„Hochwasserschutz hat Priorität“

Erstellt: 2. Februar 2012, 00:30 Uhr
„Hochwasserschutz hat Priorität“ Die Enz soll künftig natürlich in einer geschwungenen Linie fließen. Dazu tragen Kiesbänke, Buhnen sowie Flachwasserbereiche und Tiefwasserzonen bei. Planung: privat

Mühlacker. Nachdem der Gemeinderat seine Zustimmung erteilt hat, wird die Stadtverwaltung als Nächstes die Unterlagen beim Landratsamt Enzkreis zur Planfeststellung einreichen.

Vor der Aussprache im Gremium stellte die Landschaftsarchitektin Elke Ukas ein weiteres Mal die Grundzüge der Enzrenaturierung zwischen Wehr und Herrenwaagbrücke sowie die Renaturierung des Erlenbachs vom Auslass B10 Unterquerung bis zur Mündung in die Enz vor. Über Fragen der Hydraulik, der Sedimentation und der vorgesehenen Steinschüttung und Teilmörtelung der Uferbefestigung informierte Dr. Michael Probst von der Firma Björnsen Beratende Ingenieure aus Speyer.

Ziel der Planer ist es, dafür zu sorgen, dass der Fluss künftig in natürlichen geschwungenen Linien fließt. Kies- und Schotterbänke, Flachwasserbereiche und Tiefwasserzonen sowie Lenkbuhnen sollen allesamt dazu beitragen, dass die Gewässerökologie und das Landschaftsbild verbessert werden.

Für die Enz ist ein weitgehender Rückbau der Mittelwasserbettsicherung in Verbindung mit einem Abtrag des Enzvorlandes um circa 120 auf 30 Zentimeter über Mittelwasser vorgesehen. Zur Sicherstellung des Hochwasserschutzes wird laut Stadtverwaltung vor den Dämmen beidseitig eine neue Sicherungslinie eingebaut. Innerhalb dieser Linien soll sich der Fluss eigendynamisch seinen Weg suchen können. Um das Gelände im Wertle zwischen Damm und Enzstraße auffüllen zu können, müssen die dort stehenden Bäume gefällt werden, „weil sie die Auffüllung um über einen Meter nicht überstehen würden“, so das städtische Planungsamt. Auch Pappeln in der Nähe des Waldenserstegs sollen noch im Februar weichen.

Die Kosten für die Enzrenaturierung belaufen sich nach der aktuellen Berechnung auf rund 1,5 Millionen Euro, die Aufwendungen für die Renaturierung des Erlenbachs auf ungefähr 240000 Euro. Die Gesamtbaukosten betragen somit 1,74 Millionen Euro. Voraussichtlich rund 870000 Euro werden im Falle einer 50-prozentigen Förderung der gewässerökologischen Maßnahmen durch das Land am Ende wohl bei der Kommune bleiben.

Zwar soll es erst in der Sitzung am 28. Februar, in Anwesenheit von Vertretern des Regierungspräsidiums Karlsruhe, unmittelbar um den Hochwasserschutz gehen, doch spielte dieser Aspekt im Gemeinderat schon jetzt im Rahmen der Diskussion über die Renaturierung eine große Rolle. Aus naheliegenden Gründen. „Ich bin einer der hautnah Betroffenen des Hochwassers 1993“, sagte der Dürrmenzer FW-Vorsitzende Rolf Leo. „Der Hochwasserschutz hat für mich bei der Enzrenaturierung Priorität.“ Es sei gut, dass es keine Verschlimmerung für die Flussanwohner in Lomersheim und Mühlhausen geben solle, so Leo in Bezug auf eine Mitteilung der Verwaltung. Und was ist mit Dürrmenz? Wird der Dammweg geschwächt oder gestärkt durch die geplante Abflachung des Vorlandes? „Nach der Gartenschau darf es keine schlechteren Verhältnisse geben“, forderte Leo.

Das werde es auch nicht, versicherten daraufhin Oberbürgermeister Frank Schneider und Bürgermeister Winfried Abicht. Durch die Renaturierungsmaßnahmen ergebe sich keine Verschlechterung des Hochwasserschutzes, sondern sogar „eine minimale Verbesserung“, so der OB.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Günter Bächle signalisierte seine grundsätzliche Zustimmung zu der Grundlage für weitere Planungen. Renaturierung und Hochwasserschutz müssten ineinander übergehen, meinte er. Was ihn störte, war ein Anstieg der Kosten, die früher auf rund 1,2 Millionen geschätzt worden seien und heute um mehrere hunderttausend Euro höher lägen. Grund für die Steigerung ist nach Angaben des Planungsamts, dass eine Maßnahme hinzukam, die der Stadt, die nur begrenzt bestimmen könne, weil der Fluss dem Land gehört, zunächst nicht bekannt gewesen sei. Dessen ungeachtet: „Wir versuchen, es so kostengünstig wie möglich zu machen“, versprach Bürgermeister Abicht.

Die Verwaltung habe auf die Kosten zu achten, mahnte auch FDP-Fraktionsvorsitzender Dr. Jens Hanf an, der auf eine rasche Genehmigung der Planung durch das Landratsamt und einen baldigen Beginn der Arbeiten drängte. Die SPD-Stadträtin Karim Münzmay fand es „schön, dass auch der Erlenbach renaturiert wird“, wobei LMU-Sprecherin Dr. Ulrike Fuchs es gerne sähe, wenn an dem Bach passenderweise ein paar Erlen gepflanzt würden.

Der Gemeinderat stimmte der Genehmigungsplanung zur Enzrenaturierung einhellig zu. Außerdem gab das Gremium sein Ja zu der öffentlich-rechtlichen Vereinbarung mit dem Land Baden-Württemberg zur Übernahme der Baulast für die Enzrenaturierung.

Weiterlesen
Ich möchte einen Wiederanfang

Ich möchte einen Wiederanfang

Dr. Karoly Kurunci, Bürgermeister von Janossomorja, will die Wunden der Vergangenheit heilenJanossomorja / Illingen – Dr. Karoly Kurunci ist kein Mann der große Worte. Der Bürgermeister der ungarischen Stadt Janossomorja… »