Hautnah am Puls der Weltmeisterschaft

Erstellt: 29. Juni 2010, 00:00 Uhr
Hautnah am Puls der Weltmeisterschaft Rudolf Haller (li.) und Sohn Timo testen schon einmal die Tribünen im Stadion Soccer City, wo am 11. Juli das Finale angepfiffen wird. Foto: Haller

Rudolf und Timo Haller aus Knittlingen zittern und bangen mit der deutschen Elf in Südafrika

Rudolf und Timo Haller mussten nicht lange überlegen: „Weltmeisterschaft in Südafrika – ein absolutes Muss, da sind wir dabei“. Inzwischen sind die beiden Knittlinger wieder in der Heimat. Im Gepäck: intensive Eindrücke aus einem faszinierenden Land.

Von Frank Goertz

Knittlingen. Die beiden sind heilfroh, dass sie auf ihrem Rückflug von Johannesburg nach Frankfurt dem serbischen Team begegneten und nicht der deutschen Delegation, die vorsichtshalber in der Lufthansa-Maschine 65 Plätze reserviert hatte. „Nach dem Sieg gegen Ghana konnte der DFB die Plätze zum Glück an die Serben weitergeben“, schmunzelt Haller.

 Südafrika ist für ihn schon lange kein weißer Fleck auf der Landkarte mehr. „Ich war 1985 zum ersten Mal in dem Land, in dem damals noch die Apartheid herrschte, als das Mundharmonika-Orchester Knittlingen auf Einladung von Schwaben International am Internationalen Musikfest in Roodeport, einem Vorort von Johannesburg, teilnahm“, erzählt der Ötisheimer Hauptamtsleiter. Damals hätten sich eine ganze Reihe von Freundschaften ergeben, die bis heute anhielten und zwischenzeitlich zu gegenseitigen Besuchen geführt hätten. Deshalb stand diesmal nicht nur König Fußball auf dem Reiseplan, sondern auch Begegnungen mit Freunden und vier von den Big Five in einem Wildpark nahe Pretoria. „Hier konnten wir Löwen, Nashörner, Büffel und Leoparden beobachten, nur Elefanten gab es leider keine“, berichtet Haller. „Am Ausgang machten wir es dann Lahm, Podolski und Co. vor, die erst einige Tage nach uns mit Löwenbabys spielen konnten und die ,Three Lions‘ von der Insel mit 4:1 nach Hause schickten.“

 Dabei hatte alles gar nicht so gut angefangen. Hallers erste Partie war das 0:1 gegen Serbien, für das er spontanes Mitleid von seinen südafrikanischen Freunden erntete. „Trotz der Niederlage herrschte nach dem Spiel rund um das Stadion eine tolle Stimmung. Deutsche und Serben feierten zusammen mit vielen Menschen aus anderen Ländern“, freut sich Haller über die unvergleichbare Atmosphäre in Durban, wo die deutsche Elf offensichtlich große Sympathien genießt. „Im Stadion waren viele Schwarze mit deutschen Fahnen“, so Haller.

Soweto ist nicht nur Armut
und Kriminalität

 In Südafrika sorgt nicht nur der Fußball für Schlagzeilen, sondern auch die Kriminalität und die angeblich schlechte Sicherheitslage. Haller allerdings berichtet: „In Sachen Sicherheit gab es für uns zu keiner Sekunde ein Problem, obwohl wir uns auch in ausschließlich von Schwarzen bewohnten Gegenden bewegt haben.“

 Auch die Fans würden dafür sorgen, dass diese Weltmeisterschaft ein Fest der Begegnungen ist. So auch bei Hallers zweiter Partie, Deutschland gegen Ghana, im Johannesburger Stadtteil Soweto, der vor allem durch den Aufstand 1976 traurige Berühmtheit erlangte und heute noch ein Symbol des Kampfes gegen die Apartheid ist. Soweto gilt auch als Problemstadtteil. Hallers Eindruck ist allerdings zwiespältig: „Unsere Gastgeber haben uns Soweto am Tage gezeigt. Natürlich sahen wir viele Blechhütten, aber auch stolze Gebäude.“ Zwei davon gehörten der Familie von Nelson Mandela. Auch die Residenz von Bischof Desmond Tutu in Soweto sei durchaus stattlich. „Nicht ohne Stolz haben uns unsere Gastgeber darauf hingewiesen, dass die Vilakazi Street im Ortsteil Orlando die einzige Straße weltweit sei, in der zwei Nobelpreisträger wohnen beziehungsweise gewohnt haben“, macht Haller deutlich, dass Soweto nicht nur mit Armut und Kriminalität gleichzusetzen sei. Soweto ist auch Soccer City, Afrikas größtes Stadion, wo fast 85000 Zuschauer in zwölf Tagen das Finale der Weltmeisterschaft live erleben werden. Hier schlägt das Herz der Weltmeisterschaft. Und diesem Pulsschlag konnten Rudolf und Timo Haller lauschen. „Eine phantastische Arena“, lautet Hallers Fazit. Und auch hier eine phantastische Atmosphäre. „Da wir rechtzeitig vor dem Spiel gegen Ghana da waren, konnten wir uns noch mit vielen Fans aus aller Herren Länder unterhalten“, behält Haller das Spiel nicht nur wegen des Ergebnisses in guter Erinnerung. Jetzt hoffen die Knittlinger Fußball- und Südafrika-Fans natürlich inständig, dass Lahm & Co. auch am 11. Juli noch einmal auf dem Rasen von Soccer City stehen. Und wenn es am Ende wieder 1:0 für Deutschland stehen würde, wäre das nicht das schlechteste Ergebnis.

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