Fünf Tage Schwimmen nonstop

Erstellt: 31. März 2007, 00:00 Uhr
Fünf Tage Schwimmen nonstop „Angekommen, Spaß gehabt“ Nicht Podestplätze und Medaillen, sondern der Spaß steht für den Athleten Philippe Geuer im Vordergrund – und sein Engagement für die Fanconi-Anämie-Hilfe. Foto: p

Philippe Geuer macht mit ungewöhnlichen Leistungen auf eine seltene Krankheit aufmerksam

Tagsüber sitzt Philippe Geuer vor dem Bildschirm. In einer kleinen Firma in Mühlacker entwickelt der Wirtschaftsinformatiker Software. Doch in seiner Freizeit frönt er ungewöhnlichen Hobbys: Schwimmen und Laufen. Allerdings dürfen es dann schon mal mehrere hundert Kilometer am Stück sein.

VON STEFFEN-MICHAEL EIGNER

Seinen ersten Triathlon hat Philippe Geuer 1995 eher per Zufall absolviert. Der damals 20-jährige Schwimmer war zum Training auf Lanzarote und las vom Ironman. „Ich dachte halt Wettkampf. Super. Und habe mich angemeldet.“ Erst nach dem Rennen erfuhr er, dass er gerade den wichtigsten Triathlon in Europa und obendrein die Königsdisziplin dieser Sportart absolviert hatte. Dennoch: In gut zwölf Stunden war er nach 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und einem Marathonlauf im Ziel. Der Sieger war seinerzeit etwa drei Stunden schneller.

 Der Extremsport lässt den heute 32-Jährigen seither nicht mehr los. Am Ironman auf Lanzarote hat er fünfmal teilgenommen. Er ist den Ärmelkanal durchschwommen, in elf Stunden 50 Kilometer von Dover nach Calais. Er hat den Trans-Alpine-Lauf bewältigt, 240 Kilometer von Oberstdorf im Allgäu über die Alpen nach Latsch in Südtirol. Ein Wettrennen, bei dem es insgesamt 14000 Höhenmeter zu erklimmen gilt. Und er hat 1999 den „Marathon des Sables“ durch die marokkanische Wüste bewältigt. Sechs Etappen, die längste davon 74 Kilometer lang. „Ich bin kein schlechter Läufer. Aber für die habe ich locker 23 Stunden gebraucht“, sagt Geuer. „Die Navigation war nicht optimal. Man läuft mit Karte, Kompass und Stirnlampe.“ Nicht zu vergessen der schwere Rucksack. Verpflegungsstationen gibt es unterwegs nicht. Trotzdem macht Philippe Geuer nicht den Eindruck, ein verrückter Asket zu sein. Sein etwas mehr als 1,70 Meter großer Körper wirkt nicht ausgemergelt. Und Geuer wirkt äußerlich deutlich jünger als 32 Jahre, vielleicht auch wegen seines schelmischen Lausbubenlachens.

 Am 10. Juni will er beim Kraichgau-Triathlon über die Mitteldistanz (Zwei Kilometer Schwimmen, 80 Radfahren, 20 Laufen) an den Start gehen. Aber nicht der Sieg zählt für den gebürtigen Kölner, der mit seiner Freundin in Bruchsal wohnt, sondern der Spaß. „Ich kann aufhören, wenn es an die Gesundheit geht.“ Viel lieber geht Geuer ohne Wettkampfdruck auf Tour, um Geld für die Fanconi-Anämie-Hilfe zu sammeln. „Diese unheilbare Krankheit ist so selten, dass es für die Pharmaindustrie nicht lohnt, Heilmittel zu entwickeln.“ Um den betroffenen Kindern zu helfen ist er „für jeden Blödsinn zu haben.“ Aber dannmuss es schon etwas wirklich Kurioses sein, denn: „Für einen Zehn-Kilometer-Lauf findet man keine Sponsoren.“

 Also ist Philippe Geuer unlängst zusammen mit einem Sportsfreund in 13 Stunden den Rhein hinab von Koblenz nach Köln geschwommen. „Der Rhein ist übrigens sauberer als man denkt“, sagt Geuer. Oder er nimmt am 24-Stunden-Lauf in Hinterzarten teil, wo er als Jugendlicher das Internat besuchte. Und vor zwei Jahren ist Philippe Geuer nonstop die Ostfriesischen Inseln abgeschwommen. Von Insel zu Insel in fünf Tagen. „Wichtig ist, dass dabei der komplette Erlös an die Kids geht“, betont er. Bereits jetzt schwirrt ihm eine neue Idee im Kopf herum.

 In Coburg will er mit Freunden ein 24-Stunden-Schwimmen organisieren. Danach sofort rauf aufs Fahrrad und ab nach Garmisch. Dort rein in die Laufschuhe und hinauf auf die Zugspitze. „Das haben wir schon mal gemacht, aber da sind wir die 400 Kilometer von Coburg nach Garmisch auch gelaufen“, sagt Geuer schmunzelnd. Trotzdem bleibt die Suche nach Geldgebern schwierig. „Könnte mir nicht mal jemand ein Testrad zur Verfügung stellen? Am besten ein super auffälliges für Werbezwecke“, fragt er achselzuckend.

Weiterlesen
Spannend, waghalsig und spektakulär

Spannend, waghalsig und spektakulär

ADAC-Super-Cross in Stuttgart – MT verlost 5×2-Tickets (mib/pm) – Spannende Überholmanöver, waghalsige Sprünge und eine spektakuläre Show: Die Zuschauer des 24. Internationalen ADAC-Super-Cross, das am 10. und 11. November in… »