Haie tummeln sich auf Dächern

Erstellt: 28. Juni 2006, 00:00 Uhr

Eingetragene Meisterfachbetriebe warnen: Keine übereilten Aufträge unterschreiben

Enzkreis (pm) – Die Mitgliedsbetriebe der Zimmerer-Innung Pforzheim/Enzkreis nennen sie einfach nur „Haie“. Der Begriff stammt nicht von ungefähr. „Haie“ deshalb, weil die Opfer von unseriösen Diensten finanziell für ihren Leichtsinn bluten müssen.
Eine Szene, die sich gerade jetzt wieder häufig auch in Pforzheim und dem Enzkreis abspielt – Tatort Haustür: Herumreisende Handwerker klingeln beim Hausbesitzer – vorzugsweise ältere Leute –, bieten ihnen großzügig eine kostenlose Dachinspektion an und präsentieren im Anschluss mitgebrachte poröse Ziegel, die angeblich vom Dach des Hausbesitzers stammen. Schockiert unterschreibt der so Überzeugte den Auftrag für eine Pauschalsanierung.

 Die Sanierung wird zu einem verlockend niedrigen Pauschalpreis angeboten, so die Innungsbetriebe. Da man nun mal schon da sei, werden in der Regel auch gleich die Sanierung des Dachkanals sowie das Einspeisen der Firstziegel mit empfohlen. Hat der Hausbesitzer unterschrieben, wird unmittelbar mit den Arbeiten begonnen und dann erklärt, der Aufwand beziehungsweise die Menge der auszutauschenden Ziegel sei doch erheblich größer als gedacht. Der Kunde solle einen neuen, teureren Auftrag unterschreiben. Um dem Nachdruck zu verleihen, werde oft angedroht, die Baustelle sonst sofort zu verlassen.

 „Rasche Hilfe für wenig Geld – das ist die Verlockung, mit der die sehr professionell vorgehenden „Dach-Haie“ ahnungslose Hausbesitzer um ihr Geld prellen, heißt es bei den Innungsbetrieben. „Gerade jetzt, wo Sommergewitter Saison haben, sind sie wieder unterwegs und bieten ihre vermeintlich günstigen Kleinreparaturen an“, schildert Mathias Morlock, Geschäftsführer der hiesigen Kreishandwerkerschaft, die Situation. Morlock ist auch Geschäftsführer der lokalen Zimmerer-Innung und kennt dieses alljährlich wiederkehrende Problem. Er warnt daher vor solchen „Haustürgeschäften“ und empfiehlt, niemals einen Auftrag eines herumreisenden Handwerkers sofort zu unterschreiben, sondern zunächst ein detailliertes Angebot mit Einzelpositionen erstellen zu lassen.
 Vor der Auftragserteilung sollte man die Kreishandwerkerschaft Pforzheim/Enzkreis anrufen und fragen, ob der betreffende Betrieb dort Mitglied oder zumindest bekannt ist. Auch sollte man sich von einem örtlichen Handwerksbetrieb ein Alternativangebot geben lassen beziehungsweise mit einem sonstigen Fachmann die angeblich anstehende Dachsanierung besprechen. Ist der Auftrag allerdings schon erteilt, so kann man laut Morlock noch innerhalb von 14 Tagen von diesem zurücktreten, da derart abgeschlossene Aufträge unter die Rubrik „Haustürgeschäfte“ fallen. Das gilt auch selbst dann, wenn mit der Ausführung des Auftrages bereits begonnen wurde (Teilrücktritt).

 Die Telefonnummer der Geschäftsstelle der Kreishandwerkerschaft Pforzheim/Enzkreis lautet: 07231/313140 – ein Anruf, der sich unter Umständen lohnen kann.

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