Felchle: Keine Anzeichen für Abschied

Erstellt: 24. November 2007, 00:00 Uhr
Felchle: Keine Anzeichen für Abschied Keine Spur von Amtsmüdigkeit: Bürgermeister Andreas Felchle. Foto: Archiv

Maulbronner wählen 2008 ihren Bürgermeister –  Amtsinhaber kündigt für Mittwoch eine „kurze Erklärung“ an.

Maulbronn – Nach dem Vorschlag aus dem Rathaus wird in Maulbronn am 8. Juni 2008 ein neuer Bürgermeister gewählt – und vieles deutet darauf hin, dass es sich um den alten handelt. Andreas Felchle möchte sich zwar erst am Mittwoch offiziell gegenüber dem Gemeinderat erklären, doch macht er auf Nachfrage schon einmal deutlich: Von Amtsmüdigkeit ist keine Spur.

VON THOMAS EIER

1992, als sich ein 30-jähriger Diplom-Verwaltungswirt aus Esslingen am Neckar dem Wahlvolk in Maulbronn vorstellte, rechneten viele damit, die Klosterstadt könnte für Andreas Felchle nur ein Sprungbrett sein. Auch er selbst hat den Verdacht, er wolle noch Oberbürgermeister oder Landrat werden, nie kategorisch bestritten. „Gründe zum Nachdenken“, sagt er 15 Jahre nach seinem Amtsantritt, „gibt es immer“: das Gefühl, ein gewisser Wechsel tue einem demokratischen Gemeinwesen gut, der Wunsch, sich noch einmal neuen Herausforderungen zu stellen – und das Bewusstsein, dass als Verwaltungschef einer Kleinstadt die höchste Besoldungsstufe schon erreicht ist und die Gehaltserhöhungen der Beamten zuletzt regelmäßig unter der Inflationsrate geblieben sind.

 Andererseits: Die Arbeit macht noch Spaß, wie Felchle glaubhaft versichert. Nicht zuletzt deshalb, weil die Stadt Maulbronn, wie der 45-Jährige in einer kurzen Zwischenbilanz unterstreicht, „gut da steht“. Seit 1992, als er mit 47,7 Prozent der Stimmen im zweiten Wahlgang gewählt wurde, hätten es der Gemeinderat und die Stadtverwaltung in gemeinsamen Anstrengungen und mit Hilfe eines gut angelegten Aktienerlöses geschafft, die Verschuldung auf Null zurückzuschrauben. „Weil wir mittlerweile keine Zinsen mehr bezahlen müssen, haben wir den nötigen Spielraum für viele Projekte und viele spontane Zuwendungen, die für eine Stadt unserer Größe sehr wichtig sind“, fasst Felchle die positive Entwicklung in seiner bisherigen Amtszeit zusammen. „Wenn es die Finanzlage erlaubt, ,mal eben‘ 5000 oder 10000 Euro für eine gute Sache beizusteuern, hilft das vielen engagierten Leuten weiter und hat einen unglaublich positiven Effekt.“ Gleichzeitig könne die Stadt Maulbronn aus dem Verwaltungshaushalt –  also mit ihren laufenden Einnahmen – vieles auf Vordermann bringen, von den öffentlichen Gebäuden und Hallen über die Kindergärten und Schulen bis hin zu den Straßen und den Abwasserkanälen. Die gemeinsam betriebene „konservative Haushaltspolitik“, betont das CDU-Mitglied Felchle, zeige Wirkung. 1993 habe die Stadt letztmals neue Schulden gemacht und Mitte der 90er Jahre letztmals ihre Steuern erhöht.

 So könnte Felchle, der seine Pläne für eine Landtagskandidatur nach dem Debakel beim Kreisparteitag im März zu den Akten gelegt hat, seinem Nachfolger ein gemachtes Nest hinterlassen – falls er denn tatsächlich wechseln wollte. „Es gibt aber viele, viele gute Gründe, hier zu bleiben. Es macht mir heute Spaß und es macht mit Sicherheit auch die nächsten acht Jahre Spaߓ, kündigte der Amtsinhaber für die Sitzung am Mittwoch eine „kurze Erklärung“ an. Zumal, wie er sagt, „die kleine Familie Felchle“ mit Ehefrau Heike und der neunjährigen Tochter Rebecca längst in Maulbronn heimisch geworden sei.

 Auch in der Zukunft sieht der Maulbronner Bürgermeister, der 2000 als alleiniger Kandidat mit 95 Prozent der Stimmen bestätigt wurde, keinen Anlass, sich zurückzulehnen. Der Ausbau der Schulen, und insbesondere des Salzachgymnasiums, sei eine reizvolle Aufgabe – eine andere sei es, neue Antworten auf die vielen Fragestellungen im Zusammenhang mit der demografischen Entwicklung zu finden. „Der Konkurrenzkampf auf Teufel komm raus kann es nicht sein“, erteilt Felchle dem Wettlauf unter den Städten und Gemeinden um neue Baugebiete eine Absage. Der Ausbau des Heimatmuseums im Schafhof und die Chance, im Kloster ein kleines Literaturmuseum einzurichten, dazu die Diskussion um einen Anschluss des Maulbronner Stadtbahnhofs – für den Amtsinhaber steht heute schon fest, dass dem Maulbronner Bürgermeister keine Langeweile und keine Routine drohen.

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