Für den Teamgeist ins Café

Erstellt: 31. Oktober 2009, 00:00 Uhr
Für den Teamgeist ins Café Für Knittlingen als erstes Doppel an der Platte: Erik Hartmann (li.) und Alexander Hudetz erwarten die Aufschläge ihrer Gegner. Foto: Westermann

Tischtennis: TTV Knittlingen will nach dem Neuaufbau der Mannschaft und dem Aufstieg nun in der Bezirksklasse bestehen

Vor drei Jahren spielte der TTV Knittlingen das letzte Mal in der Bezirksklasse. Nach dem Neuaufbau aus der eigenen Jugend stiegen die „Jungen Wilden“ nach der vergangenen Kreisliga-Runde auf, greifen nun wieder in der höheren Spielklasse an und sehen sich absolut konkurrenzfähig.

Von Lars Westermann

Knittlingen. „Die Motivation in der Mannschaft ist unglaublich groß, wir kämpfen gemeinsam für den Erfolg“, erklärt Alexander Hudetz. Doch das war nicht immer so. Nachdem Klassenerhalt in der Bezirksklasse in der Saison 2005/2006 zerfiel die Mannschaft. Klaus Kilzer verließ den Verein in Richtung Lienzingen, Marco Glöckler beendete seine Tischtennis-Karriere und auch Dirk Mürdter musste privaten Verpflichtungen Tribut zollen. So traten die Fauststädter in der nächsten Runde freiwillig in der Kreisliga an und die Mannschaft wurde deutlich verjüngt.

 Aus der zweiten Mannschaft rückten Alexander Hudetz (25 Jahre) und Frank Seehofer (30) auf, Seehofers jüngerer Bruder Thomas (26) spielte schon in der Saison zuvor in der ersten Mannschaft. Im Sommer 2007 stieß der 23-jährige Erik Hartmann, der aus Thürignen zuzog, zur Mannschaft und komplettierte das Quartett der „Jungen Wilden“.

 Allerdings musste sich der TTV in Jahren 2006 und 2007 mit den Plätzen vier und fünf in der Kreisliga zufrieden geben. Vor der letzten Saison wechselten Dieter Schwörer und Frank Knöller vom TSV Zaisersweiher nach Knittlingen. Mannschaftsführer Uli Begero zeigte sich erfreut über die Neuzugänge. „Sie passen sowohl sportlich als auch menschlich gut zu uns.“ Obwohl Schwörer krankheitsbedingt im Verlauf der Vorrunde nur dreimal ins Spielgeschehen eingreifen konnte und zur Rückrunde die Reserve verstärkte, Knöller aufgrund eines Wechsels seiner Schlägerbeläge Probleme hatte, erzeugten die beiden einen Motivationsschub.

 Zwar erlitten die Knittlinger gleich im ersten Match beim 8:8 in Großglattbach einen kleinen Dämpfer, marschierten dann aber souverän durch die Runde und gaben erst beim letzten Spiel der Hinrunde gegen den Lokalrivalen TTC Oberderdingen II einen weiteren Punkt ab. Bis zum letzten Saisonspiel gewannen die Fauststädter ihre Rückspiele ungefährdet. So kam es in der eigenen Halle zu einem Endspiel um den Aufstieg.

Aufstiegs-Krimi vor beinahe 100 Zuschauern

 Vor fast 100 Zuschauern benötigte das Team mindestens einen Punkt gegen den Verfolger Oberderdingen II. In einer dramatischen Begegnung behielten sie mit 9:7 Matches knapp die Oberhand und wurden hoch verdient Meister. Die Freude kannte keine Grenzen mehr. Frank Seehofer erklärt euphorisch: „Das war für alle ein tolles Erlebnis.“ Nicht nur die erste Mannschaft hatte Grund zu Feiern, auch die mit Spielern aus den oberen Teams verstärkte zweite und dritte Mannschaft wurden in ihren Klasse Meister und stiegen auf. Für alle drei geht nun darum, die Euphorie mitzunehmen und die neuen Klassen zu halten. Mit neuer Formation: Das TTV-Team stellte um, Hartmann und Hudetz schlagen nun im vorderen Paarkreuz auf. Dafür rückte Mannschaftsführer Begero auf Position drei. Er berichtet: „Wir wollten unseren Weg weiter gehen und auf den Nachwuchs setzen.“ Das Vertrauen zahlte sich bereits in den ersten Spielen aus.
 
In Hemmingen musste das eingespielte Team um die jungen Hartmann, Hudetz, Thomas und Frank Seehofer sowie die Routiniers Uli Begero und Frank Knöller zwar noch Lehrgeld zahlen, aber im ersten Heimspiel gegen den SV Horrheim II trumpften sie auf und holten beim 9:7 die ersten beiden Punkte. Nach der Derbyniederlage gegen Mühlacker vor einer Woche steht schon heute Abend um 18 Uhr das nächste Derby beim TV Lienzingen an. Knittlingen ist derzeit mit 2:4 Punkten auf Platz sieben der Tabelle, die zehn Mannschaften umfasst. Lienzingen liegt auf Platz fünf, 08 Mühlacker als Tabellensechster direkt dahinter.

 Alexander Hudetz ist der Meinung, dass die Knittlinger spielerisch in der Klasse gut mithalten könnten, jedoch fehle die nötige Cleverness, in den entscheidenden Situationen die wichtigen Punkte zu machen. Frank Knöller fügt hinzu: „Natürlich versuche ich, Ruhe reinzubringen, wenn ich merke, dass es zu hitzig wird.“ Das Erfolgsgeheimnis, warum es insgesamt so gut läuft, sieht Begero neben der Doppel- und Heimstärke des Teams vor allem im Zusammenhalt der Spieler. So sind die Knittlinger stolz, dass ihr Team bis auf den zugezogenen Hartmann aus einheimischen Spielern besteht. Hudetz studiert zwar mittlerweile in Heidelberg, doch die Mannschaft will er deshalb nicht verlassen.

Gemeinsames Frühstück vor den Heimspielen

 „Natürlich wird es schwieriger zu trainieren, aber ich habe in Heidelberg eine Trainingsmöglichkeit gefunden“, berichtet der Philosophie-Student. Und am Training freitags versucht er regelmäßig teilzunehmen. So steht er genau wie seine Teamkameraden zweimal pro Woche an der Platte. Auch außerhalb der Platte verbindet die Jungs viel. So führt Frank Seehofer aus: „Wir unternehmen einiges gemeinsam und gehen auch oft zusammen weg.“

 Vor ihren Heimspielen treffen sie sich zum gemeinsamen Frühstück in einem Café oder reihum zu Hause bei den Spielern, schildert Begero ein wichtiges Ritual des Teams. Augenzwinkernd fügt er hinzu: „So merken wir auch gleich, wenn mal einer fehlen sollte und können uns nach Ersatz umsehen.“ Neben dem sozialen Aspekt geht aber der sportliche keinesfalls verloren. Das Ziel Klassenerhalt verliert Knittlingen nicht aus den Augen.

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