Grünes Licht für die schwarzen Sheriffs

Erstellt: 21. Februar 2008, 00:00 Uhr
Grünes Licht für die schwarzen Sheriffs Ein Ärgernis: Vermüllte Fußwege in der Innenstadt als Folge nächtlicher Trinkgelage. Foto: Archiv

Stadt Mühlacker startet im Frühjahr einen Testlauf – Polizei betont: Wir haben die Lage im Griff

Mühlacker – Mit Hilfe eines privaten Sicherheitsdienstes will die Stadt Mühlacker ab April den Müllbergen und den Ruhestörungen in der Innenstadt den Kampf ansagen. Das Unternehmen WAO aus Oberriexingen soll zunächst im Rahmen eines dreimonatigen Testlaufs stichprobenartig an den Brennpunkten kontrollieren.

VON THOMAS EIER
UND THOMAS SADLER

Die Entscheidung für einen Probelauf hatte sich abgezeichnet. Galt doch ein privater Wachdienst schon vor dem Jahreswechsel, als im Gemeinderat über die Sicherheitslage in der Stadt diskutiert wurde, als eine Möglichkeit, gegen die Begleiterscheinungen der promillehaltigen Jugendtreffs zwischen der Drehscheibe und dem Bahnhof einzuschreiten. Im Verwaltungsausschuss waren sich die Fraktionen darin einig, dem Beispiel der Stadt Vaihingen zu folgen, die gute Erfahrungen mit der Firma WAO gemacht hat. Mit Beginn der warmen Jahreszeit sollen die Wachleute –  im Volksmund „Schwarze Sheriffs“ genannt –  Präsenz an den Brennpunkten zeigen. Nach drei Monaten wird die Wirkung bewertet und gegebenenfalls der Auftrag verlängert.
 Weder der zeitliche Aufwand für WAO noch die Kosten sind auf Anhieb starr festgelegt. So könnte die Präsenz bei Bedarf, falls in den lauen Sommernächten die Beschwerden zunehmen sollten, kurzfristig erhöht werden. Nach den Vaihinger Maßstäben, wo WAO für durchschnittlich sechs Stunden pro Woche 7000 Euro jährlich erhält, dürften sich die Kosten für Mühlacker noch deutlich darunter bewegen.

 Aus Sicht der Stadt lohnt sich die Investition in Ruhe und Ordnung. Unter anderem deshalb, weil das Polizeirevier Mühlacker nach Ansicht der Kommunalpolitiker nicht ausreichend mit Personal versorgt ist. Derzeit, so der Stadtrat Rolf Leo, seien gleich elf Stellen nicht besetzt. Deshalb dürften es sich die Landespolitiker Stefan Mappus und Winfried Scheuermann auch nicht zu einfach machen und einer Aufstockung einfach eine Absage erteilen.

 Bruno Oser, der unlängst aus dem Dienst beim Revier Mühlacker ausgeschieden ist, bestätigte die Personalknappheit, die unter anderem durch längere Krankheiten und durch Schwangerschaften von Beamtinnen noch verstärkt werde. Am Abend und in der Nacht stünden für das Gebiet zwischen Sternenfels und Heimsheim nur zwei Streifenwagenbesatzungen zur Verfügung, und vor allem in der warmen Jahreszeit häuften sich die Fälle von Randale, wobei die Beamten häufig beleidigt und teilweise angegriffen und verletzt würden. In einer offiziellen Resolution an das Land hatte daher die Stadt, wie Oberbürgermeister Schütterle erinnerte, gefordert, zumindest die unbesetzten Stellen zu besetzen. „Ein privater Dienst bringt eine Erleichterung, aber keine Lösung“, fasste der pensionierte Polizeibeamte Bruno Oser zusammen.
 „Wenn die Stadt das für notwendig hält, könnte es eine sinnvolle Ergänzung sein“, möchte der Pforzheimer Polizeisprecher Rüdiger Schroth den Einsatz der privaten Sicherheitsleute nicht überbewerten. „Wie unsere Zahlen zeigen, sind wir in Mühlacker mit Sicherheit Herr der Lage.“

 Die Polizei habe bewiesen, dass sie, falls sich Brennpunkte wie an der Drehscheibe oder am Bahnhof andeuteten, in der Lage sei, mit verstärktem Einsatz wirksam gegenzusteuern. „Wir haben dazu unter anderem unsere Fahndungs- und Ermittlungsgruppe Gold einbezogen“, verweist Schroth auf die gemeinsamen Anstrengungen von zivilen Kräften, Streifenbeamten und der Bahn- beziehungsweise Bundespolizei. Dieser Einsatz, lobte OB Schütterle, habe sich am Bahnhof in den vergangenen Wochen bereits bewährt. „Die gefühlte Sicherheitslage hat sich verbessert.“

 Eine Konkurrenz sieht die Polizei in den privaten Sicherheitsdiensten nicht. In aller Regel funktioniere die Zusammenarbeit gut, wenn es zum Beispiel um die Sicherheit bei Veranstaltungen gehe oder um Kontrollgänge an speziellen Brennpunkten wie im Umfeld der Knittlinger Schule (in diesem Zusammenhang siehe auch Bericht auf Seite 9).

 „Wir werden den Versuch in Mühlacker aufmerksam verfolgen“, kündigt Rüdiger Schroth für die Polizei an, macht aber gleichzeitig klar: „Die Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung ist und bleibt primär unsere Aufgabe –  und wir sind willens und in der Lage, sie zu erfüllen.“

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