Herr Braun bringt Konzepte aus Holland

Erstellt: 5. November 2011, 00:30 Uhr
Herr Braun bringt Konzepte aus Holland Ufuk Kocaoglu jubelt beim Knittlinger 2:1-Erfolg gegen Ölbronn-Dürrn am 17. April 2011. In der laufenden Saison hat der FVK-Stürmer schon 28 Mal getroffen. Archivfoto: Fotomoment

Knittlingen. „Ein Test, wozu wir fähig sind“, so nennt Eberhard Braun das morgen anstehende Spitzenspiel gegen die SG Ölbronn-Dürrn. Andere würden vielleicht von einem „Prestigeduell“ sprechen oder von einer „immens wichtigen Partie“. Mancher wurde dieses Aufeinandertreffen zwischen dem Zweiten und dem Dritten der Tabelle, ein Nachbarschaftsderby zumal, womöglich als „Spiel des Jahres“ titulieren. Doch für Braun ist es nicht mehr als „ein Test“.

Vielleicht ist es gerade diese Gelassenheit, die den FV Knittlingen derzeit so erfolgreich macht. Man lässt sich einfach nicht aus dem Konzept bringen – nicht einmal von den Gerüchten, Ufuk Kocaoglu und sein Bruder Ugur, könnten in der Winterpause zum 1. FC Bauschlott wechseln.

„In der Winterpause wäre ja die Zustimmung des Vereins nötig. Aber da geht nix“, stellt Eberhard Braun klar. Insbesondere Ufuk Kocaoglu, der in den zwölf Punktspielen dieser Saison bereits 28 Tore geschossen hat, will der Trainer nicht hergeben. „Man muss auch sehen, wo die bessere sportliche Perspektive ist: Bauschlott ist in der Kreisliga Letzter. Die sind auf dem absteigenden Ast, wir sind auf dem aufsteigenden“, glaubt er nicht so recht an den Wechselwillen seines Topstürmers. Bei Ugur Kocaoglu könne er sich schon eher vorstellen, dass dieser derzeit unzufrieden sei. Aber: „Gerüchte gibt es immer wieder. Mal hört man da was, mal schwätzt man dort was.“

Als Gründe für den derzeitigen Höhenflug nennt Eberhard Braun mehrerlei: „Wir haben eine klare Spielidee nach einer einfachen Formel: Stabilität und Tempo.“ Die Grundordnung in der Defensive stimmt, und bei Ballbesitz spielt Knittlingen sofort schnell nach vorne. „Wir haben auch das Glück, zum richtigen Zeitpunkt die Tore zu machen und in dieser Saison vor Verletzungen weitgehend verschont zu sein.“ Ersteres ist größtenteils Ufuk Kocaoglu zu verdanken, Letzteres einem Niederländer.

Um seine Spieler körperlich topfit zu machen und damit die Gefahr von Verletzungen zu reduzieren, bedient sich Eberhard Braun der Methoden des Niederländers Raymond Verheijen. Der Fitness-Experte machte als Co-Trainer von Guus Hiddink bei der WM 2002 den Südkoreanern schnelle Beine und bei der EM 2008 der russischen Nationalelf. In beiden Fällen erreichten die Mannschaften das Halbfinale, und die Fachwelt staunte Bauklötze über deren Schnelligkeit und Ausdauer. „Verheijen hat viele Artikel in Fachzeitschriften geschrieben. Die habe ich alle gesammelt und mich auch im Internet weitergebildet“, erklärt Eberhard Braun.

Ölbronn-Dürrn muss morgen auf einige Spieler verzichten

Das Training nach Raymond Verheijen simuliert ständig die konditionellen Belastungen eines Fußballspiels. Er lässt ausschließlich mit dem Ball trainieren, damit die Spieler nach einem langen Sprint keine Erholungspause brauchen. Das Ziel ist schneller Kombinationsfußball, bei dem der ballführende Spieler durch die Bewegung der Mitspieler stets mindestens zwei Anspielstationen hat. In den letzten zwei Wochen vor der EM 2008 nahm Roman Pawljutschenko im Trainingslager mehr als vier Kilo ab. „Bevor Verheijen kam, war ich schwer. Jetzt fühle ich mich wie eine Feder“, äußerte sich der Stürmer damals in einem Interview. Mit durchschnittlich 72,9 Kilogramm war der russische Kader tatsächlich der leichteste der gesamten Europameisterschaft.

Verheijen, der auch Bewegungswissenschaften an der Freien Universität Amsterdam lehrt, ist davon überzeugt, dass die Kondition der Fußballer ausschließlich durch das Spiel optimiert werden kann. „Alles was wir im Training machen, ist Fußball spielen. Elf gegen elf, sieben gegen sieben, vier gegen vier. Das wollte mir schon damals in Südkorea keiner glauben“, sagte der Niederländer am Rande der EM 2008.

Also sind alle Knittlinger topfit, mit Ausnahme von Manuel Pelz, der beim Spiel in Zaisersweiher vor einem Monat einen Schlag auf den Mittelfuß bekommen hat. „Eine starke Prellung und Haarrisse. Er hat versucht zu trainieren, aber es geht noch nicht“, berichtet Eberhard Braun.

Mehr Verletzungssorgen hat die SG Ölbronn-Dürrn. Marcel Jäger macht eine Zerrung zu schaffen, Benjamin Busse hat einen Wadenbeinbruch, Björn Mayer fängt nach einem Bänderriss im Knie erst mit dem Lauftraining an. Auch Jan Brodbeck fällt aus. Tim Baum und Jeremy Briem können nach Verletzungen zwar wieder spielen, haben aber noch Trainingsrückstand. „Sie sitzen zunächst auf der Bank“, kündigt Trainer Ulli Stengel an.

Mit der Punktausbeute bis zu diesem Zeitpunkt ist der SG-Coach hochzufrieden. „Auch wenn unsere Spielweise durch die Verletzungen zuletzt gelitten hat.“ Mit Toren aber geizt Ölbronn-Dürrn. Nur 25 Mal hat die SG getroffen, nicht einmal halb so oft wie Knittlingen, wo bereits 52 Treffer zu Buche stehen. Spitzenreiter Zaisersweiher hat sogar 57 Tore geschossen. „Wir machen es manchmal unnötig spannend. Das zeigt, dass wir eben noch nicht das Spitzenteam sind, als das uns viele sehen“, sagt Ulli Stengel und fügt hinzu: „Mit mehr Treffern wäre mancher Sonntag für mich weniger aufreibend.“

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