Glücksbringer gibt den Besen ab

Erstellt: 28. November 2009, 00:00 Uhr
Glücksbringer gibt den Besen ab Nach fast 30 Jahren als Bezirksschornsteinfeger-Meister hängt Ende des Monats Ludwig Knapp (62) aus Dürrmenz für immer den Kehrbesen an den Nagel. Foto: Franz

Bezirksschornsteinfeger Ludwig Knapp geht in den Ruhestand – 30 Jahre für Sicherheit gesorgt

Von Gerhard Franz

Mühlacker. Er kennt hunderte von Heizräumen und Kamine in seinem Kehrbezirk. Nach fast 30-jähriger Tätigkeit legt Schornsteinfegermeister Ludwig Knapp aus Dürrmenz Ende des Monats für immer den Kehrbesen an den Nagel. Dem „Urgestein der schwarzen Zunft“ in Mühlacker wird in seinem Ruhestand der Kontakt mit den vielen Menschen fehlen.

 „Ich habe meinen Beruf immer geliebt“, sagt der 62-jährige Wahl-Dürrmenzer. Am 1. April 1980 übernahm er als junger Schonsteinfegermeister den Kehrbezirk Enzkreis 4. Dieser umfasst Bereiche in der Mühlacker Kernstadt, Mühlhausen, Erlenbach, Schönenberg und Teile von Ötisheim.

 Wenn er die heutige Zeit mit seiner Lehrzeit vergleiche, so habe sich enorm viel verändert. 1961, als er seine Ausbildung in Mosbach begann, seien meistens Kohle- oder Holzöfen die Standardheizung gewesen. Knapp: „Gasheizungen gab es damals in Mosbach noch nicht, weil kein Erdgasnetz vorhanden war.“

 Nach dem Ablegen der Meisterprüfung 1967 in Karlsruhe war für Ludwig Knapp klar, dass er sich um einen eigenen Kehrbezirk in Baden-Württemberg bewerben werde. Schließlich führte ihn der berufliche Weg nach Mühlacker. Knapp: „Ich habe in meinem Berufsleben die gesamte Entwicklung der Heiz- und Energietechnik kennen gelernt.“ Im Laufe der Jahre seien die Vorgaben in Bezug auf Verbrauch und Abgaswerten deutlich verschärft worden. So blieb es nicht aus, erzählt der Schornsteinfeger-Meister, „dass ich gelegentlich der böse Mann war“. Im Großen und Ganzen seien die Kunden, wenn die alte Heizung nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen entsprach und er sie stilllegen musste, recht einsichtig gewesen, erinnert sich der 62-Jährige. „Ich habe immer versucht, die Leute zu überzeugen.“ Auch wenn manche Haus- und Wohnungsbesitzer nicht gut auf den Schornsteinfeger zu sprechen seien, so verrichte seine Zunft eine wichtige Aufgabe beim Feuer- und Brandschutz. In diesem Zusammenhang sei die Feuerstättenschau, die bisher alle fünf Jahre durchgeführt werde, besonders wichtig. Kontrolliert werde dabei unter anderem, ob Kaminrohre nicht durchgerostet sind und die Ausmauerung von Öfen den Sicherheitsanforderungen entspricht. Durch solche Kontrollen soll das Entstehen vom geruchlosen und tödlichen Kohlenmonoxid verhindert werden.

 Nichts hält Ludwig Knapp von den EU-Plänen, dass zugelassene Schornsteinfeger überall in der EU tätig sein können. Überhaupt seien die Männer in Schwarz oft die Buhmänner der Nation, wenn es um die Kosten geht. Ludwig Knapp: „Für ganz Baden-Württemberg setzt das Wirtschaftsministerium unsere Gebühren fest, an die wir uns zu halten haben.“

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