Fechttrainer erwacht aus dem Koma

Erstellt: 30. August 2011, 00:00 Uhr
Fechttrainer erwacht aus dem Koma Bild aus alten Tagen, als Wladimir Resnitschenko in den 80er und 90er Jahren einer der besten Degenfechter der Welt war, Weltmeister und Olympiasieger wurde. Foto: StN-Archiv

Besuch von Illinger Kameraden – Wladimir Resnitschenko auf dem Weg der Besserung

Von Steffen-Michael Eigner

Illingen/Stuttgart. Wladimir Resnitschenko, der Fechttrainer des SV Illingen, ist wieder bei Bewusstsein, was gestern bekannt wurde. Vereinskameraden aus Illingen haben ihn am Wochenende im Krankenhaus besucht. Noch aber hat ihn die Kriminalpolizei nicht dazu vernommen, wie es zu der Prügelei gekommen war, bei der der Mannschafts-Olympiasieger von 1992 vor mehr als zwei Wochen lebensgefährliche Kopfverletzungen erlitt (wir berichteten exklusiv).

„Respekt! Das ist ein echter Kämpfer!“, ist Uwe Mantai völlig baff, dessen Tochter Karina bei Resnitschenko trainiert. Mantai und seine Frau haben den ehemaligen Degen-Champion zweimal am Wochenende im Krankenhaus besucht und dabei große Genesungsfortschritte bei ihm beobachtet. „Beim ersten Mal konnte er seinen rechten Arm noch gar nicht bewegen. Am Sonntag hat er mir schon die Hand gegeben“, berichtet Uwe Mantai. Mittlerweile sei Resnitschenko auch von der Intensivstation auf die Zwischenstation verlegt worden. „Wir sind sogar am Sonntag ein wenig mit ihm über den Flur spaziert“, so Mantai. Und Resnitschenko habe auch schon wieder angeregt über das Thema Fechten geplaudert. „Er ist schon richtig ungeduldig und hat gefragt, wann sie wieder trainieren könnten. Aber er braucht sicherlich noch Zeit.“

Über die Schläge, durch die Wladimir Resnitschenko vor mehr als zwei Wochen schwer verletzt wurde, ist bei dem Besuch offenbar nicht gesprochen worden. „Ich habe auch den Eindruck, dass er sich daran gar nicht erinnert“, sagt Uwe Mantai. Das würde die Kriminalbeamten, die sich von Resnitschenko noch immer eine Aussage zum Tathergang erhoffen, sicherlich nicht freuen, aber: „Es wäre verständlich“, sagt Jens Lauer, Pressesprecher der Stuttgarter Polizei. Noch wurde Resnitschenko nicht von den Beamten vernommen.

„Wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre ich in Russland geblieben“

Wladimir Resnitschenko,
zweifacher Olympia-Medaillengewinner über die Siegprämien hier und dort

Nach derzeitigem Stand der Ermittlingen war Wladimir Resnitschenko am 13. August bei zwei Bekannten in Stuttgart zu Gast gewesen. Im Verlauf des Abends und nach etwas Alkoholgenuss scheint es zu einem Streit gekommen zu sein. Resnitschenko wurde von den beiden anderen derart verprügelt, dass er mit schweren Kopfverletzungen ins Krankenhaus gebracht werden musste und zeitweise in Lebensgefahr schwebte. Gerettet wurde er nur durch einen glücklichen Zufall, weil Nachbarn wegen des Lärms die Polizei gerufen hatten. Die beiden mutmaßlichen Täter sitzen seither in Untersuchungshaft und verweigern noch immer die Aussage.

Wladimir Resnitschenko ist 1965 als Sohn einer Russin und eines Kubaners in der damaligen Sowjetrepublik Kasachstan geboren und begann bereits als kleiner Junge mit dem Fechtsport. In den 80er und 90er Jahren war er einer der weltbesten Degenfechter. 1987 wurde der Linkshänder mit der Equipe der UdSSR Mannschafts-Weltmeister und belegte im Einzel Platz fünf. Ein Jahr später gewann er mit der sowjetischen Mannschaft Bronze bei den Olympischen Spielen in Seoul.

1990 zog Wladimir Resnitschenko nach Deutschland, schloss sich dem FC Tauberbischofsheim an und erhielt wenig später die deutsche Staatsbürgerschaft. 1992 wurde der heute 46-Jährige Deutscher Meister mit dem Degen (Einzel) und außerdem Olympiasieger: Arnd Schmitt, Elmar Borrmann, Uwe Proske, Robert Felisiak und Wladimir Resnitschenko – in dieser Besetzung holten die deutschen Degenfechter in Barcelona olympisches Gold im Mannschaftswettbewerb. Im selben Jahr bekam Resnitschenko obendrein den „Bambi“ verliehen.

Dennoch bedauert er im Nachhinein seinen Wechsel in den Westen: „Für Olympia-Bronze bekam ich 1988 in der Sowjetunion ein Auto, eine Eigentumswohnung und ein Grundstück an der Ostsee, dazu eine lebenslange Pension von umgerechnet 700 Euro“, verriet er vor zwei Jahren einem Journalisten. Für die Goldmedaille in Barcelona gab es hingegen nur eine einmalige Prämie von 30 000 Mark. „Wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre ich in Russland geblieben“, gestand Resnitschenko ein, die Verdienstmöglichkeiten im Westen überschätzt zu haben.

In den vergangenen Jahren arbeitete er zeitweise als Fitnesstrainer in einem Esslinger Sportstudio, außerdem als Fechttrainer bei den TSF Ditzingen, der TSG Backnang. Zurzeit ist er beim SV Illingen und der TG Biberach engagiert.

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