Feierabend tritt von der Triathlonbühne ab

Erstellt: 21. September 2006, 00:00 Uhr
Feierabend tritt von der Triathlonbühne ab „Es langt“, sagt Harald Feierabend. Foto: p

Nach einem erneut schweren Sturz beim Triathlon in Locarno sagt der Illinger dem Hochleistungssport ade

Schluss, Aus, Vorbei – Harald Feierband will nicht mehr. Der Triathlet aus Illingen hängt seine Laufschuhe an den Nagel. Dem Hochleistungssport sagt er leise ade. Der schwere Sturz beim jüngsten Wettkampf im schweizerischen Locarno hat dem 39-Jährigen den Rest gegeben. „Es langt“, sagt er.

VON DOMINIQUE JAHN

„Mit 40 wird der Schwabe gescheit“, lautet ein altes Sprichwort. Das spukt dem Illinger Triathleten schon seit einiger Zeit durch den Kopf. Zwar feiert „Chico“, wie er liebevoll von seinen Freunden genannt wird, erst im nächsten Jahr seinen runden Geburtstag, aber er hat jetzt schon für sich entschieden: Mit dem Hochleistungssport ist Schluss. „Es geht nicht mehr, ich bin psychisch am Ende.“

 Dabei wollte der Top-Athlet noch beim Ironman in Florida starten und hatte dafür auch kräftig trainiert. Doch die Diagnose von Arthrose im Rücken und die private Organisation vieler Veranstaltungen in Illingen (Citylauf, Gewerbeschau), bremsten Feierabend aus. Einem Start in Locarno über die Mitteldistanz stand jedoch nichts im Wege. Und es lief gut in der Schweiz: Nach dem Schwimmen fand er sich unter den ersten 30 wieder. Das Aus kam aber – wieder einmal – beim Radfahren. Die Straße war für den öffentlichen Verkehr nicht gesperrt. Dies wurde dem 39-Jährigen zum Verhängnis. Bei rund 50 Kilometern pro Stunde auf der Rennmaschine konnte der Illinger einem überholenden PKW nicht mehr ausweichen und knallte gegen einen Felsen. Es war der dritte Sturz innerhalb von drei Jahren bei einem Wettkampf. Feierabend brach sich die Rippen, die Schulter und trug innere Verletzungen davon. Zwischen Lunge und Rippen bildete sich ein Bluterguss, der einige Tage später mit einer Drainage herausgezogen werden musste. Vier Tage lag Harald Feierabend im Mühlacker Krankenhaus auf der Intensivstation. Doktor Reim päppelte den schwer verletzten Triathleten wieder auf. Bei der letzten Untersuchung zog ihm Doktor Kirschbaum noch Luft aus der Lunge, damit keine Folgeschäden bleiben.
„Ich habe genug von Ärzten und Krankenhäusern“, seufzt Feierabend, „ich glaube, dass war jetzt ein Zeichen, dass ich mit dem Hochleistungssport aufhören soll.“

  Feierabends Karriere – sie war mit Höhen und Tiefen versehen. Im Jahr 2000 erfasste ihn bei einem Wettkampf in Maximiliansau ein Auto, 2003 flog er beim Zeitfahren in Sigmaringen über die Leitplanke, 2004 wurde er in Malaysia von einem Auto über den Haufen gefahren und jetzt der missglückte Ausweichversuch in Locarno. Klar, dass sein Körper bei so vielen Unfällen nicht ungeschoren davonkam. „Ab und zu zwickt es in den Knochen. Vor allem der Rücken und die Schulter mussten viel einstecken“, sagt der gelernte Maurer. Doch Feierabend war schon immer ein Stehaufmännchen. Immer wieder kämpfte er sich nach Verletzungen heran, trainierte wie ein Besessener, um beim nächsten Wettkampf wieder topfit an den Start gehen zu können. Seine Karriere begann vor sechzehn Jahren und er war stets in den Top Ten zu finden. Zu den Highlights gehören sicherlich die Teilnahmen beim Ironman auf Hawaii. Doch das ist jetzt alles Geschichte. Feierabend fühlt sich ausgebrannt. „Ich bin bei Wettkämpfen vom Kopf her nicht mehr hundert Prozent bei der Sache“, gibt er zu. „Mir schwirren da so viele andere Dinge durch den Kopf. Und nach dem Sturz in Locarno, fällt es mir schwer, mich noch zu motivieren.“

 Für den Illinger Top-Athlet stand der Spaß am Leistungssport immer an erster Stelle. Auch wenn die 35 Stunden Training unter der Woche oftmals reine Quälerei gewesen seien, wie er sagt. Künftig will Feierabend in seinem Leben andere Prioritäten setzen. „Familie und Geschäft haben Vorrang“, blickt er nach vorne und will noch intensiver in die Organisation von Wettkämpfen einseteigen.

Marathon künftig nur noch ganz locker und ohne Zwang

So wird es am 3. März 2007 zum ersten Mal einen Cross-Duathlon in Illingen geben. Außerdem wird der Citylauf in der Stromberggemeinde ab sofort mit zu den württembergischen Volkslaufmeisterschaften gehören. Am 8. September soll es zudem noch einen neuen Lauf in Nußdorf geben. Feierabend wird einiges auf die Beine stellen – im Hintergrund aktiv sein. Doch so ganz ohne Laufschuhe geht es beim Inhaber des Sportgeschäfts „Sportevolution“ eben doch nicht. „Ende Oktober darf ich wieder langsam mit dem Joggen anfangen. Im Frühjahr werde ich dann vielleicht den Marathon in Hamburg oder London laufen.“ Ganz locker eben, ohne Zwang. „Mir geht’s nur ums Finishen“, sagt er. Wehmut ist dabei: „Es wird mir schwer fallen ohne Leistungssport. In ein, zwei Jahren werde ich wohl erst damit klar kommen.“

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