Handwerker machen Mädchen Platz

Erstellt: 10. September 2010, 00:00 Uhr
Handwerker machen Mädchen Platz Sanierung auf der Zielgeraden: Die Bauexperten Gerhard Habermann (v.li.), Rolf Creyaufmüller und der Schulleiter des Evangelischen Seminars, Tobias Küenzlen, beim Rundgang durch das Jagdschloss, in das am Wochenende die Mädchen der Internatsschule einziehen. Fotos: Disselhoff

Jagdschloss im Maulbronner Klosterhof ist fast bezugsfertig – Ehemaliger Herzogssitz bietet bis zu 40 Schülerinnen Raum

Am Treppenaufgang steht eine Tischkreissäge, Leerrohre für Kabel hängen über der halb geöffneten Eingangstür, durch die ein Handwerker ins Gebäude schlüpft. Am Maulbronner Jagdschloss im Klosterhof wird fieberhaft gearbeitet, schließlich wollen am Wochenende die Schülerinnen des Evangelischen Seminars einziehen.

Von Maik Disselhoff

Maulbronn. Lange sei der hintere Klosterhof im Dornröschenschlaf gelegen, sagt der Schulleiter der Klosterschule, Tobias Küenzlen, der gegenüber des Jagdschlosses im Ephorat wohnt. Jetzt werde der Bereich wieder zum Zentrum. Die zweijährige Umbau- und Sanierungsphase ist – bis auf den Feinschliff – endlich abgeschlossen. Gestern führte Baudirektor Gerhard Habermann mit seinem Team von Vermögen und Bau Baden-Württemberg durch das Schloss, das im 16. Jahrhundert für den Herzog von Württemberg im Renaissance-Stil errichtet worden war.

 In den vergangenen 40 Jahren diente das Gebäude als Unterkunft für die Internatsschülerinnen. Neben der ohnehin notwendigen Sanierung des Schlosses musste das Gebäude zudem wegen der Erweiterung der Klosterschule umgebaut werden. Statt 25 Schülerinnen muss das Schloss künftig bis zu 40 Mädchen ein Dach über dem Kopf bieten.

 Laut Habermann belaufen sich die Umbaukosten auf 2,5 Millionen Euro. Bei der Sanierung galten strenge Vorschriften des Landesdenkmalamts. Ein Beispiel: Weil die Wände mit dem alten Fachwerk nicht geschlitzt werden dürfen, wurden die Lichtschalter und Steckdosen in den Zimmern von der Wand leicht abgerückt und kommen aus dem Boden. Die Fachwerkstruktur im ersten Stock, so Habermann, sei in Anlehnung an die Originalfarbe in einem erdigen Gelbton gestrichen worden.

Spagat zwischen Denkmalschutz und heutiger Nutzung

 Die ursprünglichen Bodenziegel, die zum Teil noch erhalten sind, wurden von einem Unternehmen im Elsass im Zuge der Sanierung nachgefertigt. Im Rahmen der Führung wurde ersichtlich, dass Habermann und sein Team immer wieder einen Spagat zwischen den Bedürfnissen der heutigen Nutzer und den Ansprüchen der Denkmalschützer machen musste. So sind einige der Mädchenzimmer im Dachbereich des Schlosses ziemlich dunkel. „Wir wollten die Gauben ein wenig vergrößern, haben uns mit unseren Vorstellungen jedoch am Ende nicht durchsetzen können.“

 Ein gravierendes Problem, das die Bauplaner lösen mussten, war statischer Natur. Weil das Jagdschloss auf einem Vorgängerbau aus klösterlicher Zeit gebaut wurde, ergaben sich Tragwerksmängel. „Diese haben wir jetzt bereinigt“, erklärt Habermann. Dass die Handwerker bis zum Einzugstermin am Wochenende fertig werden, davon ist er überzeugt: „Die können Gas geben.“ Im größten Schlafraum stehen mitten im Zimmer vier Betten für die Seminaristinnen bereit. Für die Möblierung haben die Bauexperten ein eigenes Konzept erstellt und umsetzen lassen. „Die Möbel sind multifunktional, beispielsweise können die Betten auch zum Stockbett umfunktioniert werden“, sagt Rolf Creyaufmüller von Vermögen und Bau. Eine große graue Fläche am Kopfende soll als Pinnwand für die Mädchen dienen. „An der Wand dürfen sie ja nichts anbringen“, verweist Habermann einmal mehr auf die Vorgaben des Denkmalschutzes.

 Auch in Sachen Brandschutz wurde der Abteilungsleiter von Vermögen und Bau vor kniffligen Aufgaben gestellt. So musste eine zweite Treppe her. „Doch ein Treppe außen am Gebäude, das ging wegen des Denkmalschutzes gar nicht.“ Jetzt sind die Stufen elegant im Gebäude versteckt, in dem nicht alles original ist: „Die Türen sehen alt aus, sind aber neu“, merkt Habermann mit einem Schmunzeln an.

 Fakt ist, dass der Abschluss der Arbeiten im und am Jagdschloss nur ein Etappensieg für die Bauexperten des Klosters ist. Denn die nächste millionenschwere Sanierung wartet bereits. Der nächste Bauabschnitt wird das Laiendorment sein, in dem derzeit die Jungen der Schule wohnen. Seien das Jagdschloss und die davor sanierte und für das Internat umgebaute Klostermühle anspruchsvolle Aufgaben gewesen, sei das Laiendorment als Teil der Klosterklausur noch einmal eine ganz andere Sache, lässt Habermann durchblicken. „Das wird spannend, da gibt es viele ungelöste Probleme.“ Und Creyaufmüller ergänzt: „Da sind wir dann ganz nah am offenen Herzen.“ Sprich: Die Handwerker rücken dem Unterrichtsbetrieb auf die Pelle. „Der Würgegriff der Baustelle kommt näher“, erklärt Küenzlen und fügt hinzu: „Aber wir freuen uns ja über die Investitionen in unsere Schule.“

 Im Zuge des Ausbaus des Evangelischen Seminars und für die damit einhergehenden Sanierungen werden 15,4 Millionen Euro investiert. Den größten Anteil der Kosten trägt das Land. Die Seminarstiftung steuert 1,4 Millionen Euro bei. Der Bund beteiligt sich mit 1,5 Millionen Euro.

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