Gesundheit zwingt zur Geschäftsübergabe

Erstellt: 31. August 2006, 00:00 Uhr
Gesundheit zwingt zur Geschäftsübergabe Wechsel: Olaf Jakobsen (r.) und Hans-Dieter Slobodkin vor der Bäckerei in der Kieselbronner Straße 41. Foto: Becker

„Dürrmenz-Bäcker“ pachtet Bäckerei Jakobsen.

Mühlacker-Enzberg – „Unsere Bäckerei ist aus gesundheitlichen Gründen geschlossen“, erfuhr in den letzten Tagen, wer bei der Enzberger Bäckerei Jakobsen anrief. Vom ewigen Frühaufstehen gesundheitlich angeschlagen, übergibt Inhaber Olaf Jakobsen sein Geschäft an „Dürrmenz-Bäcker“ Hans-Dieter Slobodkin. Dieser versorgt mit seinem Team von morgen früh an die Enzberger mit frischen Backwaren.

VON CAROLIN BECKER

„Der Tag-Nacht-Rhythmus, den der Beruf des Bäckers mit sich bringt, war für mich in dieser Form nicht mehr zu bewerkstelligen“, begründet Bäckermeister Olaf Jakobsen den Schritt. Seit über neun Jahrzehnten besteht der Familienbetrieb, den der 41-jährige verheiratete Vater von vier Kindern in vierter Generation geführt hat – bis er sich wegen seiner gesundheitlichen Probleme dazu entschlossen hat, den Laden zu verpachten. Er habe Kollegen angerufen, bei denen er sich vorstellen konnte, dass sie die Bäckerei erfolgreich weiterführen werden. Die eigentliche Übernahme sei recht schnell über die Bühne gegangen. Bereits morgen früh steht erstmals das Team von „Dürrmenz-Bäcker“ Hans-Dieter Slobodkin hinter der Ladentheke.

„Jeder reagiert unterschiedlich“

„Ich musste mich für diesen Schritt entschieden, weil ich gesundheitlich an meine Grenzen gelangt bin. Beispielsweise kann ich seit längerem tagsüber nicht mehr schlafen. So hat sich mit der Zeit ein chronischer Schlafmangel eingestellt. Dazu kam der Stress, dem man als Selbstständiger ausgesetzt ist“, sagt Jakobsen. Um eine Berufskrankheit im eigentlichen Sinn handele es sich nicht, jeder Bäcker reagiere unterschiedlich auf den für die meisten Menschen ungewohnten Arbeitsrhythmus.

 Seinen Tagesablauf schildert der Dürrmenzer Bäckermeister Hans-Dieter Slobodkin folgendermaßen: Aufstehen um 2.45 Uhr, wenn die meisten Menschen sich noch einmal wohlig im Bett umdrehen, fest eingespannt sein in die Produktion bis gegen 13 Uhr, dann essen, Mittagsschlaf, gegen Abend Zeit für die Familie und für Freizeitaktivitäten, ab ins Bett zwischen 22 uns 23 Uhr. „Ich habe damit kein Problem“, versichert der 41-Jährige, „außerdem kann ich mich auf eine tolle Mannschaft verlassen.“ Eine andere Arbeit könne er sich nicht vorstellen. Eine weitere Aufgabe wird auf das Team, das augenblicklich 17 Mitarbeiter zählt, ab morgen hinzukommen: „Wir werden vier- bis fünfmal am Tag zwischen Mühlacker und Enzberg hin- und herfahren“, plant Slobodkin, ständig für frische Ware zu sorgen. Gebacken werde in der Enzberger Backstube nicht mehr, die Produktion finde in Slobodkins eigenen, erst im vergangenen Jahr erweiterten Räumen statt.

 Erstmals morgen früh von 5.45 Uhr an, dann immer montags bis freitags von 5.45 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 18 Uhr, samstags von 5.45 bis 12 Uhr, sind die Ergebnisse in der Kieselbronner Straße in Enzberg zu bekommen. „Dürrmenz-Bäcker“ ist jetzt schon über dem Eingang zu lesen sein. Der Wechsel werde kein Problem für die Kunden darstellen, ist sich der neue Pächter von Laden und Nebenraum sicher. „Unsere Philosophie ist ähnlich“, hat Hans-Dieter Slobodkin schließlich den Gesprächen mit dem Enzberger Kollegen entnommen. Ganz wichtig: „Alles, was wir verkaufen, machen wir selber“, sagt Slobodkin. Einige Besonderheiten des Angebots der Bäckerei Jakobsen wolle er beibehalten, ansonsten aber die Enzberger mit seinem eigenen „sehr großen Sortiment begeistern“. Der Weg hin zur ersten Filiale sei „kein kleiner, aber ein wohl überlegter Schritt“, betont Slobodkin. Er habe nach Rücksprache mit seinem Team und dem Verband die Chance ergriffen, die sich ihm recht kurzfristig geboten hatte. Eine der drei Verkäuferinnen der Bäckerei Jakobsen habe er übernommen, die anderen hätten sich anderweitig umgesehen. Eine Kraft wolle er zudem neu einstellen.

 „Es war mir wichtig, dass das Geschäft nicht lange leer steht“, weiß Olaf Jakobsen um die Gefahr, dass sich die Kunden sonst neu orientieren könnten. Eine Neuorientierung stehe ihm selbst in beruflicher Hinsicht eventuell bevor – nach einer Kur, die er bereits beantragt habe.

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