Hager neuer Pforzheimer Oberbürgermeister

Erstellt: 29. Juni 2009, 00:00 Uhr
Hager neuer Pforzheimer Oberbürgermeister SPD-Landeschefin Ute Vogt gratuliert dem strahlenden Sieger. Re.: Hagers Wahlkampfmanager Jens Kück. Foto: Kollros

Sozialdezernent der Stadt erhält 60,2 Prozent der Stimmen – Wahlbeteiligung beträgt nur 36,4 Prozent

Von Norbert Kollros

Pforzheim. Die Pforzheimer Rathauschefin Christel Augenstein hat gestern die Oberbürgermeisterwahl verloren. Ihr Herausforderer aus dem eigenen Haus, Sozialdezernent Gert Hager, machte mit mehr als 6200 Stimmen Vorsprung das Rennen.

 Der 59-jährigen FDP-Frau widerfuhr damit das gleiche Schicksal, das sie vor acht Jahren dem damals amtierenden Dr. Joachim Becker beibrachte. Mit zwei Unterschieden, sie gewann damals schon im ersten Wahlgang, und der unterlegene Becker kam seinerzeit auf 43 Prozent, während Augenstein sich gestern mit knapp 40 Prozent zufrieden geben musste. Der gestrige SPD-Wahlsieger indes kam auf satte 60,2 Prozent der Stimmen.

 Allerdings war das Wahlvolk gestern noch müder als vor drei Wochen: Nur noch 36,4 Prozent der wahlberechtigten Pforzheimer interessierten sich dafür, wer in den kommenden acht Jahren die Geschicke ihrer Stadt lenken soll. Indes: Von den Themen, die Wahlsieger Gert Hager als seine zehn Perspektiven für die Zukunft Pforzheims formuliert hatte, fühlten sich offenbar mehr Pforzheimer angesprochen, sie ließen sich von der von Hager verbreiteten Aufbruchstimmung eher mitreißen als vom Auftreten Augensteins, die angekündigt hatte, die Stadt mit der Erfahrung aus acht Jahren an der Rathausspitze weiterentwickeln zu wollen.

 Ob Christel Augenstein dann gut beraten war, auf die zehn Perspektiven ihres Herausforderers zu kontern, für Pforzheim alles tun zu wollen, nur keine leeren Versprechungen, mag dahingestellt sein. Hagers Wahlkampfmanager Jens Kück, pensionierter Direktor des Regionalverbands Nordschwarzwald, wertete die Augenstein-Niederlage als „deutliches Signal nach Stuttgart“, hatten doch die beiden Pforzheimer Landespolitiker Stefan Mappus (CDU) und Dr. Hans-Ulrich Rülke (FDP) – beide im Landtag Fraktionsvorsitzende – sich aktiv in den Wahlkampf eingemischt, ohne letztlich den sprichwörtlichen Blumentopf zu gewinnen. Schon gegen 19.40 Uhr schien das Wahlergebnis festzustehen, als ein strahlender Gert Hager mit Ehefrau Sabine den Ratssaal im Pforzheimer Rathaus betrat und anhaltender Beifall aufbrandete. Das Ergebnis war zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht öffentlich verkündet, aber ein sichtlich erleichterter Wahlsieger genoss förmlich das Bad in der Menge und ließ sich von seinem Wahlkampfteam ausgiebig feiern.

 Erst sieben Minuten später wurde die sich abzeichnende Sensation zur Gewissheit: Wahlleiter Roger Heidt verkündete das Ergebnis – zunächst ging ein Raunen durch den Saal, als er die um 3,4 Prozentpunkte gesunkene Wahlbeteiligung bekanntgab, dann brachen alle Dämme, als Heidt die 60,2 Prozent des Wahlsiegers bekanntgab und damit die 39,6 Prozent der geschlagenen Amtsinhaberin. Die erhielt nachher zwar gleichfalls artig Applaus, aber längst nicht in dem Umfang wie zuvor und anhaltend Gert Hager.

 Der 46-Jährige führt seinen Sieg darauf zurück, dass es ihm gelungen sei, den Pforzheimern seine Zukunftsperspektiven zu vermitteln. Die Wähler hätten es auch honoriert, dass er einen bürgernahen Wahlkampf geführt habe – zusammen mit seinem Team habe die Hager-Initiative mehrere tausend Bürgerkontakte gehabt. Jetzt gelte es, nach vorne zu blicken, die Kräfte zu bündeln und daran zu gehen, seine zehn Perspektiven Stück für Stück umzusetzen.
 Die Amtszeit des neuen Pforzheimer Oberbürgermeisters wird am 23. Juli 2009 beginnen.

Weiterlesen
Ein Zähler gegen Knittlingen ist Pflicht

Ein Zähler gegen Knittlingen ist Pflicht

Ötisheim geht mit Notelf ins Nachholspiel. Ötisheim – Beim TSV Ötisheim ist Vorsicht geboten. Noch steht der Aufsteiger in der Kreisklasse A 1 zwar auf einem Nichtabstiegsplatz, doch der Vorsprung… »