Fliegernachwuchs geht in die Luft

Erstellt: 31. Mai 2010, 00:00 Uhr
Fliegernachwuchs geht in die Luft Voller Erwartung vor dem ersten Überlandflug: Amelie Flamm mit Fluglehrer Ulrich Geltz. Foto: Kollros

Jugendliche nehmen an „Trainingscamp“ des Flugsportclubs Mühlacker teil

Ihren Traum vom Fliegen verwirklichen knapp zwei Dutzend Teenies beim Flugsportclub Mühlacker. Während der ersten Pfingstferienwoche absolvierten sie auf dem Hangenstein ihr traditionelles „Trainingscamp“.

Von Norbert Kollros

Mühlacker. Es sei zu einer guten Tradition geworden, während der Pfingstferien die Flugausbildung zu konzentrieren, erklärt der Vorsitzende des Flugsportclubs, Jürgen Klemm, und begründet: Man könne sich außerhalb des meist auf die Wochenenden konzentrierten „normalen“ Flugbetriebs intensiv um die Jugendlichen kümmern. Wenngleich der Wettergott in der zurückliegenden Woche nicht so richtig mitspielte – an zwei Tagen mussten die Flieger am Boden bleiben.

 Da stand dann verstärkt Theorie auf dem Programm. Denn wer ein versierter Flieger werden will, muss auch die Schulbank drücken und sich ein umfangreiches Wissen aneignen – von Wetter- und Kartenkunde bis zur Strömungslehre, von der Instrumententechnik bis zum Sprechfunk. Aber auch die Verkehrsregeln in der Luft und das richtige Verhalten in außergewöhnlichen Fällen müssen gelernt sein.

 Für die praktische Ausbildung werden mindestens 25 Flugstunden gefordert, davon 15 alleine, also ohne Fluglehrer. Da sind zunächst 40 bis 60 Starts zu absolvieren, bevor man zu seinem ersten Alleinflug startet. Der erfolgt im nahen Umkreis des Fluggeländes, oft mit einem Fluglehrer in der Nähe in einem separaten Flieger.

 Nächste Station der Ausbildung ist der erste Überlandflug im Doppelsitzer – vorne der Novize, dahinter der erfahrene Ausbilder. Amelie Flamm hatte am Samstag Premiere: Mit Ulrich Geltz im Rücken flog sie zunächst Richtung Walldorf und dann entlang der Autobahn A6 Richtung Heilbronn/Weinsberg und dann wieder zurück in die Heimat. Das sind rund 140 Kilometer. Zum Vergleich: Erfahrene Piloten sind vom Hangenstein schon zu Langstreckenflügen über 800 Kilometer aufgebrochen.

 „Es war ein toller Flug“, schwärmten nach rund drei Stunden die beiden. Die 16-jährige Amelie habe die gestellte Aufgabe problemlos gemeistert, auch wenn es zwischendurch mal wenig Thermik gegeben habe, konstatierte Fluglehrer Geltz. Dafür gab’s zum Schluss rund 40 Kilometer Gleitflug bis nach Mühlacker.

 Nach zwei Jahren Ausbildung kann man fit sein für die Prüfung, die Segelflieger-Lizenz. Die ist frühestens im Alter von 16 Jahren möglich – und beim Fliegernachwuchs auf dem Hangenstein gang und gäbe, wie Jürgen Klemm erzählt. Auf die erfolgreiche Jugendarbeit im Verein ist er denn auch stolz und auch auf den mittlerweile rund 25-prozentigen Mädchenanteil.

 Weil die Segelflieger derzeit das Dach ihres Hangars sanieren und obendrein mit einer Fotovoltaik-Anlage bestücken lassen, ist ihre Halle derzeit nur bedingt nutzbar. Die Fluglehrer machten aus dieser „Not“ eine Tugend, und so wurde jeden Tag geübt, wie man das Flugzeug zur Verladung in den Anhänger „zerlegt“ und wieder zusammenbaut.

Auch das sollte ein Pilot kennen, wenn er etwa zu einer Außenlandung irgendwo fernab von Mühlacker genötigt würde. Dann steht auf dem Hangenstein ein Vereinskamerad parat, der den havarierten Kollegen und seinen Flieger auf dem Landweg abholt.

 Während des Jugendlagers ging es freilich auch zünftig zu wie auf einem Camp: Abends wurde ein Lagerfeuer entzündet und gegrillt, ehe sich die Teilnehmer in ihre Zelte verkrochen. Fürs Frühstück und das Mittagessen sorgten Eltern, sodass Hobby und Vergnügen im Vordergrund standen.

Info
Fliegen lernen

Zur Fliegerausbildung können Jugendliche ab 14 Jahren dem Verein beitreten. Damit sie erkunden können, worauf sie sich bei den Segelfliegern einlassen, gewährt der Club auch Schnuppermitgliedschaften für ein Wochenende, an dem die Interessierten in den regulären Ausbildungsbetrieb integriert werden. Bei rund 150 Euro Jahresbeitrag können Jugendliche innerhalb von zwei Jahren ihren Flugschein erwerben. Dazu kommen in den Wintermonaten Arbeitsdienste, etwa zur Wartung der Flugzeuge. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.fsc-muehlacker.de. (ert)

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