Haben die keine echten Berge?

Erstellt: 28. November 2008, 00:00 Uhr
Haben die keine echten Berge? Umstrittener Hingucker Ein Ziel hat die Werbung für Arosa – hier auf einer Litfasssäule in der Hindenburgstraße – auf jeden Fall erreicht: Sie sorgt für Aufsehen. Foto: Eigner

Werbeplakat für die Skiregion Arosa wird als sexistisch empfunden

Mühlacker – Die plakative Werbung für die Schweizer Skiregion Arosa, die zurzeit auf Litfasssäulen in Mühlacker prangt, ist einer örtlichen Frauengruppe und der Gleichstellungsbeauftragten des Enzkreises ein Dorn im Auge.

VON THOMAS EIER

Es ist eine Frage des Blickwinkels. Ein harmloser Hingucker, werden vor allem viele Männer sagen. „Nicht das Bild ist sexistisch, sondern die Botschaft“, widerspricht Martina Klöpfer. Die Gleichstellungsbeauftragte des Enzkreises möchte sich deshalb direkt an das Fremdenverkehrsamt in Arosa wenden. „Haben die keine echten Berge, um damit zu werben?“

 Die „Frauen aktiv“-Gruppe aus Mühlacker hatte in dem Werbeplakat ein Beispiel für so genannte „strukturelle Gewalt“ entdeckt, die Frauen zu (Sex-)Objekten degradiert. Bei einer Fahnenaktion auf dem Kelterplatz aus Anlass des internationalen Gedenktags „Nein zur Gewalt gegen Frauen“ kam die Kampagne für die „Gratis Bergbahnen“ in dieser Woche zur Sprache.

 „Es geht nicht um den Grad der Nacktheit“, stellt Martina Klöpfer klar, „sondern darum, dass die Frau zu einem Gebrauchsgegenstand wird, der benutzt oder ,bestiegen‘ werden kann.“ Was diesen negativen Eindruck noch verstärke, sei der Hinweis auf eine Internetadresse „All inclusive“. „Sind in Arosa als Skiurlauber nur Männer erwünscht?“, fragt sich die Gleichstellungsbeauftragte, wie die Werbung den Frauen Lust auf Graubünden machen soll.

 Anders als in Pforzheim, wo jedes Werbeplakat nochmals intern geprüft wird, gibt es bei der Stadt Mühlacker keine eigene Kontrollinstanz für die Werbung auf Litfasssäulen und großflächigen Werbetafeln, sondern nur für die Veranstaltungshinweise am Straßenrand. „Jede Plakatwerbung wird vorab vom Deutschen Werberat geprüft“, sieht Abicht keinen Grund, das Urteil des mit sechs Männern und sechs Frauen besetzten Gremiums anzuzweifeln. „Es handelt sich um kein Foto, sondern eine deutlich stilisierte Darstellung“, hält der Bürgermeister persönlich das Arosa-Plakat nicht für besonders geschmacklos.
 Anders lag der Fall, als die Veranstalter einer Erotikmesse den Straßenrand der B10 in Beschlag nahmen. Die Stadt reagierte und verbot aus doppeltem Grund die Werbung: Zum einen war sie nicht genehmigt, zum anderen sahen auch die Stadtväter in dem schlüpfrigen, fast pornografischen Blickfang den Tatbestand der Diskriminierung erfüllt. „In diesem Fall war die Frau tatsächlich nur noch eine Ware.“

 Da stimmt Martina Klöpfer zu. Und was den Fall Arosa betrifft: „Wichtig ist uns, das Bewusstsein zu schärfen – und dafür ist jede neue öffentliche Diskussion sinnvoll.“

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