Geschichtenerzähler nach Noten

Erstellt: 20. Dezember 2011, 00:30 Uhr
Geschichtenerzähler nach Noten Thomas und Rotraud Knodel.

Illingen. „Traue dem Leben“ ist der Titel des fünften Albums, das die Liedermacher Thomas und Rotraud Knodel jetzt präsentieren können. Die Knodel-Fans werden „umhören“ müssen. Waren es bisher „Feinsinnige Lieder zur Gitarre“, die erklangen, so lautet der Untertitel des neuesten Werks „Feinsinnige Lieder vom kleinen und vom großen Glück“. Nicht dass Knodel seine Gitarre an den Nagel gehängt hat und nur noch singt. Nein, im Gegenteil, instrumental hat er sich mutig, fast experimentell, auf eine breitere Basis gestellt. „Ich hatte Lust auf Neues, ich wollte es mal etwas bunter“, erklärt er die neue musikalische Richtung seiner Lieder, für die er sich Musiker aus der Region mit an Bord holte. Produziert wurde das Album in einem Illinger Tonstudio. Gitarren, Bass, Akkordeon, Programming lag in den Händen von Marcus Zierle.

Ist nun zu befürchten, dass die feinsinnigen Lieder bei so viel geballter Kraft auf der Strecke bleiben? Ja und nein. „Meine Lieder sind zunächst Gedichte, dann kommt die Melodie hinzu und macht sie zum Lied, das gesungen werden will. Doch die Lieder leben von den Texten, die instrumental untermalt werden.“ So werden auch die neu hinzugekommenen Instrumente überwiegend sehr sparsam und differenziert eingesetzt, so dass von Lied zu Lied eine andere Klangfärbung zu hören ist. Knodel ist ein singender Geschichtenerzähler, der kleinen alltäglichen Beobachtungen einen tieferen Sinn gibt, die Schönheit und Bedeutung im Kleinen sucht – und findet. „Habt ihr, liebe Zeitgenossen, heut’ schon eure Zeit genossen?“, beginnt das erste Lied. Zunächst hört es sich nach netter Wortspielerei an, doch als Zeile für Zeile aufgereiht wird, was so alles am Hektiker von heute aus scheinbarem Zeitmangel vorbeigeht, nicht mal wahrgenommen und schon gar nicht genossen wird, sollte der Zuhörer nachdenklich werden. Das wurde er jedenfalls, als feinsinnig nur zur Gitarre gesungen wurde, die Worte deutlich im Raum standen. Nun klingt der Einstieg ins Album fast ein wenig „country-like“, fröhlich und unbeschwert.

15 Lieder umfasst das Album. Unter anderem werden das Lied einer Amsel im Geäst, das Karussell des Lebens und der Schöpfer, der es lenkt, eine Radtour im Frühsommer, eine Ferienidylle, die Sonnwende besungen und leise hinterfragt. „Sein ist wichtiger als Haben“, meinen Rotraud und Thomas Knodel. Zweimal textet er auf alte Melodien aus dem Kirchengesangbuch: „In Sommertagen“, nach Ebeling 1666 „Die güldne Sonne“, hier harmonieren sehr einfühlsam Gitarre und Klarinette. Das Schlusslied „Beim ersten Licht des Tages“, Bitte und Dank an den Schöpfer zugleich, beruht auf einer Melodie von Telemann, begleitet von zwei Gitarren, die dem Text nichts von seiner Größe nehmen.

Thomas Knodel ist hauptberuflich Diakon. In seinem musikalischen Schaffen, das „heiter und fröhlich, nachdenklich und menschenfreundlich ist“, hat nicht nur, aber auch der Kirchenmusiker seinen Platz. Behutsam zeigt er Wege auf in seinen Geschichten „vom Himmel und warum wir dort ankommen möchten, wo wir manchmal schon sind“. Insgesamt will Knodel seiner Musik einen modernen, ausgewogenen Klangteppich beigeben, ohne im beliebigen „Mainstream“ mitzuschwimmen. Dass vor den „Kleinen Freuden“ ein Jodler, nur ein einziger, zu hören ist, ist ein mutiger Ansatz.

Vier Alben haben die Liedermacher Thomas und Rotraud Knodel bisher produziert: „Wachsendes Vertrauen“, „Mann, ich lebe noch“, „Zarte Ermutigung“ und „Drei Wünsche“. Schon das dritte und vierte Album tragen den Untertitel: „Feinsinnige Lieder zur Gitarre“. Die Texte des neuen Albums sind in einem Booklet der CD beigefügt. Diese ist im Strube Verlag, München, erschienen und im Buchhandel in Mühlacker und Vaihingen zu haben. Das Album kann auch direkt bei den Knodels bestellt werden. Zur CD wird der Verlag noch ein Liederbuch herausbringen.

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