Gleitschirmflieger sterben in Lawine

Erstellt: 30. Dezember 2011, 00:30 Uhr
Gleitschirmflieger sterben in Lawine Verzweifelt suchen die Rettungskräfte nach den beiden verschütteten Deutschen in der Lawine. Sie können nur noch tot geborgen werden. Foto: Zoom-Tirol

Reutte/Enzkreis. Wie die Polizeidirektion in Reutte (Tirol) meldet, planten der 50-jährige Gleitschirmflieger aus Niefern-Öschelbronn und seine 44-jährige Bekannte aus Neuenbürg bei Prachtwetter einen Tandemflug im Bereich der Jöchlspitze im Lechtal. Auch die 13-jährige Tochter der Frau und der 19-jährige Sohn des Tandempiloten waren bei dem Ausflug mit von der Partie. Zu ihrer Begleitung zählten laut Tiroler Tageszeitung auch mehrere Mitglieder einer Paragleitschule aus Bach, die den sonnigen, warmen Tag im Gebirge auskosten wollten.

Da die Windverhältnisse gegen 14.30 Uhr am ursprünglichen Startplatz allerdings nicht optimal waren, wechselte die Gruppe in den südlichen Bereich der Bergstation Jöchlspitze, um dort auf rund 1800 Metern Höhe in der Nähe eines Lawinenschutzdamms zum Tandemflug zu starten. Eine verhängnisvolle Entscheidung, denn plötzlich löste sich 100 Meter oberhalb der Personengruppe eine Nassschneelawine vom Südhang, der den ganzen Tag von der Sonne beschienen wurde, und rutschte auf einer Breite von 200 Metern in die Tiefe.

Während sich die Kinder der Lawinenopfer und drei weitere Personen gerade noch in Sicherheit bringen konnten, mussten sie mit ansehen, wie der 50-jährige Mann und die 44-jährige Frau von der Lawine begraben wurden. Sie wurden von den Schneemassen im Staubereich des Lawinendamms in einer Tiefe von 3,50 Meter verschüttet.

Sofort lief eine Rettungsaktion an, an der sich rund 90 Mann der Bergwacht, fünf Lawinenhundeführer, 20 freiwillige Helfer, zwei Alpinpolizisten und drei Hubschrauber beteiligten. Die Lawinenopfer wurden gegen 15.20 Uhr und gegen 16 Uhr mit einer Sonde geortet und geborgen. Die Notärzte konnten nur noch ihren Tod feststellen. Ein Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes kümmerte sich um die Kinder der beiden Opfer.

Das schwere Lawinenunglück im Lechtal war nicht das einzige Unglück in Tirol in den letzten Tagen. Am Mittwochvormittag wurde ein junger Deutscher am Pitztaler Gletscher von einer Lawine erfasst, als sich ein 40 Meter breites Schneebrett gelöst hatte und ihn 300 Meter über steiles und felsiges Gelände mitriss. Es gelang ihm jedoch zum Glück, seinen Airbag-Rucksack auszulösen, so dass er nur oberflächlich verschüttet wurde und mit starken Prellungen davonkam.

Bereits am Dienstag wurden in Serfaus und Gschnitz vier Menschen bei Lawinenabgängen verschüttet. Mit tödlichem Leichtsinn haben die jüngsten Unglücksfälle allerdings wenig zu tun, denn generell war die Lawinensituation in Tirol in den vergangenen Tagen günstig. Wie es dennoch zu Abgängen kam, erklärt Patrick Nairz vom Lawinenwarndienst der Tiroler Tageszeitung: „Im Lechtal hatten wir es mit einer Gleitschneelawine zu tun. Die ist nicht vorhersehbar.“ Bei einer solchen Lawine würde der Schnee im steilen Gelände plötzlich vom Gras abrutschen. Da er auch noch sehr schwer ist, seien die Überlebenschancen von Verschütteten gering. „Die beiden deutschen Lawinenopfer sind zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen“, stellt Nairz nüchtern fest.

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