Für Heimweh bleibt keine Zeit

Erstellt: 31. Januar 2009, 00:00 Uhr
Für Heimweh bleibt keine Zeit Mit aller Kraft zum Erfolg: für die 14-jährige Roxana Nothaft (r.) ist der Schritt an ein Sportinternat der notwendige Schritt, um weiter Medaillen und Pokale zu sammeln. Foto: p

Taekwondo-Talent Roxana Nothaft wechselt auf Sportschule in Nürnberg – Morgen Start bei DM.

Talent und hartes Training reichen irgendwann nicht mehr aus, um im Sport Höchstleistungen zu vollbringen. Dann trennt sich die Spreu vom Weizen, und das oft schon in der Kindheit. Die knapp 14-jährige Taekwondo-Kämpferin Roxana Nothaft hat ihre sportliche Zukunft selbst in die Hand genommen und besucht seit Mitte Januar ein Gymnasium für Leistungssportler in Nürnberg.

VON ANJA SCHRÖDER

„Ich wollte einfach den nächsten Schritt machen“, beschreibt Roxana ihre Gefühlslage nach einem Trainingslager des Bundeskaders Anfang Januar in Hennef. Einige ihrer Mitstreiterinnen im Nationalteam besuchen schon seit längerer Zeit die Berthold-Brecht-Schule für Leistungssportler in Nürnberg. „Mir hat es imponiert, wie sie Schule und Sport so toll unter einen Hut bekommen.“ Wieder daheim erzählte sie ihrer Mutter Nadja von ihren neuen Plänen.

 „Roxana hat sofort gemerkt, dass sie an einem Scheideweg steht“, sagt die Mutter, die zwar schon über die Möglichkeit einer Leistungssport-Schule nachgedacht hatte, aber noch heute über das Tempo der Entwicklung erstaunt ist. Nach etwa zehn Tagen stand fest: Roxana wird am Theodor-Heuss-Gymnasium in Mühlacker abgemeldet und wechselt auf die Berthold-Brecht-Schule nach Nürnberg.

 Der bayerische Landesverband habe alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das junge Talent in den Freistaat zu holen. Sichtungskämpfe oder ausgiebige Gespräche waren nicht notwendig – Roxana ist in der Taekwondo-Szene bekannt. Das haben sie und ihre Familie auch vor wenigen Wochen beim Creti Cup in Tübingen erfahren: „Alle wussten bereits von Roxanas Wechsel. Und alle haben sie zu diesem Schritt ermutigt“, sagt ihr Vater Hans-Jörg.

 Bei einem ersten Besuch in der Heimat kann Roxana bereits von ihren Erfahrungen in Nürnberg berichten. „In meiner Klasse sind die unterschiedlichsten Sportarten vertreten. Wenn wichtige Turniere anstehen, werden keine Arbeiten geschrieben. Im Training kann ich mir eine ganze Menge vom Olympia-Dritten Servet Tazegül abgucken“, sagt die 13-Jährige.

 Heimweh habe sie noch nicht gehabt, schließlich bleibt dafür auch kaum Zeit. Morgens gegen 7 Uhr ist sie bereits mit der U-Bahn auf dem Weg zum Training, die Schule beginnt um 9.45 Uhr. Nach Schulschluss um 16.30 Uhr fährt die junge Sportlerin zurück in ihr Wohnheim, das bis zur Fertigstellung des schuleigenen Internats im Herbst ihr neues Zuhause ist. Nach dem Abendessen steht noch eine Trainingseinheit an. Roxana ist immer in Begleitung ihres Trainers oder anderer Schüler unterwegs, in der Tasche steckt ihr Handy, damit sie ständigen Kontakt zu ihrer Mutter in Mühlacker hat. „Die Situation ist für uns alle eine enorme Umstellung. Als Mutter fällt mir die Trennung besonders schwer, aber ich weiß, dass Roxana den richtigen Weg geht, und dass sie diesen Weg auch gehen will“, sagt Mutter Nadja.

Auch die Geschwister mischen bei der DM mit

Auch die Wochenenden werden vom Sport dominiert. Roxana will morgen ihren Titel bei der Kadetten-DM in Ingolstadt verteidigen. Sie startet in der Klasse bis 44 Kilogramm. Auch ihre jüngeren Geschwister sind bei den Deutschen Meisterschaften im Einsatz. Tamara Nothaft kämpft in der Klasse bis 37 Kilogramm, Timo Nothaft bis 33 Kilogramm.

 An ihrem 14. Geburtstag, dem 14. Februar, tritt Roxana Nothaft für die Nationalmannschaft in Schweden an. Und Ende Februar startet sie bei den Deutschen Jugend-Meisterschaften in Kaufbeuren. Erst in den Ferien kann sie sich ganz und gar ihren Eltern und ihren drei Geschwistern widmen. Vielleicht schon mit zwei neuen Titeln in der Tasche.

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