Günter Bächle scheitert an seiner CDU

Erstellt: 27. Februar 2010, 00:00 Uhr
Günter Bächle scheitert an seiner CDU Enttäuscht: Günter Bächle (Mitte) muss mit ansehen, wie Winfried Scheuermann seiner designierten Nachfolgerin Viktoria Schmid gratuliert. Foto: Ochs

Partei nominiert Viktoria Schmid – Fraktionschef aus Mühlacker landet im Kampf um den Landtag nur auf Platz drei

Günter Bächle ist mit seinen Ambitionen auf den Landtag am Votum seiner Partei gescheitert. Die CDU-Mitglieder nominierten Viktoria Schmid als Kandidatin für die Landtagswahl 2011.

Von Torsten Ochs

Neulingen-Göbrichen. Die Nieferner Gemeinderätin setzte sich bei der Nominierungsveranstaltung in der Büchighalle in Göbrichen in einer Stichwahl im dritten Wahlgang gegen Martin Gegenheimer aus Remchingen durch. Schmid will Nachfolgerin von Winfried Scheuermann werden, der nächstes Jahr aus dem Amt scheidet.

 Das Rennen sei völlig offen, darin waren sich vor Beginn des Wahlmarathons die drei Bewerber einig. Der 59-jährige Günter Bächle, Fraktionschef der CDU im Mühlacker Gemeinderat, im Kreistag und in der Regionalverbandsversammlung, galt als der Routinier, während die Nieferner CDU-Chefin Viktoria Schmid (41), Tochter des 1992 verstorbenen ehemaligen Staatsministers Dr. Lutz Stavenhagen und der stellvertretenden Kreisvorsitzenden Christine Stavenhagen, ebenso für einen Generationswechsel stand wie der erst 30-jährige Martin Gegenheimer, Vize-Vorsitzender im Kreisverband und Gemeinderat und CDU-Vorsitzender in Remchingen.

 Für Spannung unter den 299 Parteimitgliedern im Saal, an der Spitze Ministerpräsident und Noch-Kreisvorsitzender Stefan Mappus, der als Wahlleiter fungierte, war jedenfalls gesorgt. In jeweils 20-minütigen Reden präsentierten sich die Anwärter auf ein Abgeordnetenmandat zunächst der Parteibasis, und Martin Gegenheimer verwies bei dieser Gelegenheit prompt auf den neuen Regierungschef, der bei seiner Wahl in den Landtag noch jünger gewesen sei. Er wolle auf Landesebene, wie als Gemeinderat in Remchingen, eine Politik „nahe am Menschen“ machen, bekräftigte der 30-jährige Diplom-Ingenieur für Verfahrenstechnik, der erst in der Stichwahl mit 127 gegen 157 Stimmen gegen Viktoria Schmid den Kürzeren zog.

 Sie sei noch kein Winfried Scheuermann, gab sich die gelernte Reisekauffrau und Fotojournalistin bescheiden. Die Politik sei ihr allerdings ein Stück weit in die Wiege gelegt worden, und in der Familie habe sie gelernt, dass es sich lohne, sich für andere einzusetzen, sagte Schmid. Sie dränge es insbesondere deshalb in die Landespolitik, weil hier über die Bildungspolitik entschieden werde, die wiederum die Weichen für die Entwicklung des Landes stelle, sagte Schmid. Was die Infrastruktur der Region betreffe, so müsse der Bau der Ortsumfahrungen in Pinache, Wilferdingen und Bauschlott vorangetrieben werden. Eine neue Stadtbahnlinie zwischen Pforzheim und Ittersbach halte sie nur dann für sinnvoll, wenn die Bahn auch ins Pforzheimer Zentrum fahre, widersprach sie der bisherigen Haltung der dortigen Kommunalpolitik.

 Schmid erhielt für ihre Rede am meisten Beifall und lag auch im ersten Wahlgang vor den beiden anderen Kandidaten –  mit 115 Stimmen, gefolgt von Martin Gegenheimer (99) und Günter Bächle (80). Letzterer zeigte sich vom Votum ernüchtert: „Ein bisschen enttäuscht bin ich schon. Ich hätte nicht gedacht, dass ich Dritter werde.“

 Günter Bächle, der in der Vorstellungsrunde den Auftakt bestritten hatte, hob auf seine langjährige Erfahrung in der Kommunalpolitik ab. Er wolle ein „greifbarer und präsenter Abgeordneter“ sein, bekräftigte der Lienzinger, ein „Kummerkasten für die Bürger“. Auch er hatte Verbesserungen in der Infrastruktur, neue Ortsumgehungen, die Westtangente in Pforzheim und den Ausbau der A8 bei Niefern, als Schwerpunkte der künftigen Arbeit im Landtag angeführt. Das „Jahrhundertprojekt“ einer neuen Stadtbahntrasse nach Ittersbach müsse rasch auf den Weg gebracht werden, „hier ist der Einsatz des Landtagsabgeordneten gefordert“.

 Allein: Sich für die Projekte auf Landesebene einzusetzen, bleibt Viktoria Schmid vorbehalten, deren Wahl zur Abgeordneten angesichts der traditionell starken CDU in der Region bereits als sicher gelten darf. Günter Bächle war bereits nach dem zweiten Wahlgang, als Schmid ihr Ergebnis auf 128 Stimmen ausbaute. Mit 97 Stimmen zog Martin Gegenheimer in die Stichwahl ein, während nur 67 der knapp 300 Parteimitglieder für Günter Bächle votierten, der immerhin als einer der politischen Ziehväter des neuen Ministerpräsidenten gilt.

 Stefan Mappus bezeichnete Viktoria Schmid als eine „tolle Kandidatin für den Enzkreis“. Die drei Bewerber hätten einen guten Wahlkampf gemacht, „der fair und sachlich und ohne Grabenkämpfe war“.

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