Gräfin von Paris besucht den Mühlehof

Erstellt: 30. Oktober 2006, 00:00 Uhr
Gräfin von Paris besucht den Mühlehof Rot-grüne Koalition: Rund 100 Sorten zeigen die Vielfalt bei Äpfeln. Fotos: Hansen

Obsttag des OGV-Kreisverbands in Mühlacker – Apfelsorten mit illustren Namen machen Besuchern Appetit

Mühlacker – Die Gräfin von Paris, Alexander Lukas oder die Gelbe Schafsnase – beim vierten Obsttag präsentierte der Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine Enzkreis/Pforzheim zum ersten Mal in Mühlacker eine illustre Apfelgesellschaft.

VON ISABEL HANSEN

Den Apfeladel duften Besucher im Mühlehof nur ansehen, andere Sorten konnten sie nach Herzenslust probieren. Informationen rund um Anbau und Genuss gab es bei Fachberatern und, als Novum, auch bei Fachvorträgen. Rot glänzend oder knackig grün – genau 95 unterschiedliche Apfelsorten hatte der Kreisverband an einer langen
Tafel appetitlich dekoriert. Am Ende des Tages dürften es einige Sorten weniger gewesen sein. Immer wieder stibitzten nämlich Besucher saftige Ausstellungsstücke – neugierig auf den Geschmack der Äpfel mit den klingenden Namen, die Kunden im Supermarkt vergebens suchen.

 Hunger dürfte allerdings nicht die treibende Kraft gewesen sein. Nur ein paar Schritte weiter konnten Besucher sich durch Apfelhäppchen probieren, um anschließend aus vier Konkurrenten den Apfel des Tages zu wählen. „Die Rubinette schmeckt am besten“, urteilten der achtjährige Dennis Novy aus Mühlacker und Vater Klaus und lagen im Trend. „Es wird die Rubinette“, machte Claus Sarnecki, Schatzmeister des Kreisverbandes, schon am Vormittag eine Tendenz aus.

 Das Schmankerl hat sich das Vater-Sohn-Gespann allerdings erst nach getaner Arbeit gegönnt. „Wir hatten die erste Schicht am Verkaufsstand der Grundschule Heidenwäldle. Es war allerdings recht ruhig“, bedauerten sie, dass der Absatz am Morgen bei wenigen Besuchern schleppend lief und erst am Nachmittag mit steigenden Besucherzahlen in Schwung kam. Rund 250 Liter hatten die Schüler zuvor in einer gemeinsamen Aktion mit dem OGV Mühlacker in der Schule selber gepresst.

 Auf gesunde Obst-Eigenproduktion setzt auch Jürgen Weiß aus Lienzingen. Er suchte in der Baumallee der Baumschule Hoffmann nach passenden Obstbäumen für sein Stückle. Dabei freute er sich nicht nur über die gesponserten Preise für die Hochstämme, die man nebenan bei der Stadt Mühlacker bestellen konnte, sondern auch über die Beratung. „Ich bin noch Laie. So wusste ich beispielsweise nicht, dass die Bäume auch schon im ersten Jahr geschnitten werden sollen. Das sei wie mit Kindern, meint der Berater, auch die solle man früh erziehen.

 Fachlich ans Eingemachte geht es bei Siegfried Schweitzer aus Sternenfels. Er brachte mehrere Äpfel zur Sortenbestimmung mit. „Die Bäume hat der Großvater schon gesetzt. Die dürften 100 Jahre alt sein“, erklärte Schweitzer. Nur eine Sorte lässt sich am Sonntag problemlos identifizieren: „Das hier ist ein Danziger Kant“, zeigt Schweitzer auf ein Exemplar.

 Um welche Sorten es sich bei den anderen Anschauungsobjekten handelt, können auch die Fachberater vom Kreisverband nur vermuten. „Eine verbreitete Sorte wie Jonagold erkenne ich schnell. Schwierig wird es bei alten, ungewöhnlichen Sorten“, gab Fachwart Bernd Gegenheimer vom Kreisverband zu. Nicht nur die Tatsache, dass schon auf einem einzigen Baum mehrere Sorten wachsen können, kompliziert die Sache. Zudem kann sich dieselbe Sorte auf einem Grundstück auch noch unterschiedlich entwickeln. „Das schlägt sich dann hauptsächlich in Farbnuancen nieder“, so Gegenheimer. Ob fassförmig, hoch oder flach gebaut – Form, Farbe und Größe sind für die Fachwarte nur Anhaltspunkte. „Wir schauen besonders auf die Stiel- und Kelchgrube. Die sind das Passbild des Apfels“, veranschaulichte Gegenheimer das Prinzip. „Für eine ganz genaue Bestimmung müssen Sie auch Bäume, Triebe, Blätter, Gehäuse und Kerne anschauen. Es gibt zum Vergleich sogar Kernsammlungen“, erklärte Gegenheimer, dass die Welt der Äpfel eine Wissenschaft für sich ist.

 Rätselraten auch bei der Frage, warum die meisten Besucher erst am Nachmittag in den Mühlehof fanden. „Keine Ahnung, vielleicht hat es mit der Zeitumstellung nicht geklappt. Im Ganzen sind wir mit der Resonanz aber zufrieden“, zog Kreisvorsitzender Metzger ein erstes Fazit zur Premiere in Mühlacker. Er schätzte die Besucherzahl auf 2000 bis 3000.

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