Großglattbach lebt seine Geschichte

Erstellt: 30. Juli 2007, 00:00 Uhr
Großglattbach lebt seine Geschichte Ehrenamtliche Autoren haben an Chronik mitgearbeitet Bei der Präsentation der Großglattbacher Ortschronik: Oberbürgermeister Arno Schütterle (l.) und Marlis Lippik vom Stadtarchiv mit den ehrenamtlichen Autoren Adolf Reuter, Heinz Sieber, Hans-Peter Vaas, Dieter Blessing, Alfred Schäfer und Hans-Ulrich Osswald (v.r.). Foto: Stahlfeld

Ortschronik vorgestellt – Historische Kelter ist ein Kulturdenkmal – 180000 Euro für die Instandsetzung.

Mühlacker-Großglattbach – Geschichte lebe nicht nur in Jahreszahlen, hat Professor Dr. Konrad Dussel am Sonntagvormittag bei der Präsentation der Großglattbacher Ortschronik festgestellt. Ein Kapitel erzählt vom einst für die Gemeinde wichtigen Weinbau. Beeindruckendes Zeugnis dieser Epoche: die ebenfalls am Wochenende eingeweihte sanierte Kelter, ein Kulturdenkmal im Zentrum des Ortes.

VON ULRIKE STAHLFELD

Das Wochenende stand für die Großglattbacher ganz im Zeichen ihrer eigenen Historie. Zwei Tage lang wurde beim Kelterfest Geschichte gelebt. Das Interesse an der Ortschronik, gedruckt von der Karl Elser Druck GmbH, und der sanierten Kelter war überwältigend. Mehr als 200 Gäste strömten bereits am Samstagabend in das historische Gebäude.

 Mit diesem Ansturm hatten die Organisatoren des Obst- und Gartenbauvereins, des VfB-Fanclubs und des Gesangvereins Liederkranz nicht gerechnet. Nachdem nur 80 Vormeldungen vorgelegen hatten, gingen zum Festauftakt kurzzeitig die Vesper aus. Während Nachschub organisiert wurde, begann die Weinprobe mit edlen Tropfen der Genossenschaftskellerei Roßwag-Mühlhausen.

 Ein Grund zum Anstoßen war die Einweihung der sanierten Kelter. „Schlagfrisches“ Holz aus dem Jahr 1549 beziehungsweise 1550 sei einst beim Bau des Gebäudes verwendet worden, so Gerd Schäfer. Der auch für die Sanierung der Burgruine Löffelstelz verantwortliche Bauhistoriker: „Auf der Mühlacker Stadtmarkung gibt es keine ältere Kelter.“ Die Bauherren von damals hatten eine Fachwerkwand in ein ehemaliges Bachtal gestellt, die gegenüberliegende Wand aber massiv hochgezogen. Als Folge neigte sich das Gebäude, die Fachwerkverbindungen drohten sich aufzulösen. Ein Problem, das bereits vor 250 Jahren erkannt worden war. Damals, so Bauhistoriker Schäfer, seien die Hauptbindeachsen durchtrennt worden. Ankerbalken halten seitdem das Gebäude zusammen. Die sind nun Bestandteil des Denkmals, das im Rahmen der aktuellen Arbeiten ein neues Fundament bekam und zum Teil um 15 Zentimeter angehoben wurde. Man habe sich, so der Bauleiter, auf die reine Instandsetzung beschränkt, um die Wirkung des Gebäudes zu erhalten. Da die Gefache erhalten bleiben konnten, sei man unter den Haushaltsansätzen geblieben. „Mir werda alt und grau in dem Haus“, so Schäfer, der prompt eine Garantie für die nächsten 500 Jahre gab.

 180000 Euro kostete die Maßnahme, so gestern Oberbürgermeister Arno Schütterle. 40000 Euro kommen von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Die restliche Summe bringen die Stadt (40 Prozent) und das Landesdenkmalamt (60 Prozent) auf. Weitere 50000 Euro sollen, so Gottfried Kautter vom Amt für Grundstücks- und Gebäudemanagement, in den kommenden Monaten für die Umsetzung des Raumkonzepts ausgegeben werden. Das sehe die Verlegung des Bauhofes innerhalb des Gebäudes und den Ausbau eines Raumes für historische Feuerwehrgeräte vor. Auch die Toilettenfrage gelte es noch zu klären. Die Kelter sei ein Zeugnis jahrhundertealter Weinbautradition im Ort, bemerkte Schütterle vor rund 250 Gästen. Viel vom Wirken der Menschen erzähle auch die Ortschronik, in dem auf die 1225-jährige Geschichte des Ortes zurückgeblickt wird.

 Neben Marlis Lippik vom Mühlacker Stadtarchiv als treibender Kraft, ihrer Mitarbeiterin Marlies Schäfer-Gollnow sowie den hauptamtlichen Autoren Professor Dr. Konrad Dussel und Diplom-Archivar Andreas Butz hatten im Arbeitskreis Dieter Blessing, Herbert Böhringer, Erich Haug, Hans-Ulrich Osswald, Adolf Reutter, Alfred Schäfer, Heinz Sieber, Rolf Sieber und Hans-Peter Vaas seit 2004 an der Aufarbeitung mitgewirkt.

 Es zeichne Großglattbach aus, dass hier viel mit Ehrenamtlichen geschaffen werde, lobte der Oberbürgermeister, ehe Konrad Dussel den Festvortrag hielt. „Großglattbach ist kein Dorf wie jedes andere“, betonte der Historiker und animierte seine Zuhörer dazu, stets das Besondere im Allgemeinen zu sehen.

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