Ganz Lomersheim ist auf den Beinen

Erstellt: 28. Juni 2010, 00:00 Uhr
Ganz Lomersheim ist auf den Beinen Historisch unhaltbar: Nicht Fred Feuerstein, wie es hier beim RKV-Festumzug scheint, sondern Carl Benz hat das Automobil erfunden. Foto: Roth

Rad- und Kraftfahrerverein feiert sein Jubiläum mit einem Umzug nach alter Tradition

Schweini hin, Poldi her. Den buntesten aller Autokorsos hat gestern der RKV Lomersheim auf die Reifen gestellt. Noch bevor das Mutterland des Fußballs in Südafrika rausflog, feierten die Lomersheimer das Mutterland des Autos und vor allem: sich selbst und das 100-jährige Bestehen des RKV.

Von Susanne Roth

Mühlacker-Lomersheim. „Der letzte Umzug fand 1948 oder so statt, da bin ich als Indianer mitgelaufen“, erzählte Gerhard Keller, der fand, „dass es echt mal wieder Zeit wurde, dass es einen richtigen Festumzug in Lomersheim gibt“. Das war gestern der Fall. Mit Pauken und Trompeten, etlichen bunten Wagen und vielen verschiedenen Gruppen – hoch zu Roß, mit waghalsigen Aktionen auf dem Motorrad, Radball spielend oder einfach nur zu Fuß unterwegs und kräftig winkend: Der Rad- und Kraftfahrerverein Lomersheim e.V. im ADAC (RKV) feierte gebührend sein 100-jähriges Bestehen.

 Einen richtig großen Festumzug zu organisieren, dazu gehört schon jede Menge: Elan, Mut und ein langer Atem, das Organisationstalent nicht zu vergessen. Genau diese Eigenschaften vereint der Vorsitzende des RKV, Paul Kessler, in seiner Person – das Team um den Vorsitzenden hat natürlich gut mitgezogen, so dass gestern bei wunderbarem Sommerwetter 35 Gruppen aus Lomersheim und der Umgebung den zahlreichen Zuschauern einen bunten Zug zum 100-jährigen Bestehen des Lomersheimer Vereins bieten konnten.

Schon vor eineinhalb Jahren die ersten Einladungen verschickt

 Das stampft man aber nicht so einfach aus dem Boden, wie man glauben könnte. „Die ersten Einladungen hab ich bestimmt schon vor eineinhalb Jahren verschickt“, so Paul Kessler. Damals stand fest, dass man sich auf jeden Fall an diese Mammutaufgabe wagen würde. Dann hieß es: Warten auf die Antwort. „Teilweise hab ich ein Jahr gewartet und dann auch noch mal nachgefragt. Manche haben gesagt „Du weißt ja, wir machen mit“. Das fand er mitunter frustrierend. Denn es ist ja nicht so, dass dann einfach die Gruppen die Straßen entlang marschieren. Damit das Ganze auch einen Sinn macht, muss man einen Plan aufstellen. So hat Paul Kessler in ausreichendem Abstand die Musikgruppen wie den Musikverein Lomersheim, den Trommler- und Pfeiferkorps von Mühlacker und den Posaunenchor Lomersheim platziert. Letzterer spielt zum ersten Mal im Laufen. „Der Posaunenchor hat bisher nur im Stehen musiziert, das ist das erste Mal, dass sie bei einem Umzug im Laufen spielen. Ich hab gehört, dass sie schon auf freiem Feld geübt haben.“ Und sie machten ihre Sache gut. Ein Motto hatte Paul Kessler nicht vorgegeben. „Wir haben gesagt, dass wir einen Festumzug nach alter Art wollen mit Wagen, Fußgruppen und Musik; außerdem sind viele Reiter dabei.“

 Ein Polizeiführungsfahrzeug, wie es so schön im Amtsdeutsch heißt, fuhr dem Umzug voraus, die an zweiter Stelle geplanten Festreiter Rose Milchraum mussten leider wegen einem erkrankten Pferd ausfallen, dafür folgte dann munter musizierend der Musikverein Lomersheim. Aus den beiden darauffolgenden Pferdekutschen winkten die Ehrengäste: Oberbürgermeister Frank Schneider von Mühlacker mit Ehefrau Patricia, Reinhold Roller als stellvertretender Vorsitzender des Stadtsportverbands Mühlacker und Pfarrer Albrecht Schwenk; aus der zweiten Kutsche winkten diejenigen, die seit 60 Jahren Mitglied im RKV und deshalb Ehrenmitglieder sind: Otto Hagenbuch, Willi Aichele, Robert Günther und Hans Frey.

 Was Paul Kessler freute: „Es haben sich auch viele Gruppen von außerhalb angemeldet, die davon gehört haben. Das finde ich toll.“ Ebenso groß war die Freude darüber, dass bereits am Freitag ganz Lomersheim auf den Beinen war, um den Ort herauszuputzen: Die Kehrmaschine fuhr, es wurde überall gewerkelt. Auch Paul Kessler und sein Stellvertreter, sein Sohn Ralf Kessler, waren schon im Vorfeld des Umzugs gut beschäftigt. Schließlich mussten sie noch ein Fernsehgerät ins Festzelt transportieren, da niemand ernsthaft damit gerechnet hatte, dass Deutschland im Achtelfinale gegen England antreten würde und dies genau nach dem Festumzug. Dieser endete an zwei Stellen, beim „ELU-Parkplatz“ und ein paar Meter weiter beim Großglattbacherweg und Brunnenstubenweg. „Sonst ist es ein Chaos, wenn man alle an einer Stelle enden lässt“, begründete Paul Kessler die Entscheidung.

40 Aufpasser sorgen für den geregelten Gang

 Zudem wurden die Umzugsteilnehmer nach dem 2,2 Kilometer langen Weg mit Wurst und Getränken verköstigt, damit sie wieder zu Kräften kamen. Das galt besonders auch für die Kindergartenkinder. Während des Umzugs wurde insofern auf die Sicherheit geachtet, dass der RKV an jeder Einmündung Vereinsmitglieder stehen hatte. 40 Leute waren laut dem Vorsitzenden im Einsatz, um aufzupassen, dass alles seinen geregelten Gang geht und überall eine Bewirtung gewährleistet wurde. Wer wollte, der konnte gleich übergangslos zum Fußballschauen ins Festzelt gehen. Auch Paul Kessler durfte sich dann sicher mal fünf Minuten setzen. „Ich bin urlaubsreif“, gestand er lachend. Doch der Aufwand hat sich auf jeden Fall gelohnt: Der Festumzug des RKV wird den Lomersheimern und ihren Gästen lange in Erinnerung bleiben und sicher auch ein Plätzchen im Fotoalbum von Gerhard Keller finden.

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