Gericht verurteilt randalierenden Fußballfan

Erstellt: 27. Februar 2008, 00:00 Uhr

Angeklagter gibt sich als reuiger Sünder – Bisse der Polizeihunde verursachen bis heute Schmerzen.

Pforzheim (weg) – Das Missverhalten eines Fußballfans ist gestern vor dem Amtsgericht Pforzheim verhandelt worden. Der Mann hatte bei einem Spiel des 1. FC Pforzheim gegen Waldhof Mannheim vor eineinhalb Jahren randaliert und wurde dafür nun zu sechs Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe verdonnert.

Beim 2:0 des 1. FC Pforzheim gegen Waldhof Mannheim hatte es den 36-jährigen Waldhof-Fan am 28. Oktober 2006 nicht mehr auf seinem Sitz gehalten. Er stürmte den Platz. Das Spiel wurde kurz unterbrochen, der Mann zurück zu seinem Gäste-Block geführt. Nach dem Spiel ging es allerdings auf dem Parkplatz weiter. Mit gegenseitigen Beleidigungen des Mannheimers gegen die Pforzheimer Fans. Die Polizei griff ein, nahm den Waldhöfer fest.

 Dem Angeklagten passte das nicht, der Brocken von mehr als 1,80 Metern Länge und 94 Kilogramm Lebendgewicht ging drohend auf die Beamten zu. Die Sache eskalierte. Ein Polizeihund sprang den Mann an, der trat nach ihm. Letztendlich überwältigten vier Beamte den angetrunkenen Zornigen. Als er am Boden lag, trat ihm ein Polizist ins Gesicht und brach ihm dabei das Nasenbein. Ein anderer gestattete dem Polizeihund, ihn zweimal ins Bein zu beißen.

 Gestern hatten nun Spiel und Nachspiel auf dem Parkplatz ein juristisches Nachspiel vor Amtsrichterin Stephanie Gauß. Die Verhandlung mit vielen Zeugen, die auf insgesamt vier Tage angesetzt war, endete überraschend bereits nach einigen Stunden. Denn: Auf der Anklagebank saß ein Geläuterter, wie der Staatsanwalt Marc Wagner feststellte. Einer, der mittlerweile zugab: „Ich habe manches zur Eskalation beigetragen.“

 Der Angeklagte räumte ein, in drohender Haltung auf die Beamten zugegangen zu sein, mit der Forderung, die Mannheimer Polizei möge die Festnahme des Waldhöfers durch die Pforzheimer Kollegen überprüfen. Vielleicht habe man „sarkastische Bemerkungen“ von ihm als Beleidigungen verstehen können, meinte er.

 Dass ihm die Festnahme erklärt worden war, habe er vielleicht im Eifer des Gefechtes überhört und den Ring durchbrochen, den die Beamten um ihn gebildet hatten. Auf jeden Fall erkannte der Sünder nun vor dem Kadi reuig: „Hätte ich an dem Tag nicht so viel getrunken, hätte man das alles viel eleganter regeln können.“ Allerdings hätten auch die Polizeibeamten wenig zur Beruhigung getan.

 Für ihn selbst hatte der Vorfall neben den gesundheitlichen noch berufliche Folgen. Eigentlich war vorgesehen gewesen, dass er für den Mannheimer Club Devotionalien und Verpflegung bei den Spielen verkaufen könne. Da er nun aber zwei Jahre Stadionverbot bei Oberligaspielen hat, rückte der Verein davon ab. „Ich ärgere mich vor allem, dass ich überhaupt in die Situation gekommen bin“, meinte der Angeklagte. Er war schon zur Mittagszeit in Pforzheim gewesen, hatte dort gegessen und ein paar Schnäpse spendiert bekommen. Da er sonst kaum Alkohol trinke, seien ihm die 1,6 Promille gewaltig in den Kopf gestiegen.

 Staatsanwalt Wagner konnte ihm insgesamt eine günstige Prognose ausstellen. Er wertete das Geständnis positiv, berücksichtigte die Verletzungen – die Hundebisse machen heute noch Schwierigkeiten – und sah das Vergehen mit sechs Monaten Bewährungsstrafe und 1000 Euro Geldauflage ausreichend geahndet. Der Verteidiger sah das ähnlich. Er bat, die sechs Monate als Obergrenze anzusehen.

 Richterin Gauß urteilte gemäß den Anträgen. Der Angeklagte sei keiner, der mit Bierkästen im Kofferraum anreiste, um Randale zu machen. Die 1000 Euro Geldstrafe sollen Fan-Projekten zugute kommen. Das Urteil wurde von allen Beteiligten sofort akzeptiert.

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