Glückliche Gesichter überall

Erstellt: 24. Juni 2006, 00:00 Uhr
Glückliche Gesichter überall Das Sticker-Heftchen wird voller und die Augen der Kleinen immer größer.

Panini-Tauschbörse im MT-Verlagsgebäude der große Renner – Fahrzeughalle platzt aus allen Nähten:

Panini? Das ist weder eine italienische Nudelmarke noch ein Opernsänger aus Bella Italia. Jedes Kind weiß es: So heißen die Klebebildchen, die derzeit in aller Munde und vor allem auf den Pausenhöfen der Republik derzeit nicht wegzudenken sind. Dass diese Sticker momentan der absolute Renner sind, weiß auch jeder. So war es eigentlich auch nicht verwunderlich, dass die Tauschbörse des Mühlacker Tagblatt am Mittwochabend zu einem riesigen Erfolg wurde.

Die Fahrzeughalle im Verlagsgebäude wurde kurzerhand in einen Basar umgewandelt. Schilder wiesen den Weg. Rund 200 Mädchen und Jungen mit ihren Eltern, aber auch etwas ältere Panini-Freaks kamen in Scharen in den Kißlingweg. Knapp zwei Stunden wurde dann fleißig getauscht, gefeilscht und geklebt. Kahn bekam es dabei mit Ronaldo zu tun, Ballack tauschte mit Neuville, aber auch Argentinier waren am Start. Eine schweißtreibende Angelegenheit.

Die ersten Kids kamen schon gut eine Stunde vor dem offiziellen Startschuss. Sie konnten es kaum noch erwarten. Das Album unter dem Arm geklemmt und die Panini-Sticker in einer Tupper-Box verstaut, kamen sie voller Vorfreude die Treppen hinunter gestiefelt; Mama oder Papa im Schlepptau. „Ich suche Ronaldinho“, prangte bei einem Sprössling auf der schwarz-rot-goldenen Fanmütze. Hinter ihm ein kleiner Junge im Franzosen-Look, dahinter ein kleiner Kerl mit dem Barcelona-Trikot. Einige Jungs kamen sogar direkt vom Fußballtraining. Schienbeinschoner und Fußballschuhe inklusive.

Der erste, der einen riesigen Jubelschrei losließ, war Sascha. „Ich bin fertig, das Album ist voll“, grinste der Zehnjährige bis über beide Ohren. Auch der Mama gefiel es: „Endlich hat das ein Ende“, lachte sie und bedankte sich für „super Idee.“ Ihr Schützling, Gladbach-Fan und Neuville-Bewunderer, konnte es kaum fassen. Das schon etwas abgegriffene Heftchen ist voll. „Bei uns fehlen noch zwei“, machte derweil eine andere Mutter klar. „Die Nummer 38 und die Nummer 417.“ Gar nicht so einfach, diese beiden Kicker noch zu finden, jedoch waren die Chancen wohl so groß wie noch nie, schließlich waren eine ganze Menge Tauschpartner da, die voller Elan und Ehrgeiz bei der Sache waren.

Wenn mein Kleiner nicht bald die letzten 20 zusammen hat, dann bekomme ich einen Nervenzusammenbruch“, grinste eine Mama, die sich auf einem kleinen Transportwagen der Firma niedergelassen hatte. „Ich hoffe, es wird voll, da ging schon genügend Geburtstags- und Taschengeld drauf“, so die Dunkelhaarige. Ihr Schützling lag kürzlich im Krankenhaus – Mandel-OP. „Der durfte ja fast nichts essen, also haben ihm alle Panini-Bildchen mitgebracht.“ Glück im Unglück nennt man das dann wohl.

Eine andere Mutter nahm erst einmal ihre Sonnenbrille ab und rieb sich verwundert die Augen. „Was ist denn hier los?“, schüttelte sie etwas ungläubig den Kopf. Es war die Hölle los, ein riesiges Gewusel. „Hoffentlich finde ich meine Kinder wieder?“ Während manche Mamas, man kannte sich ja, über den Job oder auch den Englischtest der Tochter philosophierten, ging es an den Tischen mächtig ab.

 Viele hatten ihre fehlenden Nummern fein säuberlich notiert. Sie hatten sich perfekt vorbereitet und waren dadurch natürlich im Vorteil, dauerte die Suche doch dann nur noch halb so lang. Unterbrochen wurde die schweißtreibende Suche nur von einer kurzen Trinkpause. Wasser, Apfelschorle und Cola standen parat, um den Energiehaushalt der Sammler wieder auf Vordermann zu bringen.

Auch Calvin strahlt: „Ich habe noch 18 gebraucht, jetzt hab ich alle.“ Sichtlich erleichtert auch die Mama des Neunjährigen. „Ich hoffe, dass die kommenden Weltmeisterschaften, die ja nicht in Deutschland stattfinden, nicht mehr so interessant sind“, klang sie doch etwas erschöpft. Ihr Bub hatte da mehr Kondition, schließlich spielt er in der E-Jugend von Phönix „alles, außer Torwart“. Nicht nur er marschierte mit breiter Brust von dannen, die Mama hinterher.

Zahlenspiele bei der blonden Tanja aus Illingen. „13 haben mir noch gefehlt, und ich werde bald elf“, so fasste das fußballbegeisterte Mädchen die wichtigsten Punkte kurz und bündig zusammen. „Wir kicken immer in der großen Pause“, erzählt sie mit einem breiten Grinsen. „Ich bin mit meiner Freundin Jasmin da“, ließ der weibliche Michael Ballack-Fan noch kurz wissen, bevor sie ihre Freundin wieder unterstützte. Auch sie war am Ende geschafft, aber so richtig glücklich. Wie alle anderen Panini-Cracks an diesem Abend auch sie haben ihren Stapel halbieren können. Und viele trugen sogar mächtig stolz das nun volle Album nach Hause.

Mirko Bähr

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