Gemeinderat beharrt auf Gesamtkonzept

Erstellt: 24. Mai 2006, 00:00 Uhr
Gemeinderat beharrt auf Gesamtkonzept Neue Fassade für den Mühlehof: Entwurf des Pforzheimer Architekten Schmidt, der aus dem Projekt ausgestiegen ist.

Fraktionen sehen in den bisherigen Mühlehof-Planungen des Büros Schmidt eine „Geschäftsgrundlage“

Mühlacker – Wie eine Bombe hat im Gemeinderat die Berichterstattung unserer Zeitung über den Wechsel des Mühlehof-Architekten eingeschlagen. „Eine gewisse Verunsicherung und auch Verärgerung“: So beschreibt Rolf Leo (Freie Wähler) seine erste Reaktion. Mit Nachdruck erinnern er und Sprecher anderer Fraktionen den Berliner Investor Echo an die vertraglichen Vereinbarungen, die auf Basis des Konzepts von Peter W. Schmidt getroffen worden seien. Falls dieses Konzept nur unvollständig umgesetzt werde, warnt Frank Schneider (FDP), sei auch der Mietpreis, den die Stadt für ihre Kultursäle bezahle, in Frage gestellt.

 VON THOMAS EIER

„Ich sehe keinen Grund zur Nervosität“, zeigt Oberbürgermeister Arno Schütterle, der nach Erscheinen des MT-Artikels am Dienstag mit Projektleiter Frank Witte telefoniert hat, vollstes Vertrauen in die Pläne der Echo Immobilien Entwicklung GmbH: „Der Wechsel des Architekten ändert schließlich nichts an der Grundkonzeption. Und diese steht und stimmt.“

 Die feste Überzeugung des Verwaltungschefs, dass nach wie vor die Planung des Pforzheimer Büros Schmidt die Grundlage für den Umbau und die Wiederbelebung darstellt, teilen die Fraktionen im Gemeinderat nur bedingt. „Wird der Plan nicht so wie vorgestellt verwirklicht, besteht die Gefahr einer Billigsanierung. Dann fehlt die Geschäftsgrundlage“, befürchet Günter Bächle, dessen CDU den Verkauf des städtischen Anteils immer abgelehnt hat. „Es war ein leichtsinniger Schritt.“

 Er könne sich zwar kein abschließendes Urteil über das Zerwürfnis zwischen Investor und Architekt bilden, sagt Rolf Leo, doch sei das Umbaukonzept „maßgebend“ für die Entscheidung zum Verkauf an die Berliner gewesen. „Wir fühlen uns deshalb schon ein wenig getäuscht“, macht der Fraktionschef der Freien Wähler nach dem Ausscheiden Schmidts deutlich. Für die abendliche Sitzung, in der das Thema Mühlehof auf der Tagesordnung des nichtöffentlichen Teils stand, kündigte Leo die Forderung an den Oberbürgermeister an, ein „ernstes Gespräch“ mit Echo zu führen: „Es ist nun bald ein Jahr verstrichen. Das geht uns alles zu langsam.“

 „Man gibt die Hoffnung nicht auf.“ Auch für Frank Schneider (FDP) ist das Schmidt-Konzept das Fundament der vertraglichen Vereinbarungen zum Verkauf und zur Rückmietung der Kultursäle. „Wenn das aber alles nicht funktionieren sollte, dann hat die Stadt ein Problem“, stellt Schneider fest. Habe er doch im Zuge der Haushaltsberatungen vergeblich davor gewarnt, den Kaufpreis von 1,2 Millionen Euro sofort zu „vervespern“. Wenn Echo nun scheiteren sollte, beschreibt Schneider den schlimmsten Fall, fehle der Stadt das Geld für den Rückkauf der Säle. „Wir als Stadt haben uns in das Konzept Schmidt eingemietet“, macht Schneider deshalb klar, „und wenn das Konzept nicht umgesetzt würde, ist der Mietpreis ein Thema.“
 Bislang, bemängelt Günter Bächle, sei außer Ankündigungen nicht viel passiert. „Dabei wurde der Eindruck erweckt, ein Ankermieter stehe sozusagen vor der Tür.“ Stattdessen gebe es nun Andeutungen des Investors, zitiert der CDU-Chef aus dem MT-Artikel, dass es mit der Belegung des Untergeschosses nicht wie geplant funktioniere. „Vielleicht“, sieht Bächle eine Mitverantwortung bei der Stadtverwaltung, „hat der OB die Verhandlungen mit Echo auch nicht nachhaltig genug geführt.“

 OB mahnt fairen Umgang mit dem Investor an

Allen Beteiligten, widerspricht OB Schütterle dem Eindruck, es tue sich zu wenig, sei klar gewesen, dass die Revitalisierung des Mühlehofs eine komplexe Aufgabe sei, die Zeit brauche – und eine Umsetzung Schritt für Schritt. „Es gibt deshalb auch keinen Anlass, das Engagement des Investors schlecht zu reden“, bittet der Rathauschef um einen fairen Umgang.

 „Ein Architektenwechsel ist, wenn sich dadurch am Konzept nichts ändert, zunächst eine interne Angelegenheit“, mahnt Harald Töltl, Fraktionsvorsitzender der SPD, gleichfalls zur Gelassenheit. „Wir gehen davon aus, dass ein anderer Architekt das bestehende Konzept umsetzt.“ Am Investor liege es, gegenüber der Stadt seine Strategie darzulegen und die Verunsicherung rasch zu beenden. „Für Negativschlagzeilen ist es ein unglücklicher Zeitpunkt.“

 Ein Wechsel des Planers, bestätigt Klemens Köberle (LMU) sei „an sich noch kein katastrophales Zeichen. So etwas kommt vor“. Seine Fraktion werde sich an der Ankündigung Echos, bis Oktober seien die entscheidenden Schritte getan, orientieren. Auch was den Sparkassen-Neubau in der Fußgängerzone betreffe, zieht Köberle einen Vergleich, sei viel Zeit bis zur Vorstellung der Planungen verstrichen. „Wichtig ist nur, dass es am Ende stimmt.“

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