Feuer wütet im Lienzinger Ortskern

Erstellt: 31. Juli 2006, 00:00 Uhr
Feuer wütet im Lienzinger Ortskern Feuersbrunst: Als die Einsatzkräfte in der Friedenstraße eintreffen, steht der Scheunentrakt bereits in hellen Flammen.

 Historische Scheune zerstört – Pferde aus brennendem Stall gerettet – Besitzer und Töchter leicht verletzt

Mühlacker-Lienzingen –  Großeinsatz im Herzen von Lienzingen: Ein verheerendes Feuer hat am Samstagabend einen denkmalgeschützten Scheunenkomplex mit Stall und Garagenanbau völlig zerstört. Vier Pferde wurden in letzter Sekunde gerettet. Bei den drei Töchtern des Besitzers bestand der Verdacht auf Rauchvergiftung.

VON THOMAS EIER

Als Bäckermeister Ulrich Schmid an diesem Samstag, gegen 18.20 Uhr, aus dem Fenster seines Wohn- und Geschäftshauses an der Ecke Friedenstraße und Zaisersweiherstraße schaut, traut er seinen Augen nicht: Gegenüber, auf der anderen Straßenseite, schlägt dichter Qualm aus dem Dach seiner zweistöckigen Scheune. Kurze Zeit später steht der Dachstuhl, wo Heu und Stroh gelagert ist, auch schon lichterloh in Flammen. Mein Gott, die Pferde!

 Mit dem Anruf bei der Feuerwehr startet die Familie eine Rettungsaktion, die sie selbst in höchste Gefahr bringt. „Die Pferde wollten erst gar nicht raus, dabei sind schon die brennenden Sparren runtergefallen. Erst als das erste Tier draußen war, sind die anderen hinterher“, erzählt Ulrich Schmid, der sich den Fuß an einer Scherbe verletzt hat, dem Mühlacker Tagblatt. Auch das Auto, das in einer Garage im moderneren Anbau untergestellt war, sei in Sicherheit gebracht worden.

 Allerdings atmeten die elf, 15 und 19 Jahre alten Töchter im Bemühen um die geliebten Tiere giftigen Rauch ein, so dass sie später mit Verdacht auf Rauchvergiftung ins Mühlacker Krankenhaus gebracht werden mussten. „Mit Sicherheit hat auch die Aufregung eine Rolle gespielt“, vermutete ihr Bruder, als die Pferde sicher auf einer nahe gelegenen Koppel untergebracht waren. „In der ersten Hektik“, erläuterten im Gespräch mit unserer Zeitung DRK-Kreisbereitschaftsleiter Wolfgang Haalboom und Mühlackers Bereitschaftsleiter Michael Oettinger, „achtet man gar nicht auf die Folgen des Rauchs. Aber er ist tückisch, so dass die Opfer unbedingt versorgt werden müssen.“ Nur eines der Mädchen musste zur Beobachtung über Nacht in der Klinik bleiben. „Uns geht es wieder gut“, sagte die Schwester am Sonntag.

Feuerwehr baut einen Sperriegel aus Wasser auf

Für die Feuerwehr, die bereits sechs Minuten nach ihrer Alarmierung um 18.21 Uhr vor Ort war, ging es zunächst darum, umliegende Wohnhäuser vor den Flammen zu schützen. „Wir haben sofort Riegelstellungen aufgebaut“, erklärt Feuerwehrkommandant Bernd Straile. Bedeutet: Das brennende Gebäude wurde umstellt und das Feuer von allen Seiten bekämpft, um ein Überspringen auf Nachbarhäuser in unmittelbarer Nähe zu vermeiden. Angesichts der Gefahrenlage wurde Großalarm ausgelöst, worauf sämtliche Abteilungen der Stadt nach Lienzingen ausrückten. 55 Feuerwehrleute mit neun Fahrzeugen waren letztlich vor Ort. Dazu die Polizei und der Rettungsdienst mit sieben Mann und vier Fahrzeugen sowie die DRK-Bereitschaft Mühlacker mit 18 Mann in drei Autos – es herrschte der Ausnahmezustand in der Lienzinger Ortsmitte. Die Ortsdurchfahrt, Teil der Landesstraße 1134, blieb bis in die Nacht hinein voll gesperrt.

Sachschaden wird auf  120000 Euro geschätzt

Mit Hoffen und Bangen verfolgten in der Masse der Schaulustigen die Anwohner den Löscheinsatz. Sie durften am Ende aufatmen: Den angrenzenden Häusern ist, abgesehen von einem Stromausfall beim direkten Nachbarn, nichts passiert. „Gott sei Dank sind keine Menschen zu Schaden gekommen und ist kein Wohnraum vernichtet worden“, meinte erleichert der Leiter des Bürger- und Ordnungsamts, Peter Laible, der sich wie Bürgermeister Hans-Jürgen Pisch ein Bild von der Lage machte.
 Am Ende blieb es beim Schaden an der Scheune, den die Polizei auf rund 120000 Euro schätzte. Das vor dreieinhalb Jahren aufwändig restaurierte Gebäude, für deren Erhalt das Landesdenkmalamt eingetreten war, wurde wie der Anbau total verwüstet. Auch der örtliche Zimmerermeister Gerhard Kälber, der den Komplex saniert hat, musste mit ansehen, wie nur ein verkohltes Gerippe übrig blieb. „Im ersten Moment sieht es immer so aus, als sei alles kaputt“, hatte er noch eine leise Hoffnung, dass sich die historische Konstruktion retten lässt. „Man muss es sich erst näher ansehen.“
 Nur ein Trümmerfeld blieb vom Anbau, der ebenfalls als Lager für Heu und Stroh diente. Tief im Innern der Ballen schwelte das Feuer selbst dann noch weiter, als das Gebäude schon gelöscht schien. Arbeitskollegen in der Lienzinger Feuerwehr kamen daher auf die Idee, Bauunternehmer Wolfgang „Welle“ Kreuz zur Hilfe zu holen. Mit der Schaufel seines Baggers drückte er zunächst die Seitenwand des Anbaus ein und zog dann durch das Loch das brennende Stroh ins Freie, wo es die Feuerwehr ablöschte. Vom Technischen Hilfswerk Mühlacker und mit Unterstützung einer privaten Baufirma wurde das noch immer qualmende Material auf Lastwagen zur Zwischenlagerung auf den ehemaligen Lienzinger Häckselplatz gebracht.

Instabile Giebelwand wird zum Sicherheitsrisiko

Bereits während der letzten Löscharbeiten hatte sich die Einsatzleitung Gedanken über die Stabilität des Garagenanbaus gemacht – stand doch mittlerweile nurmehr der Giebel zur Straßenseite hin. Um 22 Uhr dann war die Entscheidung gefallen: Wolfgang Kreuz drückte die einsturzgefährdete Wand mit seiner Baggerschaufel ein.

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