Gänsegeier kreist über Mühlacker

Erstellt: 28. Februar 2009, 00:00 Uhr

Kalter Winter hat Mühlacker neben Frostnächten auch einen seltenen Gast aus dem Süden beschert.

Mühlacker/Enzkreis – Auch wenn der Winter, der an diesem Wochenende zumindest meteorologisch zu Ende geht, Minusgrade und Schnee in Hülle und Fülle beschert hat, sehen Experten aus Landwirtschaft, Forst und Naturschutz wenig Grund zur Besorgnis.

VON CAROLIN BECKER

Der 11. Januar hatte es in sich. Morgens um 8 Uhr maß die Kachelmann-Wetterstation an den Stadtwerken Mühlacker 15,6 Grad unter null, und wer nicht gerade erpicht auf Kälterekorde ist, dem dürfte das Lächeln im frostigen Morgengrauen eingefroren sein. Gerade dann nämlich, wenn die Sonne aufgeht, erreiche das Thermometer häufig seinen tiefsten Punkt, hat Stadtwerke-Mitarbeiter Thomas Fuchs beobachtet, der die Station der Firma meteomedia mitbetreut. Und tief im Keller hielt sich die Quecksilbersäule in diesem Winter deutlich häufiger auf als noch im Vorjahr.

 Was Hausbesitzer angesichts der Heizkosten frösteln ließ, freut indes den Förster. „Der Winter war bisher zwar nicht extrem kalt, aber immerhin so streng, dass wir bei unseren Brennholzversteigerungen eine stärkere Nachfrage festgestellt haben“, sagt Bernd Obermeier, der unter anderem für einen Teil des Mühlacker Stadtwaldes zuständig ist. Doch nicht nur die frostigen Temperaturen wirkten sich positiv aus. Die Niederschlagsmenge habe „im normalen Bereich“ gelegen – wichtig vor dem Hintergrund, dass immer noch Spätfolgen des Hitzesommers 2003 nachwirkten. Die jungen Pflanzen könnten immerhin mit einem ausreichenden Feuchtigkeitsdepot in die Wachstumsphase starten.

 Während das Rehwild gut mit den Witterungsbedingungen zurechtgekommen sei, habe er von einigen Frischlingen gehört, die den Winter nicht überlebt hätten, erzählt Bernd Obermeier. Der Boden sei zu lange fest gefroren gewesen, als dass auch schwache Tiere genügend Nahrung hätten finden können. Dennoch sei nicht damit zu rechnen, dass sich der Wildschweinbestand merklich reduzieren werde.

 „Im Vergleich zu den zurückliegenden Jahren erscheint der Winter hart, aber insgesamt betrachtet, sind die Werte nicht absonderlich“, ordnet Klemens Köberle vom Mühlacker Verein für Umweltbildung Araneus die Witterung der letzten Monate ein. Der anhaltende Frost könne wenig willkommenen tierischen Einwanderern aus wärmeren Regionen – wie etwa dem Eichenprozessionsspinner – möglicherweise einen Dämpfer verpassen. Aus deutlich kälteren Gefilden habe es vor Kurzem auch einen anderen Gast nach Mühlacker verschlagen. „Über Enzberg kreiste zwar nicht der Pleite-, aber der Gänsegeier“, erzählt Köberle. Sein Gemeinderatskollege Theo Bellon aus Sengach, der sich im Winter ehrenamtlich um die hungernden Bussarde kümmere, habe den Vogel entdeckt. „Experten sagen uns, dass er vermutlich aus den Pyrenäen oder aus dem Alpenraum stammt und von dort ausgewichen ist, weil er auf schneebedecktem Boden nichts mehr zum Fressen gefunden hat“, erläutert Klemens Köberle. Vor einigen Tagen habe der Geier dann –  wohl angesichts des neuerlichen Schneefalls – das Weite gesucht.

 Weniger Schnee als Eis in Form von zugefrorenen Wasserleitungen in den Ställen habe einigen Landwirten zu schaffen gemacht, weiß Alfons Benz. Aus dem Ackerbau sind dem Pflanzenproduktionsberater im Enzkreis-Landwirtschaftsamt aber keine größeren Schäden gemeldet worden. Die im Enzkreis angebauten Kulturen seien auf tiefe Temperaturen eingestellt. Der Frost komme insbesondere den schweren und schwer zu bearbeitenden Böden sogar zugute. Er sprenge den Untergrund, lockere ihn und sorge dafür, dass mehr Sauerstoff in den Boden gelange. „In den letzten Wintern gab es kaum dauerhaft Bodenfrost“, blickt der Experte zurück.

 Im Februar 2008 – damals wurden in Mühlacker Höchstwerte von über 18 Grad Celsius gemessen – sei die Natur ihrer Zeit deutlich voraus gewesen. „Um diese Zeit wurde zum Teil schon das Sommergetreide ausgesät“, erinnert sich Alfons Benz. Davon seien die Landwirte aktuell noch ein Stück entfernt, auch wenn ein erstes frühlingshaftes Wochenende angekündigt sei. Angesichts des langjährigen Mittels sei die Natur nicht im Verzug, betont der Berater und zitiert zur Bestätigung aus einem alten Kinderlied: „,Im Märzen der Bauer…‘, heißt es schließlich, und ich bin sehr zuversichtlich, dass es in diesem Monat mit der Aussaat klappt.“

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