Feuer verursacht Millionenschaden

Erstellt: 30. April 2011, 00:00 Uhr
Feuer verursacht Millionenschaden Fabrikhalle in Dürrn brennt lichterloh: Beim Einsatz im Gewerbegebiet stellen die Feuerwehren aus der gesamten Region ihre Kollegialität und Schlagkraft unter Beweis. Foto: Fotomoment

Fabrikhalle eines Werkzeugbau-Betriebs fällt einem Großbrand zum Opfer – 100 Einsatzkräfte kämpfen gegen die Flammen

Bis zu 15 Meter hohe Flammen schlagen weithin sichtbar aus dem Dach einer Fabrikhalle im Dürrner Gewerbegebiet. Eine dichte Qualmwolke, erhellt vom Feuer, wabert über dem Gebäude. Ein Großbrand stellt die Feuerwehr aus Ölbronn-Dürrn am frühen Freitagmorgen auf die Probe.

 Von Maik Disselhoff

Ölbronn-Dürrn. Alarmzeit 0.20 Uhr. Erst zeigt das kleine Meldegerät von Jürgen Braun ein Feuer der Stufe zwei an, wenig später ist es ein Brand der Stufe drei. Der Gesamtkommandant der Feuerwehr Ölbronn-Dürrn weiß jetzt, worauf sich er und sein Team einstellen müssen, als sie zum Brand an der Bertha-Benz-Straße 5 im Dürrner Gewerbegebiet ausrücken. Schon bei der Anfahrt von Ölbronn aus sehen die Feuerwehrleute die Flammen. Schnell ist klar, dass es sich um einen Großbrand handelt. Die Flammen schlagen bis zu 15 Meter hoch aus dem Dach eines Werkzeugbau-Betriebs. Obwohl der obere Stock der zweigeschossigen Firmenhalle lichterloh brennt, können Braun und seine Helfer, die schnell Verstärkung anfordern, zumindest in einem Punkt aufatmen. Zum Zeitpunkt des Feuers halten sich keine Menschen im Gebäude auf. Beim Löscheinsatz erhalten die 30 Mann der Feuerwehrabteilungen aus Ölbronn und Dürrn Hilfe von benachbarten Feuerwehren. Die Mühlacker Kollegen rücken mit der Drehleiter an, Illingen schickt ein Spezialfahrzeug des ABC-Zugs, das die Rauchgasentwicklung misst. „Vom Rauch ging keine Gefahr für die Bevölkerung aus“, sagt Kommandant Braun.

 Die Feuerwehrleute, die die Flammen an vorderster Front zeitweise mit Wasser aus neun Strahlrohren bekämpfen, tragen Atemschutzgeräte. Wichtig sei die Drehleiter aus Mühlacker gewesen, mit deren Hilfe man die Flammen von oben effektiv habe bekämpfen können, so Braun, der zu Beginn der Löscharbeiten verhindern muss, dass die Flammen auf einen holzverarbeitenden Betrieb übergreifen, der sich in direkter Nachbarschaft zur brennenden Fabrikhalle befindet. Das gelingt mithilfe einer sogenannten „Riegelstellung“.

 Rund 100 Mann, darunter freiwillige Helfer der Feuerwehren aus Ötisheim und Kieselbronn sowie die DRK-Bereitschaft, sind an der Bertha-Benz-Straße beim Großeinsatz auf den Beinen. Auch wenn der obere Stock des Betriebs völlig ausgebrannt sei, habe man einen Großteil des Erdgeschosses retten können, zieht Braun am Freitagvormittag Bilanz der nächtlichen Kraftprobe, die auch dank der Nachbarwehren und der Unterstützung durch den Kreisbrandmeister Christian Spielvogel und seinen Stellvertreter Martin Rühle ordentlich abgelaufen sei. „Allein wären wir schnell an unsere Grenzen gestoßen“, macht Braun klar, der um 5 Uhr früh das Feld räumt, um eine Stunde später an seinem Arbeitsplatz bei den NSN-Natursteinwerken zu sitzen. Gegen 5 Uhr sind auch die Nachlöscharbeiten weitestgehend abgeschlossen. Sechs bis acht Mann bleiben als Brandwache vor Ort.

Bürgermeister lobt die Rettungskräfte

 Kurz nach 1 Uhr, als die Löscharbeiten in vollem Gange sind, trifft Bürgermeister Norbert Holme an der Bertha-Benz-Straße 5 ein. Zu diesem Zeitpunkt habe die Feuerwehr den Brand bereits im Griff gehabt, so Holme, der sich zuerst fragt, ob Menschen in Gefahr sind. Schnell weiß der Rathauschef, dass in dieser Hinsicht nichts zu befürchten ist. Am Freitagmorgen lobt Holme seine Einsatzkräfte, die mit der unverzüglichen Anforderung von Unterstützung richtig reagiert und „keinen falschen Stolz“ gezeigt hätten. Dadurch sei ein professioneller Ablauf garantiert gewesen. Auch wenn es glücklicherweise keine Verletzten zu beklagen gebe, sei das Feuer ein herber Schlag für einen innovativen Betrieb, der die Gemeinde erst kürzlich auf der Hannovermesse vertreten habe. „Das Gebäude scheint nicht mehr nutzbar“, sagt Holme, der einen Totalschaden befürchtet. Doch Firmenchef Bernd Nonnenmacher sei motiviert und gehe die schwierige Situation engagiert an, sagt der Bürgermeister, der vor der Moral des Geschäftsmanns den Hut zieht. Das Unternehmen habe gestern Morgen damit begonnen, ein Zelt aufzubauen, um dort die Maschinen und Teile unterzubringen, die noch zu retten seien.

 Die Polizei beziffert die Schadenshöhe gestern Mittag auf bis zu eine Million Euro. Um 2.35 Uhr sei das Feuer gelöscht gewesen, teilt die Pforzheimer Polizeidirektion mit. Die Ermittlungen zur Brandursache sind auch gestern Abend zu Redaktionsschluss noch nicht abgeschlossen. Bisher geht die Polizei von einem technischen Defekt als Brandursache aus. Vermutet wird, dass ein Schmelzofen, der in der Halle über Nacht angeschaltet gewesen sei, das Feuer ausgelöst haben könnte, heißt es seitens der Polizei. Bürgermeister Holme hofft nun, dass der Betrieb trotz des Feuers weiter existieren kann. „Schließlich arbeiten dort 45 Mitarbeiter.“

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