Heimspiel auf des Gegners Feld

Erstellt: 25. April 2012, 23:30 Uhr
Heimspiel auf des Gegners Feld „Wir haben nicht geschuftet, um ein Halbfinale herzuschenken“: Der TV Pforzheim (hier in Grün-Weiß beim Spiel gegen Hannover) will nun umso mehr den Finaleinzug klarmachen. Foto: Jürgen Keller

Schnitzel bestellen oder Reisebusse chartern – bis gestern wusste die Rugby-Abteilung des TV Pforzheim nicht, was davon sie tun sollte. Eigentlich hatte Pforzheim als Bundesliga-Zweiter im DM-Halbfinale. Nun muss der TVP doch in Frankfurt/Main antreten und will dieses Spiel quasi zum Heimspiel machen.

Von Steffen-Michael Eigner

Pforzheim. Jens Poff, der Teammanager der Pforzheimer, ist sichtlich sauer. Erst am Ende der Saison hat er erfahren, dass seiner Mannschaft zwei Punkte abgezogen werden. Die Folge: Pforzheim rutschte in der Tabelle auf Rang drei, stattdessen ist nun der SC Frankfurt Zweiter und hat im Playoff-Halbfinale Heimrecht. Der Grund: Der TV Pforzheim hat dem Deutschen Rugby-Verband (DRV) angeblich nicht ausreichend Jugendarbeit nachgewiesen. Seit gestern ist klar, dass es dabei bleibt: Das Spiel findet in Frankfurt statt

Regelmäßige Teilnahme am Spielbetrieb in den vier Altersklassen U18, U16, U14 und U12 schreibt der Verband den Bundesligisten vor. Das hat der Pforzheimer Verein aus der Sicht von Jens Poff auch erfüllt. Allerdings seien wiederholt Spiele der U12-Mannschaft ausgefallen, weil die jeweiligen Gegner nicht angetreten seien. Außerdem sei die Mannschaft einige Male von Turnieren, zu denen sie gemeldet hatte, wieder ausgeladen worden. „Diese Ausladungen haben wir nun auch vorgelegt“, betont Poff. Dennoch hat der DRV gestern zum dritten Mal einen Pforzheimer Einspruch gegen den Punktabzug abgewiesen. „Es heißt, wir hätten mit unserer Mannschaft ja an anderen Turnieren teilnehmen können“, fasst Jens Poff die Argumentation des Verbandes zusammen, die er nach wie vor nicht teilt.

Mehrere Busse bringen die Fanskostenlos nach Frankfurt

Die Urteils-Begründung durch das DRV-Sportgericht ist allerdings formaler Natur. Der TV Pforzheim war bereits im September 2011 vom Verband über den Punktabzug informiert worden. Doch die Geschäftsstelle des Vereins reichte das Schreiben offenbar nicht an die Rugbyabteilung weiter, sondern heftete es ab und überwies die mit dem Punktabzug verbundenen 500 Euro Lizenzgebühr-Zuschlag.

„Die Entscheidung des DRV-Vorstandes über den Punktabzug wurde sowohl über das Verbandsorgan allgemein als auch per Anschreiben an den Verein im Speziellen kommuniziert“, betont das Sportgerichtund argumentiert: „Der TV Pforzheim hat nachweisbar Kenntnis davon erhalten, denn die mit dem Punktabzug verbundene erhöhte Lizenzgebühr wurde anstandslos entrichtet. Faktisch stellt dies gleichzeitig eine Anerkenntnis der Entscheidung des DRV-Vorstandes dar.“ Damit sei die Entscheidung über den Punktabzug „unabhängig von ihrer inhaltlichen Wertigkeit rechtsgültig“.

Das Sportgericht räumt ein, es sei extrem „unglücklich“ gewählt, den Punktabzug erst am Ende der Saison wirksam werden zu lassen, weist aber darauf hin: „Für die Umsetzung des Beschlusses gibt es keine zeitlichen Vorgaben. Der von der Staffelleitung gewählte Zeitpunkt ist formal nicht zu beanstanden, denn er lag innerhalb der Saison.“ Dass dieser formal nicht beanstandet werde, ändere nichts daran, dass die spielleitende Stelle gefordert gewesen wäre. Allerdings gilt Gleiches auch für den TVP, der den Sachverhalt genauso vergessen hatte. Bei frühzeitiger Klärung wären Alternativlösungen zwischen DRV-Vorstand und dem TV Pforzheim denkbar gewesen, so das Gericht. „Das Schiedsgericht sagt im Prinzip, dass wir haben Recht haben. Aber den Sachverhalt inhaltlich aufzuarbeiten, würde drei bis vier Wochen dauern“, interpretiert Jens Poff den Richterspruch. Doch so viel Zeit bleibt nicht. „Wir werden deshalb nach Frankfurt fahren, im Interesse des Sports“, sagt Poff.

Ganz auf sich beruhen lassen will der TV Pforzheim die Sache dennoch nicht. Im Nachhinein soll das Sportgericht in der Sache entscheiden, darauf pocht der Verein, dem schließlich Einnahmen flöten gehen. Als eine Art Schadensersatz könnte sich Poff vorstellen, dass der DRV im kommenden Jahr das DM-Finale oder ein Länderspiel nach Pforzheim vergibt.

Die Spieler stachelt die Entscheidung umso mehr an: „Natürlich wollen wir gewinnen. Wir haben nicht umsonst die ganze harte Arbeit über die Saison geleistet, um in ein Halbfinalspiel zu gehen und es herzuschenken“, sagt TVP-Spieler Uwe Herrmann. „Seit der ersten Bekanntgabe des Punktabzuges haben wir uns psychisch auf ein Spiel in Frankfurt eingestellt und sind daher noch motivierter“, betont Herrmann. Bis auf Sam Anderson-Heather (Mandelentzündung) seien alle Spieler einsatzbereit. „Es wird ein sehr enges Spiel werden trotzdem werden wir das Spiel mit 5 Punkten Vorsprung gewinnen“, glaubt Herrmann und verweist auf die Erfahrungen aus den Punktspielen der Saison: „Im Hinspiel hatten wir die Nase vorne und im Rückspiel Frankfurt.“ Speziell im Rückspiel habe sich bei den Frankfurtern als Stärke die schnellen Richtungswechsel im Angriff und das gute Unterstützungsspiel. gezeigt. „Vom Hinspiel wissen wir aber, dass man Frankfurt auch in den Griff bekommen kann. Wie bei jeder anderen Mannschaft auch früh stören und unter Druck setzen, damit sie ihr Angriffsspiel nicht entfalten können.“

Nachdem die Pforzheimer ihr Heimrecht abtreten mussten, wollen sie nun beim Auswärtsmatch für Heimatmosphäre sorgen. Fünf Reisebusse, vielleicht sogar mehr, will der TV Pforzheim mit Schlachtenbummlern füllen. Die Fahrt nach Frankfurt soll für die Fans gratis sein, so Teammanager Poff. Die Kosten würden durch Mannschaftskasse und Verein übernommen. Abfahrt ist am Samstag 10 oder 11 Uhr am Bohrain-Sportplatz, Werner-Siemens-Straße 76 in Pforzheim. Verbindliche Anmeldungen nimmt der TV Pforzheim heute bis 12 Uhr, vorzugsweise per E-Mail unter tvpforzheim@gmx.de entgegen. Wer kein Internet hat, kann sich auch bei Jens Poff telefonisch anmelden: 0171/4004389

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