Giftattacken auf Greifvögel

Erstellt: 31. Mai 2007, 00:00 Uhr
Giftattacken auf Greifvögel Überreste eines Qualvoll verendeten Milans – gefunden in Ölbronn-Dürrn. Foto: p

Naturschutzwart findet in Ölbronn-Dürrn verendete Milane – Jungtiere verhungern

Ölbronn-Dürrn (pm / fg) – Zwei Milan-Greifvögel sind in Ölbronn-Dürrn offensichtlich der Attacke eines Giftmörders erlegen, ihre Jungvögel sind deshalb jämmerlich verhungert. Gerd Döppenschmitt, Greifvogelexperte beim Naturschutzbund und ehrenamtlicher Naturschutzwart in Ölbronn-Dürrn, befürchtet, dass der jüngste Vorfall die Spitze eines Eisbergs markiert.

Döppenschmitt: „Die Jungvögel waren gerade erst vor zwei Wochen aus den Eiern geschlüpft. Jetzt sind sie verhungert, weil ihre Eltern sie nicht mehr füttern konnten. Ganz in der Nähe ihrer beiden Horste, die nur 100 Meter auseinander liegen, fand ich die Kadaver der vermissten Elterntiere. Es handelt sich dabei um einen männlichen Schwarzmilan und um einen weiblichen Rotmilan.“

 Da keine Schusswunde oder andere äußere Verletzung an den Kadavern festzustellen ist, besteht der dringende Verdacht, dass die Vögel vergiftet wurden. Döppenschmitt hat daher veranlasst, dass die toten Vögel von einem Speziallabor gerichtsmedizinisch untersucht werden, um die genaue Todesursache festzustellen. „Bereits 2004 und 2005 wurden im Enzkreis mehrfach tote Greifvögel aufgefunden, darunter auch einige Milane, bei denen durch Laboruntersuchungen zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte, dass sie Giftanschlägen zum Opfer gefallen sind“,

berichtet der Greifvogelexperte. Normalerweise ist es eher dem Zufall zu verdanken, wenn in Wald und Feld tote Vögel aufgefunden werden, da die meisten Horste von Bussard, Falke, Habicht und Co. nicht so intensiv beobachtet werden wie die der sehr seltenen Milane. „Daher handelt es sich bei den beiden toten Milanen sicher nur um die Spitze des Eisberges, und die Dunkelziffer von getöteten Greifvögeln ist sehr wahrscheinlich weit höher“, befürchtet Döppenschmitt und weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei derartigen Giftanschlägen nicht um ein Kavaliersdelikt handelt, sondern um eine Straftat, die mit empfindlichen Geld- oder Gefängnisstrafen geahndet werden kann.

 Aus welchen Kreisen die Giftmörder stammen und welche Motive sie antreiben – dazu kann Döppenschmitt nur Mutmaßungen anstellen und will auch keinen Generalverdacht aussprechen, weiß aber: „Tauben- und Kleintierzüchter sind nicht unbedingt Freunde des Milan, weil es vorkommen kann, dass er ihre Tiere erbeutet.“ Auch einige Jäger hätten Vorbehalte gegen den Greifvogel.

 Doppenschmitt warnt eindringlich: „Die skrupellosen Verbrecher, die diese Giftköder auslegen, nehmen dadurch auch die Gefährdung von Kindern und von Haustieren wie Hunden und Katzen in Kauf, die sich ebenfalls an den Ködern vergiften können. Die Bevölkerung wird daher dringend um Mithilfe gebeten, entsprechende Verdachtsfälle zu melden !“ Wenn verendete Greifvögel und andere Tiere sowie ausgelegte Giftköder aufgefunden werden, sollten sie möglichst unverändert an Ort und Stelle belassen und der Fund umgehend gemeldet werden, damit er untersucht und sichergestellt werden kann. Sachdienliche Hinweise nehmen jede Polizeidienststelle und jedes Forstamt, das Umweltamt im Landratsamt sowie die ehrenamtlichen Naturschutzwarte des NABU Naturschutzbundes entgegen (Kontakt: Gerold Vitzthum von der NABU-Gruppe Pforzheim-Enzkreis unter Telefon 07231 / 4550045 oder E-Mail: info@nabu-pf.de ).

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