Flash-Mob gegen Atomkraft

Erstellt: 30. November 2009, 00:00 Uhr
Flash-Mob gegen Atomkraft Atomkraftgegner am Boden: Weihnachtsmarkt dient als Bühne für den Protest. Foto: Hansen

30 Umweltschützer beteiligen sich an Aktion auf dem Weihnachtsmarkt

Von Isabel Hansen

Mühlacker. Samstagmittag, zwei Minuten vor Zwölf, auf dem Weihnachtsmarkt. Plötzlich sinken rund 30 Menschen ohne erkennbaren Grund auf das kalte Pflaster vor der Bühne. Atomkraftgegner haben Mühlacker am Adventswochenende seinen ersten Flash-Mob beschert.

  Eben noch ein beschauliches Bild, kommt auf einmal Bewegung in die kleinen Menschengruppen, die sich in der vergangenen Viertelstunde vor der Bühne des Mühlacker Weihnachtsmarktes zusammengefunden haben.
 Als Erster geht Frank-Ulrich Seemann zu Boden, gefolgt von rund 30 Umweltschützern aus den Reihen von BUND, Grüne Jugend und Attac, die wie von einer unsichtbaren Macht niedergedrückt werden. Schließlich eilt auch noch Thomas Köberle hinter einer Weihnachtstanne hervor und gesellt sich zur totenstill daliegenden Menge.
 Nach zwei Minuten, Schlag zwölf Uhr, ist der Spuk vorbei, alle stehen auf und gehen ihrer Wege.

 Initiatoren wollen den Flash-Mob wiederholen

 Die Aufmerksamkeit der Weihnachtsmarkt-Besucher war den Atomkraftgegnern sicher. Während die einen unauffällig aus den Augenwinkeln das Geschehen beobachteten, zeigten andere offenkundig ihr Interesse. „Guck mal, die legen sich hin.“ „Da lege ich mich gleich dazu.“ „Was soll das?“, rätselte das Publikum. Angesichts der gelb-schwarzen Symbole für Radioaktivität auf den Plakaten lag die Lösung auf der Hand. Die Teilnehmer simulierten die tödlichen Folgen eines atomaren Störfalls.

 Die Mühlacker Aktion ist Teil einer bundesweiten Kampagne der Anti-Atomkraft-Initiative und soll an den kommenden drei Samstagen, am gleichen Ort, zur gleichen Zeit wiederholt werden.

 Mit der Resonanz auf die Flash-Mob-Premiere in Mühlacker, die einzige Aktion im Enzkreis, ist Seemann zufrieden. „Es haben mehr mitgemacht als ich erwartet hatte“, freut sich der Stadtverbandsvorsitzende der Grünen. „Die magische Zahl ist 50“, hofft er darauf, dass sich am kommenden Wochenende noch mehr am Anti-Atomkraftprotest beteiligen.
 Bevor sie in die Knie gehen, müssen einige erst einmal ihre Hemmschwelle überwinden. „Es war ja völlig unklar, wie viele sich an der Aktion beteiligen. Ich hätte mich nicht getraut, mich als Erste hinzulegen. Aber alle zusammen, das hat gut funktioniert“, reflektiert Julia Schmidt aus Maulbronn.

StichwortFlash-Mob

Die Idee des Flash-Mob wurde 2003 in den USA geboren und bedeutet soviel wie „blitzartiger Menschenauflauf“.

 Über SMS, Mail, oder Internet aufgerufen, formieren sich völlig Fremde an einem Ort zu einer Gruppe, um eine Aktion durchzuführen. Sofort danach zerstreut sich die Menschenmenge wieder.

 Ursprünglich eine eher spaßorientierte, selbstironische Modeerscheinung der Online-Community mit dem Ziel, mit Unsinn Aufmerksamkeit zu erregen, wird der Flash-Mob mittlerweile von Bürgerinitiativen als Instrument genutzt.

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