Feuerwehr begleitet sein Leben

Erstellt: 6. Februar 2007, 00:00 Uhr
Feuerwehr begleitet sein Leben Im Einsatzleitwagen der Mühlacker Wehr. Foto: Franz

Wilfried Müller hört nach
15 Jahren als Abteilungskommandant in Mühlacker auf.


Wie oft er mitten in der Nacht aufgestanden ist, um als Feuerwehrmann Menschen in der Not zu helfen, weiß Wilfried Müller nicht mehr. Mehrere tausend Einsätze hat der 56-Jährige „auf dem Buckel“, seit er 1961 erstmals zur Mühlacker Feuerwehr kam. Nach 15 Jahren als Abteilungskommandant in Mühlacker hat er gestern sein Amt abgegeben. Bei Redaktionsschluss dauerte die Versammlung der Feuerwehrabteilung Mühlacker noch an, in deren Rahmen Müllers Nachfolger und dessen Stellvertreter gewählt wurden.

 „Ich war immer gerne bei der Feuerwehr“, meint der gelernte Elektromechaniker, der lange Zeit bei DaimerChrysler in Sindelfingen gearbeitet hat und jetzt im Vorruhestand ist. In Sachen Feuerwehr ist Müller sozusagen erblich vorbelastet. Sein Vater Karl-Alfred Müller war selbst lange als Feuerwehrmann dabei. Damals gab es in Mühlacker noch die „Weckerlinie“. Sohn Wilfried: „Wenn’s nachts geschellt hat, war die ganze Familie wach.“ Heute werden die Einsatzkräfte über Meldeempfänger alarmiert. Überhaupt sei es wichtig, dass die Familie den Feuerwehrdienst unterstützt.

 Winfried Müller bedauert, dass immer weniger Menschen bereit seien, sich ehrenamtlich für die Allgemeinheit einzubringen. Neben der Kameradschaft könne man bei der Feuerwehr „viel fürs Leben lernen“.

 Schon früh hat Wilfried Müller Verantwortung übernommen. Im Laufe der Zeit hat er die unterschiedlichsten Lehrgänge absolviert und war bei vielen Einsätzen dabei: vom Großfeuer bis zu der Bergung toter Menschen. Nicht immer eine leichte Aufgabe für die Rettungskräfte. Noch gut erinnern kann sich Wilfried Müller an das Großfeuer im Dürrmenzer Ortskern, als im Januar 1971 die ehemalige Brauerei in Flammen stand. Bei den Löscharbeiten habe eine Außentemperatur von 17 Grad minus geherrscht. „Da sind die Schläuche buchstäblich eingefroren.“ Auch der Großbrand auf dem Metzler-Areal ist Müller noch gut in Erinnerung: „Ein riesiges Großfeuer“. Bis an die Grenze der Belastbarkeit seien die Mühlacker Feuerwehrleute natürlich auch beim Hochwasser im Dezember 1993 gefordert gewesen, meint der scheidende Abteilungskommandant.

 „Man sieht die Katastrophe und kann zunächst wenig ausrichten“, schildert er seine Gefühle rückblickend. Dass die Ehrenamtlichen in den Feuerwehren viel persönlichen Einsatz brächten und häufig persönliche Dinge hinten anstellten, darauf verweist Wilfried Müller.

 Und ein persönliches Erlebnis? Müller zögert und will es zunächst als „nicht so wichtig“ abtun: Weihnachten 1993 musste seine Frau den Weihnachtsbaum aufstellen, weil der Ehemann mit seinen Kameraden fünf Tage im Hochwassereinsatz war.

 Wilfried Müller wird der Mühlacker Feuerwehr auch in Zukunft erhalten bleiben, wenn auch – seit gestern Abend – nicht mehr an vorderster Front.     Gerhard Franz

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