor allem frühreife Sorten gepflanzt worden, gebe es jetzt die Rückkehr zu den traditionellen, spätreifen Sorten. Vor diesem Hintergrund sei auch die Renaissance des Rieslings zu sehen.

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