Feuerwehr ist in Alarmbereitschaft

Erstellt: 30. Dezember 2009, 00:00 Uhr
Feuerwehr ist in Alarmbereitschaft Dynamite, Delta, Cosmo und Speed – die Silvesterraketen tragen klingende Namen. Sie sollten aber nicht überall in den Nachthimmel gefeuert werden. So ist beispielsweise die Umgebung von Kirchen eine Verbotszone. Besondere Vorsicht gilt auch in der Nähe von Fachwerkhäusern. Foto: Goertz

Für Silvesterböllerei gelten strenge Regeln – Feuerwerk in der Nähe von Kirchen, Krankenhäusern und Altenheimen ist tabu.

Brennende Balkone, Wohnungen oder gar Häuser und Rettungsdiensteinsätze – die Silvesternacht bedeutet für die Feuerwehr nicht selten Daueralarm. Dabei ließen sich viele Unglücke durch vorsichtigeren Umgang mit Feuerwerkskörpern vermeiden.

Von Frank Goertz

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Ereignisse in der Silvesternacht 2008/09, als in den Altstädten von Tübingen und Villingen Raketen Großfeuer auslösten, hat der Bundestag ein Gesetz beschlossen, das Feuerwerk nicht nur in der Nähe von Kinder-, Altenheimen, Kirchen und Krankenhäuser verbietet, sondern auch in der Umgebung von Fachwerkhäusern.

 Ein Gesetz, das allerdings als Papiertiger enden könnte. Obwohl in zahlreichen Kommunen über Böllerverbote diskutiert wurde, haben die wenigsten Städte und Gemeinden ein solches generelles Verbot erlassen. Auch die Stadt Mühlacker verzichtet auf kracherfreie Zonen. Ralph Keipp, Kommandant der Feuerwehr in Mühlacker, erklärt: „Ein generelles Böllerverbot würde in Mühlacker wenig Sinn machen, weil wir keine geschlossenen Altstadtgebiete haben.“ Außerdem müsste man bei einem Böllerverbot einen Schutzring von mindestens 150 Metern – so weit können die Raketen fliegen – um die Areale mit historischer Bausubstanz ziehen. „Das ist in Mühlacker nicht praktikabel“, findet Keipp, und Michael Sengle, Sprecher der Polizeidirektion Pforzheim ergänzt: „Ein generelles Böllerverbot lässt sich kaum kontrollieren.“ Zwar hätte die Polizei in der Silvesternacht zusätzliche Streifen im Einsatz, könne aber nicht an allen Orten gleichzeitig sein. Sengle appelliert an die Vernunft der Feuerwerksfreunde, dass sie Verbots- und Risikozonen beachten.

 Obwohl Feuerwehrchef Keipp das Brandrisiko an Fachwerkhäusern in der Region in den meisten Fällen für begrenzt hält – „Durch die gute Bausubstanz und die harte Bedachung passiert selten etwas“ – warnt er: „Häufig entzündet sich Unrat auf dem Balkon oder Müll, wenn er von den Raketen getroffen wird.“

 Nachdem die Feuerwehr in Pforzheim zum vergangenen Jahreswechsel zwölf und die Wehren im Enzkreis vier Brandeinsätze bewältigen mussten, gilt auch dieses Jahr wieder erhöhte Alarmbereitschaft. „Wir haben die Mitglieder unserer Freiwilligen Feuerwehren gebeten, im Ort zu bleiben“, berichtet Keipp, der sich freut: „Das Verantwortungsbewusstsein ist sehr hoch. In jedem Stadtteil ist immer ein Zug einsatzbereit.“ Das hieße für die Freiwilligen Floriansjünger in der Silvesternacht auch: Selters statt Sekt.

 Wer seinen Feuerwerksfreuden frönen und gleichzeitig Ärger im Siedlungsbereich vermeiden will und deshalb Böller und Raketen in der freien Natur zündet, erweist der Tierwelt keinen Gefallen. Reiner Ehret, Vorsitzender des Landesnaturschutzverbands weiß: „Der Krach veranlasst sämtlich Tierarten zur panischen Flucht – mit schlimmen, oft tödlichen Folgen.“ Aus genau diesem Grund sollten auch keine Raketen in der Nähe von Bauernhöfen abgefeuert werden.

 Auch der Verkauf von Feuerwerk unterliegt strengen Regelungen. Mitarbeiter der Gewerbeaufsicht kontrollieren stichprobenartig, ob alles mit rechten Dingen zugeht und die Feuerwerkskörper beispielsweise fachgerecht gelagert werden. „Nur Raketen, die das BAM-Zeichen der Bundesanstalt für Materialforschung oder ein CE-Zeichen tragen, sind bei korrekter Bedienung sicher“, klärt Uwe Kaudel von der Gewerbeaufsicht des Enzkreises auf. Feuerwerkskörper mit der Kennzeichnung „Kategorie 1“ dürfen nur an Personen über 12 Jahre verkauft und von diesen gezündet werden. Feuerwerkskörper der „Kategorie 2“ dürfen überhaupt nicht an Minderjährige verkauft oder von ihnen gezündet werden. „Im Übrigen sind die Eltern für ihre Kinder verantwortlich“, stellt Wolf-Dietmar Kühn, Leiter des Pforzheimer Ordnungsamts klar. „Pyrotechnische Gegenstände gehören nicht in Kinderhände.“

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