Firmen lassen die Jugend nicht hängen

Erstellt: 25. Februar 2009, 00:00 Uhr
Firmen lassen die Jugend nicht hängen Ausbilder Francisco Hidalgo (l.) kümmert sich bei MDS Abele um die Lehrlinge. Der 18-jährige Christian will Industriemechaniker werden. Foto: Disselhoff

Trotz Rezession und leerer Auftragsbücher übernehmen viele Unternehmen in Mühlacker ihre Auszubildenden

Mühlacker – Die Wirtschaftskrise hat die Unternehmen der Region im Würgegriff. Doch trotz der immer enger werdenden Spielräume halten viele Betriebe an ihren Auszubildenden fest und investieren so in ihre Zukunft.

VON MAIK DISSELHOFF

Viele Lehrlinge werden zumindest befristet weiterbeschäftigt, obwohl die Maschinen in den Werkshallen zeitweise abgeschaltet werden müssen und große Lücken in den Auftragsbüchern der meisten großen Betriebe klaffen. Wie es scheint, setzen die Unternehmen in Mühlacker voll auf den eigenen Nachwuchs.

 Auch wenn an allen Ecken und Enden gespart werden muss – vor den Fachkräften von morgen scheint der Rotstift in aller Regel noch Halt zu machen. Ein Musterbeispiel für diese Personal-Strategie ist in Mühlacker MDS Abele. In dem Metall- und Druckguss-Unternehmen arbeiten 15 Auszubildende. Obwohl sich die Zulieferer-Firma, die stark unter der Rezession der Fahrzeugbranche leidet, von Leiharbeitern und Beschäftigten mit befristeten Arbeitsverträgen trennen musste, will sie ihre Lehrlinge, die jetzt fertig werden, behalten. „Wir versuchen, unsere Auszubildenden zu übernehmen, schließlich haben wir viel in sie investiert“, macht MDS-Geschäftsführer Werner Abele deutlich. Vor rund einer Woche sind zwei der Nachwuchskräfte fertig geworden. „Sie haben von uns einen befristeten Arbeitsvertrag bekommen“, sagt Abele. Ein Grund dafür: „Sie kennen sich aus“, betont der Firmenchef. Wenn die Zeiten wieder besser würden und man dann neue Mitarbeiter brauche, müssten diese schließlich erst eingelernt werden.

 Die Firma Behr, die allein an ihrem Standort in Mühlacker 32 Lehrlinge ausbildet, will alle 20 Nachwuchskräfte, die in diesen Tagen deutschlandweit fertig werden, übernehmen – und das, obwohl auch bei dem großen Automobilzulieferer Jobs abgebaut werden. Während den Auszubildenden im Stuttgarter Werk lediglich auf ein Jahr befristete Verträge angeboten werden, sieht die Zukunft der ehemaligen Lehrlinge in Mühlacker besser aus: „Dort ist die Übernahme unbefristet“, teilt Stephanie Reuter, Pressesprecherin der Behr-Gruppe, auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Das Unternehmen habe sich das Ziel gesetzt, die Ausbildungszahlen auf gleich hohem Niveau zu halten. „Zum Ausbildungsbeginn im September bieten wir in Mühlacker 15 Lehrstellen an.“

  Steuler Fliesen sei von der Krise „noch nicht so betroffen“, sagt der Geschäftsführer der Technik, Klaus-Martin Andreas. Ob die rund 20 Auszubildenden – darunter Siebdrucker, Industriekaufleute und Holzmechaniker – übernommen werden, sei noch nicht klar. Das hänge jeweils vom Stellenangebot im Unternehmen ab.

 Karlheinz Gruse, Leiter Administration und Finanzen bei der Händle GmbH, sagt, dass das Unternehmen die drei Auszubildenden, die als Nächste fertig werden, übernehmen. „Wir wollen ihnen den Berufseinstieg erleichtern und sie zunächst für ein Jahr übernehmen.“ Wenn sie sich bewähren und die wirtschaftliche Situation es zulässt, werde Händle sie dauerhaft beschäftigen. „Das ist bei uns in aller Regel der Fall.“ Elf Lehrlinge arbeiten insgesamt in dem Betrieb, der Maschinen für die Ziegeleiausrüstung herstellt. „Dieses Niveau wollen wir halten“, sagt Gruse. Die Krise werde schließlich auch irgendwann wieder vorbei sein.

 Hans Wagner, Leiter der Ferdinand-von-Steinbeis-Berufsschule in Mühlacker, hatte gegenüber unserer Zeitung kürzlich betont, er habe keine Befürchtungen, dass sich die Krise negativ auf den Lehrstellenmarkt auswirke. Seine Einschätzung scheint angesichts der hiesigen Personalpolitik zurzeit noch realistisch. Wagner sagt: „Der Fachkräftebedarf wird in der Region hoch bleiben.“

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