Glasfaser ist auf dem Vormarsch

Erstellt: 30. April 2009, 00:00 Uhr
Glasfaser ist auf dem Vormarsch Ein schnelles Internet wünschen sich alle Gemeinden im Enzkreis. Auf dem Weg dorthin haben viele Kreiskommunen ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht, wie der gestrige „DSL-Gipfel“ im Sparkassenturm gezeigt hat. Langfristig, so die Meinung eines der Experten bei der Veranstaltung, führe kein Weg an Glasfaserkabeln vorbei. Foto: Ochs

Kreisgemeinden und Anbieter diskutieren beim „DSL-Gipfel“ die Wege zu schnellerem Internet – Kritik an Regelungen.

Welche Wege führen am schnellsten auf die Datenautobahn? Die möglichen Antworten diskutierten die Teilnehmer beim regionalen „DSL-Gipfel“, zu dem Enzkreis-Landrat Karl Röckinger und Bundestagsabgeordneter Gunther Krichbaum geladen hatten.

Von Torsten Ochs

Enzkreis. Gekommen waren nicht nur Vertreter von 22 Enzkreis-Gemeinden, die ihre Erfahrungen auf dem Weg zum schnelleren Internet schilderten, sondern auch die Anbieter, die ihre technischen Möglichkeiten und Angebote für eine bessere Breitbandversorgung in der Region vorstellten.

 „Lange gab es in Sternenfels nur ISDN. Aus wirtschaftlichen Gründen sind wir bei schnellen DSL-Verbindungen nicht zum Zug gekommen“, sagte Bürgermeisterin Sigrid Hornauer. Geändert habe sich das, als die Gemeinde 2006 Partnerin der Sparkasse in einem Modellprojekt geworden sei. Heute liegen im Sternenfelser Gewerbegebiet Glasfaserkabel für ein schnelles Internet, und auch privaten Haushalten stehen recht zügige Verbindungen zur Verfügung.

 Genau das wollen auch die anderen Gemeinden im Enzkreis, in denen es bei den DSL-Leitungen noch weiße Flecken gibt. Ein schnelles Internet sei für Gemeinden ein Standortfaktor, weil sich Unternehmen dort ansiedeln, wo sie eine schnelle Verbindung haben, machte Krichbaum deutlich.

 Die Sparkasse, die ihr Glasfasernetz zwischen Nagold und Pforzheim, Karlsbad und Illingen in den vergangenen Jahren stark ausgebaut hat, sehe die von ihr vorangetriebene Verkabelung als praktische Wirtschaftsförderung, sagte Sparkassen-Direktor Hans Neuweiler. Die Breitbandversorgung sei deutschlandweit enorm angewachsen. Allein zwischen Juni 2007 und Juli 2008 seien 4,2 Millionen neue Breitbandanschlüsse mit einer Verbindungsrate von mindestens einem Megabit pro Sekunde gelegt worden, sagte Regierungsdirektor Jörg Hachmeyer vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Bis nächstes Jahr solle es die schnelle Verbindung flächendeckend geben und bis 2014 das Internet bis zu 50 Megabit pro Sekunde beschleunigt werden.

 „Wie sind die Kindergärten? Habt Ihr DSL? Und wenn ja: Wie schnell ist es?“ Dies seien Fragen, die Neubürger stellten, wenn sie in eine Gemeinde ziehen wollten, sagte Volker Heieck, der bei der Telekom für den DSL-Ausbau zuständig ist. Das Internet per Funk zu beschleunigen, hält Heieck für eine kurzfristige Lösung. „Glasfaser sind die Zukunft“, sagte er. Gerd Reckling von der Firma Skytron sieht im Funk naturgemäß Vorteile; hier seien zum Beispiel die Investitionskosten niedriger, weil keine Kabel verlegt werden müssten.

 Die Übertragungsraten im Enzkreis hätten sich in den vergangenen Jahren verbessert, sagte Frank Stephan, Kreis-Dezernent für Finanzen und technische Infrastruktur. Probleme habe es allerdings mit Ausschreibungen gegeben. Davon könnten manche Kreis-Gemeinden ein Lied singen. Neuhausen beispielsweise habe nach der Ausschreibung ein „tolles Angebot“ von der Telekom gehabt, habe es aber nicht nutzen können, weil ein günstigerer Anbieter mit einer Beschwerde gedroht habe, falls Neuhausen das Angebot der Telekom annähme, berichtete Bürgermeister Oliver Korz. „Wir wissen nicht, wie wir weiterkommen. Wir verstehen die Regelungen nicht“, klagte der Tiefenbronner Bürgermeister Friedrich Sämann, der den Bundespolitiker Gunther Krichbaum aufforderte, praktikable Lösungen zu finden.

 „Die Ausschreibungsmodalitäten sind zu starr“, räumte der Abgeordnete ein. An die Rahmenbedingungen müssten die Gemeinden sich jedoch halten, weil sie mit öffentlichen Mitteln in den Wettbewerb eingreifen und kein Anbieter benachteiligt werden dürfe, erklärte Thilo Kübler von der Breitbandversorgung GmbH.

 Jens Mühleisen von der Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald appellierte an die Gemeinden, bei Straßenbaumaßnahmen vorausschauend auch gleich leere Rohre zu verlegen. Damit könne viel Geld gespart werden, wenn später Glasfaserkabel verlegt werden.

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