Hightech-Medizin auf dem Land

Erstellt: 29. März 2008, 00:00 Uhr
Hightech-Medizin auf dem Land Mit einer speziellen Gesichtsmaske aus Kunststoff werden HNO-Krebspatienten vor der Bestrahlung fixiert. Foto: Hansen

Niefern-Öschelbronn kann Krebspatienten weite Wege ersparen – Strahlenpraxis mit neuem Verfahren.

Niefern-Öschelbronn – Intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT), ein Verfahren das die Heilungschancen für Krebspatienten verbessern soll, wird bisher eher in Universitätskliniken angewendet. Doch Patienten aus Pforzheim und dem Enzkreis müssen dafür künftig nicht mehr nach Tübingen oder Heidelberg fahren.

VON ISABEL HANSEN

Rund 250000 Euro haben die Ärzte der Strahlenpraxis in Niefern-Öschelbronn investiert, damit die Behandlung hier zur Routine wird. „Wir konnten bisher immer nur einen kompakten, rechteckigen Bereich bestrahlen. Das bedeutete, dass angrenzende Bereiche des Tumors zwangsläufig mitbestrahlt werden mussten“, erklärt Josef Hoen, Geschäftsführer der Gemeinschaftspraxis, die Probleme des bisherigen Verfahrens. „Bei der Intensitätsmodulierten Strahlentherapie können wir Einbuchtungen aussparen und bestrahlen nur noch das Areal, das bestrahlt werden muss“, so Hoen weiter.

 „Wir schonen sensible Körperbereiche, beispielsweise Wirbelsäule und Rückenmark bei Tumoren im Hals- und Rachenbereich oder den Darm bei Prostatakrebs. Das minimiert das Risiko von Spätfolgen wie chronischen Darm- und Blasenentzündungen“, erläutert Dr. Ingrid Billing, Fachärztin für Strahlentherapie. „Dadurch, dass wir Bereiche aussparen können, können wir anderseits die Dosis auf den Tumor erhöhen. Das verbessert die Heilungschancen“, sagt die Medizinerin.

 Die Vorbereitung für den Patienten bleibt gleich. Er wird auf einer Liege fixiert, damit sich die Bestrahlungszone, die durch ein rotes Fadenkreuz markiert wird, durch unwillkürliche Bewegungen nicht verschiebt. Bei HNO-Tumoren gehört dazu sogar eine individuell angepasste Gesichtsmaske aus einem speziellen Kunststoff. Bis zu 20 Minuten dauert eine einzige Bestrahlung.

 „Nur von den Universitätskliniken in Tübingen und Heidelberg wissen wir sicher, dass sie ebenfalls IMRT anbieten“, berichtet Dr. Ulrich Thalacker. Fünf Termine in der Woche, rund 40 Termine insgesamt, umfasst eine Strahlentherapie. „Da ist es schon ein Unterschied, ob Sie von Mühlacker nach Heidelberg fahren oder nach Niefern-Öschelbronn.“

 Kooperationen mit Krankenhäusern in Pforzheim und Mühlacker sollen auch stationären Patienten eine Behandlung ermöglichen. „Da weder Pforzheim noch Mühlacker eine eigene Abteilung für Strahlentherapie haben, wurden Krebspatienten beispielsweise gleich nach Karlsruhe verlegt. Könnten wir eine komfortable Krankentransport-Möglichkeit für stationäre Patienten aus Pforzheim und Enzkreis zur Strahlentherapie nach Niefern-Öschelbronn schaffen, wäre das nicht mehr zwingend notwendig.“

 Rund 250000 Euro haben Dr. Ingrid Billing und Dr. Ulrich Thalacker in die neue IMRT-Technik investiert. Auch aus wirtschaftlichen Überlegungen. „Wir arbeiten in einer ländlichen Gegend. Das heißt aber nicht, das wir in puncto Technik Hinterwälder sind“, betont Dr. Thalacker. Patienten seien gut informiert. Im Internet und in Selbsthilfegruppen erarbeiteten sich viele im Lauf ihrer Tumorbehandlung ein fast professionelles Wissen. „Da können wir nicht auf alter Technik bestehen und hoffen, dass es keiner merkt, sondern müssen den Fortschritt umsetzen. Patienten erwarten das Beste“, weiß Dr. Thalacker.

Weiterlesen
Pläne für Einzelhandel platzen

Pläne für Einzelhandel platzen

Illinger Gemeinderat schwenkt auf „Plan B“ um – Zusätzliche Reihenhäuser auf dem Luigareal Illingen. Die Pläne, einen Lebensmittelmarkt und weitere Fachmärkte auf dem Luigareal anzusiedeln, haben sich in Luft aufgelöst. Der… »